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1 (1843)
Entstehung
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23 §. 7.

Wahrſcheinlichkeitsbeweis aus der Erfindung der Erdcharten.

Die gewöhnliche Annahme läßt die Erfindung der Erdcharten von Anaximander ausgehen. Und in der That, ein Blick auf die Zeitbedürfniſſe und die perſönliche Befähigung des Philo⸗ ſophen enthält ſchon an ſich eine gewiſſe Beglaubigung; indeß empfiehlt es ſich doch, die Zeugniſſe des Alterthums zur feſtern Stütze dafür den Augen vorzuführen, zumal ſich daraus auch ergeben wird, ob hinreichende Gründe vorhanden ſind, weshalb die achtbaren Werke der neueſten Zeit, welche dieſen Gegenſtand berühren, noch einen Zweifel an der Gewißheit der Sache durchblicken laſſen*). Denn ſo ehrenwerth die kritiſche Behutſamkeit iſt, ſo ſcheinen doch hier Momente genug vorzuliegen, welche alle Bedenklichkeiten zu entfernen geeignet ſind.

Erwägt man das wiſſenſchaftliche Streben, welches Thales in den beſſern Köpfen entzündet hatte, berückſichtigt man die gewiß ſchon bedeutende Orts⸗ und Länderkunde der Mileſier in jenen Tagen, welche durch ihre Schifffahrt wie durch Ausſendung von Colonien mit entfernteren Meeren, Inſeln, Landſtrecken vertraut geworden waren, beachtet man die hieraus ſich ent wickelnde Leichtigkeit einer Länderzeichnung, im Verein mit dem für das allgemeine Intereſſe fühlbaren Bedürfniſſe einer, wenn auch rohen und unvollkommenen Voraugenſtellung der beſuchten Gegenden, gegründeten Colonien, angelegten Factoreien zur Förderung neuer Unternehmungen und kaufmänniſcher Speculationen: ſo wird man zugeben, daß in den Zeitumſtänden eben ſo dringende Aufforderungen als hülfreiche Unterſtützungsmittel zur Aufſtellung einer Ländercharte liegen, und es war recht gut möglich, daß ein ſinniger, zu ſolchem Geſchäft beſonders geſchickter Geiſt, wie der Geiſt Anaximanders war, auf den Gedanken kam, die gangbare Länder⸗ und Ortskunde mit ſeiner Vorſtellung von der Erdgeſtalt in Verbindung und durch eine Charte zur Anſchauung zu bringen.

So gewiß nun auch die Logik einen Schluß, durch welchen aus der Möglichkeit und aus der Befähigung zu einer Erfindung das Factum der Erfindung gefolgert wird, zu mißbilligen befugt iſt, ſo kann doch hier dieſe Mißbilligung unbeachtet bleiben, weil ſo viele Stimmen aus der grauen Vorzeit Anaximander als wirklichen Erfinder bezeichnen.

Und unter dieſen Stimmen iſt, wahrlich! die des Eratoſthenes, welche Strabo(Libr. I. cap. 7. Edit. Basil. p. 7) reden läßt, wichtig genug.

Eratoſthenes lebte 300 Jahre ſpäter*) als Anaxrimander. Gleich berühmt als Gram⸗ matiker, Philoſoph und Dichter, wie als Aſtronom und Geograph, befand er ſich ſeit 228 a. Chr.

1) Vergl. Ukert Geogr. der Gr. u. R. Th. 1. Abth. 1. S. 53. Abth. 2. S. 168. Mannert Geogr. d. Gr. u. R. Th. 7. S. 11(Nürnberg 1799). Sickler Leitfaden zum Unterr. in d. alten Geogr. Caſſel 1826 Einleitung S. 11. Wachsmuth hellen. Alterthumsk. Th. II. Abth. 2. S. 482.

2) Fabric. Bibl. Gr. L. III. cap. 18, 12. p. 471 ff. Groddeck llistor. Gr. lit. T. II. p. 79. Klippel über d. Alerandr. Muſeum. Götting. 1838 S. 75.