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1 (1843)
Entstehung
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der Anaximandriſchen Tafel, ſo auch von dem Himmelsglobus Meldung thun wollen. Durch die Wortverbindung in jener Stelle, ſofern die Objecte bald mit der Propoſition eoi im Genitiv, bald ohne dieſe Präpoſition im Accuſativ an das Zeitwort½e gereiht ſind, legt Suidas ſeinen Leſern deutlich genug den Unterſchied an den Tag, den er zwiſchen Anaximan⸗ ders Schriften und andern Leiſtungen mache. Wenn nun alſo die aus dem Grundbegriff des Zeitworts ſich natürlich entwickelnden und dem Sprachgebrauch gemäßen Bedeutungen je nach dem Objecte geſchieden werden, ſo treten die Accuſative ½ 1εοιοον und*φαœiἀαοαση in der Anführung des Suidas mit den Zeugniſſen anderer Schriftſteller 1) für eine geographiſche Tafel und 2 für eine Himmelsſphäre in Uebereinſtimmung. Denn70αeιμννσνπ ‿κεομοοdov heißt ganz natürlich: eine Erd⸗, Land⸗, Weltcharte entwerfen, zeichnen; 70σ ευν p*φραάαeοανeine Sphäre entwerfen. Die lateiniſche Ueberſetzung der Stelle:) durch scribere tabulam terrae, sphaeram ſagt nichts anders und auch wir würden richtig ſagen: er entwarf eine Schrift über die Natur, eine Erdtafel ꝛc. Wenn Cicero) von der Sphäre des Thales redet, braucht er, ſtatt des einfachen scribere, das Compoſitum describere sphaeram, was im Grunde mit Anaximanders Leiſtung übereinkommt.

§. 6.

Das dritte Zeugniß für Anaximanders Erfindung giebt Plinius, der Aeltere.

Bei dem raſtloſen Fleiße dieſes Schriftſtellers, bei der Vielſeitigkeit ſeiner Lectüre und dem außerordentlichen Reichthum an Quellen, die ihm zu Gebote ſtanden, für uns jedoch größtentheils verloren ſind, iſt es auffallend, daß er, obgleich dem griechiſchen Philoſophen um etwa 200) Jahre näher ſtehend als Diogenes, nur kurze und nicht befriedigende Nachweiſungen giebt. Die Urſache hiervon iſt wohl in den bekannten Thatſachen zu ſuchen, daß Plinius mehr Durſt nach Wiſſen, als ſtrengwiſſenſchaftliche Bildung beſaß, und bei Abfaſſung ſeiner vielen Schriften und Excerpte keineswegs mit der nöthigen Bedachtſamkeit verfuhr*). Fügt man hinzu, daß die Römer weder für Mathematik, wobei ſie nicht einmal von einer wiſſenſchaftlichen, ſondern von einer practiſchen Richtung ausgingen, noch für Aſtronomie eigentlich Sinn hatten: ſo wird man Plinius entſchuldigen, wenn er, in ſeinen Neigungen ſeinen Landsleuten folgend, auf Erfin dungen der Art, wie die Sphäre iſt, keine beſondere Aufmerkſamkeit lenkte. Hat doch ſelbſt das vollendetere Kunſtwerk eines Archimedes und Poſidonius in ihm keinen Berichterſtatter oder Lobredner gefunden!

Die hierher gehörigen Worte des Plinius ſind: Astrologiam Atlas, Libyae filins; ut alii, Aegyptü; ut alii, Assyrii. Sphaeram in ea Milesius Anaximander*) und an einer

1) Vergl. Suidas ed. Bernhardy. 2) Cic. de republ. I, 15.

3) cf. Plin. Sec. Epist. III, 5. 4) Plin. H. N. VII, 56.