Druckschrift 
1 (1893) Sprachlich-grammatischer Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

noch Spuren der ursprünglichen Bezeichnung in sich trägt. Dabei denkt der Schüler un- willkürlich zurück an die Zeiten der Freiheitskämpfe seiner Vorfahren gegen die Römer, für deren Kriegszüge im Westen und Süden Germaniens neben einer Reihe anderer Castelle hauptsächlich die eben erwähnten den Ausgangspunkt bildeten.

Gehen wir nun zu den Städten Deutschlands im Osten, so beweisen hier die zahlreichen Endungen auf itz slavischen Ursprung; umgekehrt wird auch diese Endung bei ihrem Vor- kommen in Ortsnamen zwischen Elbe und Oder sowie auf der linken Seite der Elbe dem Schüler im allgemeinen den Schluſs gestatten auf slavische Ansiedelungen aus einer Zeit, wo unsere Vorfahren im Kampfe gegen Anwohner oder Eindringlinge dieses Volksstammes nicht immer siegreich waren. In denselben sachlichen Zusammenhang gehört auch die Endung ow in Namen zwischen der Elbe und Oder: Spandow(Spandau), Treptow, Teltow, Warnow, Dievenow, Finow( Kanal) u. s. w. ³

Aus der keltischen Zeit ist im Gegensatz zu der Wohnart der Germanen in zerstreut liegenden Gehöften die Niederlassung Halle bekannt, die Bezeichnung dieses Volkes für den Ort der Salzgewinnung5, die sich auch in Reichenhall, Leopoldshall, Schwäbisch-Hall, Theodorshall, Friedrichshall, Ludwigshall noch findet(vgl. auch Hallein, Hallstadt). In den- selben Zusammenhang lassen sich weiter die Namen Salzhausen, Salzschlirf, Salzbrunn, Salzungen, Salzwedel, Saale, Salzach, Saalach einordnen.

Die Endungen der beiden letztgenannten Flüsse führen uns auf den in seiner Vollstän- digkeit(Ache?, vgl. Gasteiner Ache) fast nur noch in den Alpen erhaltenen altdeutschen Aus- druck für Gewässer aha, der dem Schüler wieder in Brigach, Wertach, Schwarzach, zu a verkürzt in Brega, Fulda, Schwarza, Werra sowie als au im Namen Königsau vorkommt. Dieselbe Bedeutung hat die Endung ara in Ahr(Ahrweiler, Neuenahr), Aar(Nebenfluls der Lahn), Aare(Aarau, Aargau) s, sowie in Neckar, Isar und zu er abgeschwächt in Wetter, Aller, Iller, Ocker.

Schon der Name ſad] Confiuentes zeigte den Schülern den Grund zur Benennung dieser römischen Ansiedelung. Auch im Deutschen lernt er eine solche kennen in den zahlreichen

Die Züge des Drusus, des Gründers vieler solcher Castelle am Rhein, und des Varus lernt der Schüler schon in den ersten Wochen des Schuljahrs im deutschen Unterrichte kennen. Vgl. Schiller, die ein- heitl. Gestaltung und Vereinfachung d. Gymnasialunterrichts p. 44 u. 47.

² Vgl. Frick, Lehrpr. II p. 109 u. Amm. 1. Hierher gehören auch die Lausitzer Wenden(Spreewald) und die Altenburger Bauern.

² Auch Städte mit slavischer Bauart(Posen, Breslau: der Ring) lernen die Schüler kennen. Weist das Lehrbuch darauf hin, so kann man in diesem Zusammenhang an andern slavischen Namen wie Bautzen (Budissin), Breslau(Wratislaw), Mährisches Gesenke(Eschengebirge, von jesenik Esche), Leipzig(von lipa, eigentlich Lindenstadt, vgl. Lindenau in der Nähe von Leipzig) ebenfalls die Einwirkung der Zeit auf die Umwandlung der Sprache nachweisen.

4 Ebenso die keltischen Niederlassungen Metz und Trier; die heutigen Halloren(Salzsieder?) sind noch Abkömmlinge der alten Kelten.

5 Nach Kirchhoff, Schulgeographie p. 171, 3; anders Seydlitz, grofse Schulgeographie p. 346.

s Vgl. Kirchhoff, a. a. O. p. 193, 2. Ache= aqua, noch in Aachen(aquae) erhalten.

7 Auch zu e abgeschwächt in: Hunte, Leine, Lenne, Lippe. 3

s Auch in Waldeck gibt es ein Flülschen Aar, an der Arolsen gelegen ist.

² Khnliche durch die Bequemlichkeit in der Aussprache abgeschwächte Endungen sind dem Schüler aus dem Sprachunterrichte bekannt. Vgl. S. 12, Anm. 1 und S. 16, Amn. 7.