andern Stelle*): Obliquitatem ejus(signiferi) intellexisse, h. e. rerum fores aperuisse⸗ Anaximander Milesius primus traditur Olympiade 58; signa deinde in eo Cleostratus et prima Arietis ac Sagitfarii; sphaeram ipsam ante multo Atlas.
Offenbar hat ſich hier Plinius in einen argen Widerſpruch verwickelt und es bleibt, bei dem Mangel an Nachweiſung der Quellen, woraus dieſe Angaben gefloſſen ſind, kein anderes Mittel als Vermuthungen übrig, um das Dunkel aufzuhellen.
Eine längere Erwägung führt zu der Anſicht, daß die zweite Stelle, auf einer unſichern Stütze beruhend, ohne critiſche Richtung niedergeſchrieben und durch eine fremde Hand wahr⸗ ſcheinlich corrumpirt iſt.
Wenn nämlich dem Anaximander der Ruhm beigelegt wird, die Schiefe der Ecliptik zuerſt erkannt zu haben: ſo ſcheint darin eben ſo viel Unwahres zu liegen, wie in der Behaup⸗ tung, Cleoſtratus habe die Zeichen des Thierkreiſes und zwar zuerſt die Zeichen des Widders und Schützen erkannt.
Was jene Sage anbetrifft, ſo zeigt ſchon eine flüchtige Ueberlegung, daß der joniſche Philoſoph ſchlechterdings der erſte nicht habe ſein können, welcher die Schiefe der Ecliptik entdeckt. Die Kenntniß davon iſt die Grundlage aller Beſtimmungen über Jahreszeiten, Tagesveränderungen und Finſterniſſe, welche, wie oben gezeigt iſt, der Zeit vor Anaximander angehören. Mithin würde die Annahme der Plinianiſchen Verſicherung alle die erwähnten aſtronomiſchen Beobach⸗ tungen der Griechen vor Anaximander aufheben. Sehr richtig hat daher Menage) des großen Salmaſius Erklärungsverſuche dieſer Stelle in ihrer Blöße dargeſtellt durch die Schlußworte: Ceterum procul dubio falsum est, quod ait Plinius Anaximandrum obliqui- tatem Zodiaci primum invenisse; nam antea eclipses et solstitia praedixerat ejus praeceptor Thales, ut supra) vidimus; eclipses autem et solstitia praedici non possunt sine doctrina obliquitatis Zodiaci. Dieſem Urtheil ſtimmen ſachkundige Männer bei. Gaſſendi“) wundert ſich, wie billig, über die Leichtgläubigkeit des Plinius und Ideler') beziehet die Plinianiſche Stelle auf ein genaues Meſſen der Schiefe der Ecliptik zum Behufe der Conſtruction einer Sonnenuhr.
In Hinſicht auf Cleoſtratus aber ergiebt ſich aus Plinius Worten nicht deutlich, ob derſelbe die Bilder des Thierkreiſes überhaupt, oder nur die Bilder des Widders und Schützen zuerſt erkannt habe. Die letzte Annahme würde die erſte aufheben, und umgekehrt, die erſte Behauptung die letzte ausſchließen; denn wozu der Zuſatz: et prima Arietis ete., wenn die Signa überhaupt ſeiner Entdeckung zufallen?— Wie dem auch ſei, ſo wäre, aller Wahrſcheinlichkeit
1)-Plin. IHI. N. II, 8.
2) ef. ad Diog. Laert. II. I. Observat. p. 44.
3) cf. ad Diog. Laert. I. Thales Observat. p. 8.1
4) ef. Gassendi. Vit. Tychon. Brah. Praefat. p. XXXlIII.
5) cf. Ideler Handb. der math. u. techn. Chronolog. Th. I. S. 235.


