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1 (1843)
Entstehung
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nach, Cleoſtratus mit ſeiner Entdeckung etwas ſpät hervorgetreten. Cleoſtratus ¹) aus Tenedos, der Urheber eines achtjährigen Cyclus(Gxrαεrεis), deſſen Anfang auf das Jahr 543 a. Chr. geſetzt wird, gehört etwa in die Mitte des fünften vorchriſtlichen Jahrhunderts; die Kenntniß der Sternbilder jedoch, wenigſtens der meiſten, war ſchon längſt vor Cleoſtratus unter den Griechen verbereitet. Sie mußte ſogar früher bekannt ſein, wenn überhaupt einen Einfluß des Orientes, beſonders der Aegypter, auf die Begründung und Geſtaltung der griechiſchen Sternkunde anzunehmen ſtatthaft iſt. Einen ſolchen Einfluß aber zu leugnen wird um ſo weniger möglich, je unwiderlegbarer die Beweiſe dafür ſind, die in den gefliſſentlichen Reiſen der Griechen nach dem Orient, in den Reſultaten ihrer Reiſen und in der Uebereinſtimmung derſelben mit den neuen Entdeckungen liegen, welche durch die allmähliche Auf⸗ hellung des lange verſchloſſenen Oſtens gewonnen ſind*). Die Schriften der Alten weiſen alſo aus guten Gründen immer auf den ägyptiſchen Einfluß zurück und die Scholien zu Aratus qαudεα entwickeln ſogar³), wenn der Dichter einmal von dem Gewöhnlichen z. B. von der Ordnung der Sternbilder, abweicht, die Gründe hiervon. Allerdings ſind die ſämmtlichen Zeichen nicht zu einer und derſelben Zeit aufgenommen worden, wie denn auch die Zahl derſelben ſich mit der ſteigenden Himmelskunde bis in die neuere Zeit vermehrt hat; und oben iſt bemerkt, daß Thales die Gαςμα d. i. den Bären eingeführt habe; aber der Widder, das Geſtirn, welches wie bei den Aegyptern, ſo bei den Griechen die Reihe der Sternbilder regelmäßig eröffnete, ſollte erſt von Cleoſtratus etwa 450 a. Chr. erkannt oder eingeführt worden ſein? von Cleoſtratus, der in dem vorgerückten Standpuncte der Aſtronomie bereits Veranlaſſung und Mittel zur Löſung einer ſchwierigeren Aufgabe, nämlich zur Ausgleichung des Mondenjahres mit dem Sonnenjahre fand?! Das iſt ſchwer zu glauben.

Indeß fehlt es nicht an Gründen, eine Corruption der ganzen Stelle anzunehmen.

Der nach den Worten: Obliquitatem ejus(signiferi) intellexisse folgende Zuſatz: hoc est rerum fores aperuisse iſt entweder die ſchielende Erklärung eines Grammatikers aus ſpäterer Zeit, oder eine Verſtümmelung der Plinianiſchen Worte. Die Vieldeutigkeit des Ausdrucks: rerum fores aper., in welchen ſich alles übertragen läßt, ſcheint jedoch wenig geeignet, den Zweck einer Erklärung von obliquitatem siguiferi intellexisse zu erfüllen. Aus dem Grunde hat bereits Salmaſius in ſeinen Exercitationibus Plin. die Correctheit der Worte herzuſtellen

1) ef. Groddeck Init. histor. Graecor. liter. T. I. p. 213. Ideler aſtronom. Beobachtung d. Alten. S. 101. Vergl. Idelers Handb. d. nmiath. u. techn. Chronolog. Th. I. S. 305. Th. II. Zuſätze 605. Ukert Geogr. d. Gr. u. R. Th. I. Abth. 2. S. 158 ff.

2) Ueberraſchend und von bedeutendem Gewichte ſind die ſpeciellen Verſuche, durch welche, vor Kurzem Royle(Verſuch über das Alterth. der indiſchen. Medicin; überſ. v. Wallach, mit Einleitung u. Zu⸗ ſätzen v. Heuſinger. Caſſel 1839) die Kenntniſſe der griechiſchen Frühzeit in verſchiedenen Fächern auf öſtliche, urſprünglich indiſche Quellen zurückgeführt hat.

3) Aratus qααπηmπεννά Edit. Becker. Berolini 1828. Vergl. z. B. d. Scholien ad v. 544. Seneca Quaest. Nat. VII, 3. ef. Gassendi. Vit. Tychon. Brah. Praefat. XXXI.