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1 (1843)
Entstehung
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ausſchließlich Erfinder der Aſtronomie geweſen ſein kann; ſo ausgemacht iſt es, daß das Gedeihen der Aſtronomie und das allmähliche Erheben derſelben zur Wiſſenſchaft neben einer vorgerückten Verſtandes⸗ und Vernunftbildung, welche zu abſichtlichen Beobachtungen ſchreitet, auch die

Kittheilung fremder Entdeckungen und Einſichten nothwendig macht. Dieſe Mittheilung mußte aber in einem betriebſamen Küſtenlande, das Schiffe nach fernen Gegenden ausſandte, und fremde Seefahrer von gebildeteren Nationen in ſeinen Häfen aufnahm, ſehr leicht erfolgen. Freilich tragen die aus Homer und Heſiod zu entnehmenden Anſichten über die Erde als eine Scheibe), deren Ausdehnung vom öſtlichen Phaſis bis zwei Tagereiſen hinter dem weſtlichen Sicilien, im Norden und Süden vom Okeanosſtrom umflutet wird, über den Himmel als ein die Erdſcheibe umfaſſendes Gewölbe, über die Geſtirne, ihre Bewegungen und Grup⸗ pirungen zu Bildern, über Sonnenwenden, Zeiteintheilung u. ſ. w. das Gepräge einer ganz einfachen und ſinnlichen Weltanſchauung und kaum genügender Verſuche, aus den regelmäßig wiederkehrenden Erſcheinungen am Himmel eine Richtſchnur für die Geſchäfte des bürgerlichen Lebens zu entlehnen; aber gleichwohl boten ſie dem Nachdenken ſchon einen überaus reichen Stoff und manche Beſtimmung, an welche ſich leicht Folgerungen oder Berichtigungen reihen ließen. Außerdem iſt zu erwägen, daß es die Abſicht der Dichter nicht ſein konnte, alle aſtronomiſchen Kenntniſſe ihrer Zeit darzulegen, und daß das poetiſche Gewand wohl manchem Gegenſtande, deſſen ſie gedenken, einen unſichern Schein giebt.

Im Laufe der 3 oder 2 Jahrhunderte von Homer und Heſiod bis auf Anaximander mußten dieſe aſtronomiſchen Kenntniſſe in den Händen ſo vieler Menſchenalter allmählich geläutert, durch neue Beobachtungen vervollſtändigt werden, und wenn es auch an alterthümlichen Nach⸗ weiſungen der einzelnen Fortſchritte gebricht; ſo liegen doch Beweiſe dafür theils in dem allgemeinen Gange menſchlicher Entwickelung, theils in den ſchon gereinigteren Anſichten des Thales, mit welchem eine neue Aera begann.

Auf gleiche Weiſe mußte während der Zeit die Erdkunde eine Umgeſtaltung zum Beſſern erfahren. Land⸗ und Seereiſen mehrten ſich, führten Berichtigungen, Erweiterungen herbei. Beſonders vortheilhaft wirkte auch hier der blühende Handel, die zunehmende politiſche Macht der joniſchen Städte, unter denen Milet und Epbeſus hervorragten.

Miletus, von den einwandernden Joniern wahrſcheinlich nur erneuert, nicht weit vom Ausfluſſe des Maeander an der Südſpitze des lamiſchen Meerbuſens gelegen, mit vier Häfen verſehen, von Strabo und Plinius das Haupt von Jonien genannt*), hatte durch ſeine Betriebſamkeit einen ſolchen Aufſchwung genommen, daß es in der Zeit von 700 500 als eine der erſten Handelsſtädte der Erde daſtand. Seine Schiffe beſuchten nicht nur die nahen Küſten,

1) Vergl. Schaubach's Geſch. d. griech. Aſtronom. bis auf Eratoſthenes. Göttingen 1802. Voß mytholog. Briefe. Th. 2, p. 95.

2) Strabo Geograph. Libr. XIV. p. 732. Edit. Basil. Plin. H. N. Libr. V. 29. Athenaeus Libr. XII, 26. Diud. Vergl. Mannert Geogr. d. Gr. u. R. 6 Th. S. 253.