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Hinſichtlich des zweiten Punctes iſt es— wie bereits oben(§. 2) angedeutet wurde— augenfällig, daß Schleiermachers Ableugnung eines Globus aus dem angeführten Schweigen des Strabo auf allzu ſchwankendem Boden ſtehe.
Minder unſicher ſcheint der Weg zur Beweisführung, daß, bei vorausgeſetztem Mißverſtänd⸗ niſſe von Seiten des Suidas, die ꝛ⁸ ²εοεοdos und ο.ρ⁵αἀάαoα, wenn ſie nicht die Himmels⸗ ſondern die Erdkugel zum Gegenſtande gehabt, keine Schrift bezeichnen könne, weil nämlich Strabo dem Anaximander ausdrücklich die erſte geographiſche Tafel, dem Hecataeus die erſte geographiſche Schrift beilege.
Schon Brucker) ſagt, daß Suidas Angabe vielleicht auf einem Mißverſtändniſſe ruhe, obwohl es auch nicht unmöglich ſei, daß Anaximander in einer ſeiner Schriften die Erfindung eines Globus beſprochen habe. Und in der That! wer möchte die Möglichkeit eines Irrthums leugnen, da ein Zeitraum von etwa 1600 Jahren zwiſchen Anaxrimander und Suidas liegt und gewiß nicht ohne Einfluß auf die Fortpflanzung der über Anaximander verbreiteten Nachrichten geweſen iſt?— Gleichwohl kommt es mehr auf die Wahrſcheinlichkeit, als auf die Möglichkeit an.— Den Zeitverhältniſſen des Suidas iſt es nämlich angemeſſen und darum wahrſcheinlich, daß er zunächſt den Diogenes vor Augen gehabt, wenn auch Strabo nicht unbeachtet gelaſſen habe. Zwiſchen den Angaben des Lexicographen und Biographen findet ſich überdieß eine auffallende Uebereinſtimmung, die gewiß nicht zufällig iſt, wenigſtens eine, beiden Schriftſtellern gemeinſame dritte Quelle ihrer Mittheilungen andeutet. In der Nachricht von Beſtimmung der Aequinoctien, Solſtitien, von der Lage der Erde zur Welt, vom Gnomon und Stundenmeſſer harmoniren beide ſo vollkommen, wie in der Anführung einer Weltcharte und Sphäre, nur mit der Abweichung, daß Suidas mit einem, für ſolche Leiſtungen gewöhnlichen Ausdruck das„ſ ʃos benennt, was Diogenes durch„α ϑά̈μαοσνε επέειεεοον bezeichnet, ſowie, daß Suidas zu„αοα das Zeitwort vodgew conſtruirt, während Diogenes das ausdruckvollere iιαοονↄεέαeetν gebraucht. Mithin wollte Suidas durch is 16000 und „α*‿οα, der Sache nach, gewiß nichts anders berichten, als was Diogenes durch die ähnlichen Bezeichnungen. Da nun auch Strabo der Weltcharte unter dem Namen 7εονωαραας ναά gedenkt und ſie dem Anaximander, als erſtem Verfertiger, beilegt, im Gegenſatz mit Heca⸗ taeus, dem erſten Verfaſſer einer geographiſchen Schrift: ſo ſtehet feſt daß die bei Suidas angeführte„i si⁶ von der geographiſchen Tafel Anaximanders, nicht aber von einer Schrift deſſelben müſſe verſtanden werden.— Eben ſo wird ſich wohl auch ergeben, daß cHανοα in Analogie mit ε 1οι⁶ος auf etwas anders, als auf eine Schrift, zu beziehen ſei.— Geht man nur von der Annahme aus, daß Suidas aus dem Diogenes oder mit dieſem gemeinſam aus Einer Quelle geſchöpft habe: ſo folgt die Berechtigung zu glauben, Sui das habe, wie von
1) Brucker Histor. crit. Philos. T. I, p. 480.


