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treffliche Auknüpfungspunkte zum Auffinden der Bedeutung lateinischer Vocabeln und Formen ¹, die er dem Schüler neu zuführen will; ich erinnere nur an die Feststellung der Vocabeln bei Beginn eines neuen Lesestücks. Betont man jedoch dem Schüler gegenüber die verderbliche Wirkurg der Fremdwörter für die Muttersprache, so wird diese Thatsache zugleich Gelegen- heit geben, sie von ihm durch gute deutsche Worte oder Ausdrücke ersetzen zu lassen. Ab- gesehen von dem Werte solcher UÜbungen als Denkübung überhaupt bereichern sie auch den Wortschatz des Kindes und geben ihm das Bewulstsein der Bildungsfähigkeit seiner Mutter- sprache, eine Erscheinung, die durch besondere UÜbungen im deutschen Unterrichte ihre Be- stätigung findet ².
In den vorstehenden Ausführungen habe ich schon zu zeigen versucht, in wie mannig- fachen Beziehungen die deutsche und die lateinische Sprache zu einander stehen, und wie Zahlreiche Anknüpfungspunkte nach jeder Seite hin vorhanden sind. Für den deutschen Unterricht speciell geben die schriftlichen Übungen(Dictate, Aufsätze, freie Arbeiten), Gedichte, prosaische Lesestücke, Worte des Lehrers und Schülers die ausgedehnteste Gelegenheit zu einem Einblick in das Leben und Schaffen der Sprache. Auch hier sind zeitweilige Gruppen- bildungen sehr geeignet, das Sprachgefühl des Schülers zu entwickeln und seinen Wortschatz zu bereichern. Gestattet es dabei die Xhnlichkeit des beiderseitigen Sprachgebrauchs oder der Wortbildung, so liegt es naturgemäfls im Interesse einer intensiveren Behandlung des Sprachunterrichts überhaupt, in diesem Falle auch auf solche Erscheinungen im Lateinischen überzugreifen. Eine Reihe von Gruppen lasse ich nun folgen ³.
I. Zusammenstellung bildlicher Ausdrücke: ⁴
Ins Auge fassen, im Auge haben, ins Auge fallen(daher: augenfällig, mit augenscheinlich zusammenzustellen), in die Augen stechen, im Auge behalten, ein Auge zudrücken, ein Auge auf etwas werfen, die Augen gehn mir über; oder: das Leben lassen(= hingeben), aber einem das Leben lassen(= schenken), ins Leben rufen, es geht mir ans Leben, er will mir ans Leben.
II. Angabe gut deutscher Formen oder Ausdrücke statt seltener oder veralteter
nach Abschluſs eines Lesestücks, z. B. aus dem Gedichte Roland Schildträger: stand= stund, that= thät; Eile= Hast; halten, ansehen, glauben— vermeinen;(Tannen-) Wald= Tann; hell= licht(zusammengesetzt in helllicht), Schild= Tartsche; Stelle, Ort, Platz= Stätte; ge- legentlich des letzteren Wortes kann eine Zusammenstellung seiner Composita stattfinden: Begräbnisstätte, Brandstätte, Feuerstätte, Opferstätte, Richtstätte, Werkstätte und Werkstatt, Lagerstätte und Lagerstatt..
⁴ So benutzte ich einmal das Wort Tortur, um einen besseren Schüler, der das Supinum von torqueo falsch angab, dieses finden zu lassen; denn er wulste, dals die meisten Wortableitungen von Verben dem Supinalstamme angehören.
² Vgl. das Beispiel S. 14, V.
² Zu dem Ganzen vgl. den instructiven Aufsatz von G. Völker im Pädag. Arch. 33 S. 597: Die Auf- gaben des zu verstärkenden deutschen Unterrichtes der unteren Klassen. Proben aus einer dem Lesebuch entnommenen Beispielsammlung gibt Oberländer, Zeitschr. f. d. Realschulwesen XVII, p. 582 ff.
4 Hildebrand, Vom deutschen Sprachunterricht, p. 108 ff.


