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1 (1843)
Entstehung
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11. §. 3.

Diogenes von Laerte ſpricht in ſeiner Erzählung von Anaximander), nach Aufführung der übrigen ſchon oben genannten Erfindungen deſſelben, mit Beſtimmtheit von der Erfindung der Sphäre in den Worten: a σσσσœ zcreoxsuaoe. Die gelehrten Erklärer Henricus Stephanus, dem es freilich mehr um Wortcritik zu thun war, Caſaubonus und Thomas Aldobrandini haben zu dieſer Stelle nichts beigebracht; dagegen verweiſt Aegidius Menage) auf Plinius Naturgeſchichte*), wo bei Gelegenheit einer chaotiſchen Aufzählung von verſchiedenen Erfindungen auch der Sphäre Anaximanders gedacht wird, ſo wie auf Suidas Lexicon, sub v. Arαςμιμααάd. Es würde viel gewonnen ſein, wenn es möglich wäre, nicht nur die Ouelle, woraus Diogenes dieſe Nachricht ſchöpfte, zu entdecken, ſondern alsdann auch dem Urſprunge derſelben nachzugehen und ſo den Grad ihrer Glaubwürdigkeit zu ermitteln. Da jedoch Diogenes ſeine Ueberlieferungen aus den verſchiedenartigſten, nur zum Theil namhaft gemachten Werken, die noch dazu für uns verloren ſind, entnommen hat: ſo muß man freilich auf einen Stützpunct der Art Verzicht leiſten. Es bleibt dagegen die Thatſache, daß Diogenes nirgends den Verdacht der Partheilichkeit oder abſichtlicher Täuſchung erweckt und, wenn auch von dem Fehler der Flüchtigkeit, ſo wie vernachläſſigter Anordnung des behandelten Stoffes keineswegs frei, doch oft genug und ſelbſt durch Hinweiſung auf die benutzten Quellen das Beſtreben zeigt, ſeinen Mittheilungen Beſtätigung zu verſchaffen, oder auch wohl in zweifel⸗ haften Dingen die Schuld der Unzuverläſſigkeit von ſich zu entfernen. Dieß Vertrauen auf ſeine Rechtlichkeit hat wenigſtens mehr Gewicht, als eine Berufung auf Phavorinus, den Diogenes einige Zeilen vorher als Gewährsmann nennt, haben könnte; denn von der Varia historia des Phavorinus ſind nur zerſtreute Citate übrig geblieben, aus welchen kein ſicherer Schluß auf die Zuverläſſigkeit einer Erzählung möglich wird.

Man ſieht übrigens aus den einzelnen Worten, wie aus der ganzen Wortverbindung, daß Diogenes von einem Himmelsglobus habe reden wollen; es ſei denn, daß man annähme, derſelbe habe mit Worten und Sachen nur Spiel getrieben und in der Zuſammenſtellung der Verdienſte Anaximanders eine völlige Kenntnißloſigkeit der Wortbedeutungen und einen gänz⸗ lichen Mangel an Gewandtheit in der Darſtellung verbunden. Gegen dieſe Annahme würde aber ſowohl der Entſchluß des Diogenes, ein Buch, wie das vorliegende, zu ſchreiben, als auch die ſichtbar fleißige, ja mühſame Zuſammentragung zerſtreuter Nachrichten über ſo ſchwierige Gegenſtände ſtreiten; weshalb denn auch ſelbſt die ſtrengſten Tadler des Diogenes die Wichtig⸗ keit ſeines Werkes für die Kenntniß und Geſchichte der griechiſchen Philoſophie freimüthig und einſtimmig anerkennen. Wir würden daher Unrecht thun, wenn wir nicht einen Augenblick bei der genaueren Betrachtung und Erforſchung dieſer Stelle verweilen wollten.

1) cf. Diog. Laert. II, 1. B.

2) Menagit observat. ad Diog. Laert. I. I. pag. 44. 3) Plin. H. N. VII, 56.