20 geſucht und ihnen einen beſtimmten Sinn gegeben durch die Verbeſſerung: siderum ortus fores aperuisse, d. i. die Aufgangspuncte der Geſtirne an's Licht geſtellt.— Der erwachenden Wiſſen⸗ ſchaft konnten ſchwankende Angaben nicht mehr genügen; ſie ſtrebte nach feſten Beſtimmungen, um daran folgenreiche Berechnungen zu knüpfen. Dieſem Beſtreben huldigte aber Anaximander, ſofern er die Aufgangspuncte der Geſtirne auszumitteln ſuchte, um ihre Abſtände und Entfer⸗ nungen von einander für weitere Zwecke auszumeſſen. Hierin lag ein aufzeichnenswerthes Ver⸗ dienſt, das zugleich dem Entwickelungsgange der Aſtronomie bei den Griechen entſpricht. Gleiche oder doch ähnliche Betrachtungen mochten auch Ideler ¹) in der Erklärung der Plinianiſchen Stelle leiten. Mithin würde ſich aus den Worten zwar ein großes theoretiſches Verdienſt Anaximanders ergeben, aber noch nicht die Erſindung eines Globus.— Was nun den Schlußſatz: sphaeram ipsam ante multo Atlas anbelangt: ſo ſcheint er einer Zugabe zu gleichen, welche Plinius, weil nun einmal die Lectüre darauf geführt hatte, ſeinen Leſern nicht vorenthalten wollte. An einen künſtlichen Himmelsglobus kann um ſo weniger gedacht werden, je lächerlicher es ſein würde, ein ſolches Kunſtwerk in die Fabelwelt zu verlegen und je lauter die Thatſache ſpricht, daß ſich die Aſtronomie bei den Griechen langſamen und erkennbaren Schrittes entwickelt hat. Die Annahme, daß ein ſolcher, vom fabelhaften Atlas oder einer hiſtoriſchen Perſon verfertigter Globus vorhanden geweſen ſei in der Zeit, wo die Griechen ihren Sinn auf Aſtronomie gelenkt, würde mit jenem Entwickelungsgange in Widerſpruch treten, ſofern man ſich nicht erklären könnte, warum die Uebertragung der aſtronomiſchen Kenntniſſe, die von den Schriftſtellern im Einzelnen namhaft gemacht ſind, nur allmählich vor ſich gegangen und nicht in Einem Actus erfolgt ſei, was doch durch Vermittelung des Inſtrumentes ſo natürlich und leicht geweſen wäre.— Obſchon im Verzeichniſſe*) der zum zweiten Buche von Plinius benutzten Autoren Diodor aus Sicilien nicht erwähnt wird, ſo fühlt man ſich wegen der augenſcheinlichen Uebereinſtimmung in den beiderſeitigen Erzählungen dennoch geneigt, dieſen Schriftſteller zum Gewährsmann des Plinius zu machen, wie er es auch in andern Stellen geweſen iſt. Denn Diodor berichtet im dritten Buche*) ſeiner reichhaltigen Bibliothek vom Atlas:„Man ſagt, „er habe eine vollkommene Kenntniß der Sternkunde gehabt und zuerſt(⁶◻G GωνιοW˙ 40„) das „ſphäriſche Verhältniß bekannt gemacht. Daher ſei die Meinung entſtanden, daß der Himmel „auf ſeinen Schultern ruhe, da doch dieſe Fabel lehre, er habe die Sphäre erfunden und „beſchrieben.“ Derſelbe Diodor fügt im vierten Buche hinzu*):„Atlas hatte großen Fleiß auf „Aſtronomie verwendet und weil er(1*νν Ʒτιυν qdστσενωυνν σ&φσσοαe qu³οσινα ειαυνυσ⁷ ſehr kunſtreich „die Sphäre der Geſtirne auffand, ſo glaubte man, daß er die Welt auf ſeinen Schultern „trage. Ebenſo entſtand auch, als Hercules die Aſtronomie unter die Griechen verpflanzt
1) Handb. d. math. u. techn. Chronolog. Th. II. S. 235. 2) cf. Plin. II. N. Libr. I. p. 3
3) cf. Libr. III. cap.(59) 60.
4) cf. Libr. IV. eap. 27.


