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1 (1893) Sprachlich-grammatischer Teil
Entstehung
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(Als Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Giessen 1892/93).

Univ.-Bi 1417⸗

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Gicssen

Der Unterricht in Quinta nach dem Concentrationsprincip.

fraud Vom Gymnasiallehrer Dr. Schmitt.

I. Sprachlich-grammatischer Teil.

Die vorliegende Arbeit ist völlig aus der Praxis des Unterrichts erwachsen und stellt einen Versuch dar, den Lehrstoff der Quinta auf Grund des Concentrationsprincips d. h. des Princips der Verknüpfung verwandter Vorstellungsreihen oder Ideenkreise innerhalb eines Faches oder verschiedener Fächer nach dem Gesichtspunkte planmälsiger Einheitlichkeit zu betrachten. Dabei erschien es mir geboten, nicht nur das sachlich-historische Material zusammenzustellen, sondern vor allem die sprachlich-grammatische Seite des Unterrichts zu betonen im Hinblick darauf, dals sei es in Folge von unzureichender Einsicht in die hier bestehenden Verhältnisse oder gar aus mangelnder Kenntnis des Wesens der Concentration überhaupt¹ dem Unterrichte unserer Anstalt wiederholt der Vorwurf gemacht worden ist,

¹ Vgl. Lattmann, die Verirrungen des deutschen und lateinischen Sprachunterrichts, Göttingen 1882, p. 61 f.; Ziegler, die Fragen der Schulreform, Stuttgart 1891, p. 80 ff.; Weissenfels in Zeitschr. f. d. G. 46, p. 692 ff. Interessant ist es, wie sich Ziegler in den Händen der»Geister zweiter und dritter Ordnung« wahrlich eine scharfe und wohl auf eingehendem Studium des deutschem Lehrerstandes beruhende Einteilung unserer Gymnasiallehrer dię Ausübung dieser Concentration in praxi denkt. A. a. 0. S. 81 sagt er: »Ich kann mich kaum enthalten, das(näml. die inhaltliche Verknüpfung von Heimatkunde, Zeichnen und Lateinisch) anders als Schnurrpfeifereien zu nennen. Aber wenn es allenfalls da noch geht, wo geistreiche Männer die Träger dieses Concentrationsgedankens sind, so wird es in den Händen der Geister zweiter und dritter Ordnung... natürlich viel schlimmer... etwa so: In der vorigen Stunde haben wir in der Religion von Joseph in Aegypten gesprochen; jetzt kommen wir in der Geographie an Oesterreich; bekannt- lich heifsen viele österreichische Kaiser Joseph, und so verbinden wir ganz naturgemäls jene alttestamentliche Erzählung mit der Beschreibung der kärntischen Alpen!« Mich wundert, dals H. Professor Ziegler, als er vor 4 Jahren von dem Unterricht am hiesigen Gymnasium, auch dem geographischen, sowie von den Ein- richtungen unseres päd. Seminars Kenntnis nahm, seine Unzufriedenheit oder doch wenigstens seine Ver- wunderung über den damals in allem Wesentlichen schon vorhandenen concentrirenden Unterrichtsbetrieb nicht kundgab, sondern im Gegenteil in der Beil. z. Allgem. Zeitung seine Anerkennung aussprach; vielleicht hätten wir ihm dann doch eine etwas vorteilhaftere Anschauung von dem Wesen und Werte dieser»Zeit- phrase« verschaffen können. Jedenfalls traute er uns damals noch zu,»dafs wir wülsten, es handle sich im lateinischen Unterrichte um Latein, und nicht um deutsche Fürsten und um germanische Waffenkunde«- Denn sonst hätte er doch nicht drucken lassen können:»Die ganze Einrichtung macht den Eindruck einer ihrer Ziele wohl bewussten, energischen Arbeit«. Auch Weilsenfels kann ich wenigstens für Quinta nicht zustimmen, wenn er(a. a. O. p. 711) sagt, auf der untersten Stufe müsse die Grammatik die Hauptsache, ja fast alles sein, und der geistige Gewinn, der durch die im Lesestückmitgeteilten Sachen und Gedanken erwachse, sei fast

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