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3 (1897) Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761
Entstehung
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2 Vierundzwanzigpfündern aus der am Prain depot aufgeworfenen Batterie ausgerüstet. Gegen diese neuen Belagerungswerke unternahm am 16. abends 10 Uhr der Major Dasset mit neun Kompagnien Grenadiere und Jäger einen Aus- fall, der durch das Feuer von vier bei der Pulvermühle an der Wahlebach aufgestellten Feldgeschützen unterstützt wurde. Zwar gelang es den Franzosen, an den vordersten Arbeiten einige Zerstörungen anzurichten, sie mussten aber dann den Rückzug mit einem Verluste von 8 Toten und Verwundeten antreten; dass die Verbündeten mindestens 300 Mann verloren hätten, ist sicherlich französische Ubertreibung. Am Morgen des 17. drang eine Abteilung aus der Unter-Neustadt in Bettenhausen ein, um die dort liegenden Jäger und Husaren aufzuheben. Schon hatte sie 1 Offizier und 22 Mann ge- fangen genommen, da wendete sich das Blatt; beim weiteren Vordringen in das Dorf wurden die Franzosen umringt, abgeschnitten und nach be- trächtlichem Verluste gefangen genommen; nur ein kleiner Teil vermochte sich durchzuschlagen.

Die immer weiter den Möncheberg hinab gegen den Schafhof und die 3 Lünetten(etwa bis zur Moritz-Strasse) vorgetriebenen Lauf- gräben und Schanzen der Belagerer machten den Feind um das Schicksal dieser schon arg mitgenommenen Werke besorgt, sodass er hier mit einer Minenlage begann. Zur weiteren Sicherung wurde am 21.(Ostersonnabend) um 8 ³¾ Uhr abends ein neuer Ausfall unternommen. Die linke Kolonne zwischen Möncheberger- strasse und Ahne(2 Jägerkompagnien und die von Broglie aus Abkommanqdierten aller Truppen gebildete Abteilung Belagerungs-Volontaire) führte der Hauptmann Milly, die rechte(6 Gre- nadierkompagnien) der Hauptmann Berthamont; 250 Arbeiter folgten. Durch ein heftiges Ge- schützfeuer von den Wällen unterstützt und durch die Dunkelheit begünstigt, warfen die Angreifer die Vorposten der Verbündeten zurück und drangen in ihre Werke ein. Aber ein wohlgezieltes Gewehrfeuer, das bei dem Scheine

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von Leuchtkugeln, die nach dem Angriffspunkte geworfen wurden, abgegeben ward, und durch ein heftiges Geschützfeuer aus den Batterien der ersten Parallele zerstreute die Arbeiter, ehe sie noch erheblicheren Schaden hatten anrichten können. Vergebens bemühte sich Graf Broglie selbst, die Arbeiter wieder zu sammeln; endlich gab er, da aus der Parallele und aus Wolfsanger Verstärkungen heranrückten, den Befehl zum Rückzuge, der unter dem heftigen Feuer der Verbündeten mit ziemlichem Verluste ausgeführt wurde; Hauptmann Berthamont wurde er- schossen.

Gegenüber der grossen rechten Flügelbatterie hinter dem Duroseyschen Garten(Neuem Toten- hof) hatten die Franzosen eine kleine viereckige Redoute in dem Winkel zwischen der Mombach und der Holländischen Strasse(am Ende des jetzigen Güterbahnhofes) angelegt, die mit etwa 80 Mann besetzat war. Auf Anordnung des Grafen Wilhelm wurde dieselbe am 23. März nachmittags gegen 5 durch den Hauptmann v. Wangenheim erstürmt. 30 Grenadiere rückten dicht ans linke Mombachufer und warfen Gra- naten in die Schanze, Wangenheim selbst mit 100 Mann, denen 60 Arbeiter folgten, über- schritt die Ahne und griff sie von der Stadt- seite an. Ohne einen Schuss zu thun erstieg das Fussvolk die Brustwehr, mit deren Nieder- legung sofort begonnen wurde. Zur Deckung der Arbeit blieben 24 Mann freiwillig zurück. Da erschien vom Müllerthor her der Chevalier de Jaucourt mit 2 Grenadierkompagnien von Belsunce und trieb die Abteilung mit einigem Verlust über die Ahne zurück. Die Franzosen hatten 6 Offiziere und 70 Mann verloren. Die Grenadiere Wangenheims erhielten zum Lohne für ihre bewiesene Tapferkeit vom Herzoge Ferdinand ein Geschenk von 500 Thalern. Da die wiedergenommene Redoute indes bei dem Fortschreiten der Belagerungsarbeiten auf dem linken Ahneufer unhaltbar wurde, liess sie Broglie am 24. abends räumen und abtragen, jedoch halbwegs zwischen der Mombach und dem