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1 (1893) Sprachlich-grammatischer Teil
Entstehung
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Namen Münden, Gemünden, schwäbisch Gmünd. Neckargemünd, Saargemünd, wohin ferner die Orte Geeste-, Trave-. Swine-, Warne-, Weichselmünde gehören. Um bei den Gewässern zu pleiben, führe ich einige Orte an, die von ihrer Lage an einem Flulfsübergang benannt sind. Vor allem Frankfurt, über dessen Entstehung es sogar eine schöne Sage gibt. die dem Schüler aus der Vorschule her bekannt ist, und auf welche das zum Klassenpensum ge- hörige Gedicht»Frankfurt a. M.« von Kobisch wieder hinweist. Aufserdem lassen sich die Orte Fürth, Ochsenfurt, Schweinfurt, Erfurt hierherstellen. Ein analoges Beispiel aus der Be- handlung von Holland bieten die Städte Maastricht und Utrecht(traiectus, also Maas- und Rheinübergang). Auch die frühere oder jetzige Lage eines Ortes auf oder in der Nähe eines Werders, d. h. einer Flulsinsel, ist auf solche Namen nicht ohne Einfluſs geblieben; ich er- innere nur an Marienwerder, Kaiserswerth, Nonnenwerth, Wertheim, Donauwörth, wobei noch orthographisch die Verschiedenheit der Schreibweise zu bemerken ist. Die Endung lar in Fritzlar, Goslar und Wetzlar bezeichnet Ansiedelung oder Niederlassung überhaupt. Fügen wir dazu noch einige Ortsnamen. deren Zusammensetzung auf das Vorhandensein heil- kräftiger Quellen hindeutet, wie Salzbrunn, Warmbrunn, Baden. Wiesbaden, Schlangenbad, Wildbad, Aachen, Schwalbach, so wären wir mit den Städtenamen zu Ende.

Eine viel geringere Ausbeute gestatten die Namen der Bodenerhebungen. Sie bezieht sich, um von der Ableitung, z. B. von Volksnamen, wie schwäbisch-bayrische Hochfläche, oder den Namen des bildenden Gesteins, wie Elbsandsteingebirge, abzusehen, fast nur auf die Be- waldung und die Art derselben. Auf Waldbestand deutet die Benennung Hard,(Hardt, Hart= Wald) z. B. in Spessart= Spechtswald, Hardtgebirge(oder einfach Hardt), Hardtberg(im Odenwald), aber auch allein gesetzt in den Worten Harz und Hard.² Hier findet sich auch Gelegenheit, die zahlreichen Zusammensetzungen mit wald einmal zusammenstellen zu lassen. Auf eine Bewaldung mit Nadelholz deuten das Fichtelgebirge, der Fichtelberg, die Tafelſichte(?) und der Schwarzwald.

Besonders interessant wird es auch für den Schüler sein, wenn gewisse Berg- und Gebirgsnamen auf eine bestimmte altgermanische Gottheit hinweisen, die hier ihre Verehrungs- 4 stätte hatte, z. B. der Donnersberg auf Thor, der Odenwald auf Odin, u. s. w. ³3 Grade in diesem Falle, jedoch auch überall sonst bei geographischen Namenserklärungen lassen sich in den verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes verschiedene Anknüpfungspunkte und Belege ſinden, welche Gelegenheit geben, vorstehende Beispiele nach der einen oder anderen Seite hin zu vermehren. ¹

Wenn jedoch solche Namensdeutungen nicht nur im Interesse einer gruppierenden Zu- sammenfassung behufs festeren Einprägens liegen, sondern auch dem Schüler einen Einblick

1 berhaupt wird es den Unterricht sehr beleben, wenn der Lehrer zuweilen die Herkunft von Namen durch die Sage erklärt, ich erinnere nur an Rolstrappe, Taufstein, Seligenstadt, Darmstadt, Kreuznach; besonders empfehlenswert für solchen Zweck ist das Buch von Schneider, Deutschland in Lied, Volksmund und Sage, Hilchenbach, L. Wiegand, 1892.

² Der Name zweier kleinen Erhebungen in der Nähe von Lich und Giessen, deren erstere ganz, letz- tere noch an einem Abhang zum Teil mit Wald bewachsen ist.

³ Auch für Ortsnamen läfst sich ein solches Verhältnis nachweisen. Vgl. Frick, Lehrpr. II p. 106 u. Anm. 1 u. 4.

4 Vgl. Lehrpr. a. a. O. S. 109; Buchholz, Charakterbilder aus Deutschland, 2. Aufl. p. 62 ff.; Hentschel u. Märkel, Umschau in Heimat u. Fremde, p. 172.