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das sachlich-historische Moment trete zum Nachteile der sprachlich-grammatischen Bildung des Schülers zu sehr in den Vordergrund. Dabei wird ganz aulser Acht gelassen, daſs der Schüler der unteren Klassen den Inhalt eine Lesestücks, derjenige der mittleren und oberen den eines Schrifstellers ja gar nicht eher verstehen kann,— und ein einigermalsen verstän- diger pädagogischer Unterricht darf das auch nicht eher fordern— bis ihm die Form, die den Inhalt umkleidet, ganz klar geworden ist. Um aber das Verständnis der fremdsprach- lichen Form, in Quinta also des Lateinischen, auf eine ebenſo einfache wie faſsliche Art und Weise zu ermöglichen, bedarf es der Aufsuchung von Apperceptionsstützen, die der Schüler entweder in der fremden Sprache schon als Eigentum erworben hat oder in seiner Mutter- sprache bereits vorfindet. Es wird also in grammatischer Hinsicht in letzter Linie doch stets eine Anlehnung an die Muttersprache stattzufinden haben. Denn nur solche Vorstellungen, die an klare Vorstellungen angeknüpft werden, vermögen sich leicht im Ge- dächtnis zu befestigen und gewähren eine desto gröſsere Verwendbarkeit, je häufiger sie in demselben oder einem ähnlichen Zusammenhange hervorgerufen werden. Nach diesem Gesichts- punkte sind nicht nur verwandte Vorstellungsreihen oder Complexe in verschiedenen Fächern zu betrachten, sondern auch einzelne Vorstellungen, Kreise und Gruppen innerhalb desselben Faches. ¹— Für die sprachliche Verknüpfung— der sachlich-historische Teil soll im nächsten Jahre folgen— habe ich auch nur die eigentlich sprachlichen Fächer, Lateinisch und Deutsch, sowie die Geographie herangezogen, die in meiner Hand vereinigt sind. Aus diesem Grunde hauptsächlich ist im vorliegenden Teile ein Eingehen auf andere Fächer. besonders Religion, Naturbeschreibung, Rechnen und Zeichnen vermieden worden, obgleich z. B. die Aus- drucksform:, die in diesen Fächern zur Anwendung kommt, manche Anknüpfungspunkte für eine Verwendung im sprachlichen Unterrichte bieten würde.
I. Lateinisch und Deutsch.
Das lateinische Pensum der OQuinta enthält aulser den Unregelmäſsigkeiten der Decli- nation und Conjugation(Genet. d. II. Decl. auf ius, Vocat. auf i, Defectiva, Abundantia, un- regelm. Comparation— unregelm. Verba, Impersonalia, Verba anomala) die Einführung in die
gleich Null. Ich glaube kaum, dafs die kleinen Erzählungen von Leonidas' Benehmen vor der Schlacht bei Thermo- pylä, dem Tode des Epaminondas, der Milde Cäsars im Bürgerkriege und den Ereignissen bei der Geburt Alexanders des Grossen wirklich so wenig gewinnbringend sind. Oder wird der Schüler in der That gar kein Interesse und Verlangen zeigen, wenn er bisher in einzelnen zerstreuten Stücken von der Geburt Alexanders, seiner Erziehung durch Aristoteles, von Apelles und Lysippus, den Künstlern am Hofe Philipps gelesen hat, nun auch noch mehr über den jungen Alexanders zu hören, der später den Beinamen»Der Grofse« erhalten hat? Soll der Lehrer hier wirklich aus dem Grunde von einem Eingehen auf das Sachliche dieser Lesestücke und ihre Verknüpfung abstehen, weil die Grammatik»fast die Hauptsache« ist? Oder erreicht man mehr in einer Stunde, wo man nur Grammatik treibt? Die inhaltliche Zusammenfassung kann ja doch mit gram- matischen Uebungen verbunden werden, indem der Lehrer lateinische Fragen stellt wie: Quis erat Alexander? Quo anno natus est? Quem magistrum habuit(A quo educatus est)? Quid de Apelle legimus u. s. w.; denn derartige einfache Sprechübungen werden schon in der Sexta angestellt und sind dem Schüler nichts neues; ferner wird er beispielsweise bei der letzten Frage schon zur Anwendung eines Acc. u. Inf. in der Antwort genötigt. 3
¹ Frick, Lehrpr. XII, p. 4 ff. Schiller. Uber Concentration im lat. Unterr. Z. f. Gym. 38, 193 ff.
² Lattmann a. a. O. p. 53; vgl. Schiller, Handb. d. pr. Pädag.* p. 626.
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