Geschütze noch nicht eingefahren waren), nach- dem die Deckungstruppen schimpflich geflohen waren. Kräftigen und erfolgreichen Widerstand fand nur die rechte Flügelkolonne— 2 Bataillone unter Oberstlieutenant v. Gelb—, welche vom Ahnaberger Thore her gegen Wolfsanger vor- drang. Sie traf auf das hessische Bataillon Gilsa unter dem Hauptmann Schmincke, welches in den an der Strasse vor dem Fasanenhofe und Wolfsanger gelegenen Häusern und Gärten
sich eingenistet hatte. Bald kam General v. Gilsa selbst herbei und übernahm das Kommando. Der feindliche Angriff wurde
glänzend abgeschlagen, und v. Gelb begnügte sich damit, den linken Flügel der Parallele von den wenigen, noch standhaltenden Verteidigern zu säubern; dann stand er vom Kampfe ab, zog sich nach links hinüber und vereinigte sich mit der mittleren Kolonne. Hier war unterdes der Kampf wieder entbrannt. Graf Wilhelm eilte sofort selbst herbei, und es gelang ihm, die beiden geworfenen Bataillone zu sammeln und wieder gegen den Feind zu führen; Truppen aus dem Lager kamen zur Unterstützung heran. Die Franzosen hatten indes die noch schuss- fähigen 5 Zwölfpfünder umgewandt und feuerten mit Kartätschen; aber vor den anrückenden Verstärkungen wichen sie nach kurzem Wider-— stand in die Festung zurück. Zwar war die Parallele selbst nur wenig beschädigt, aber die genommene Batterie war zerstôrt, die Geschütze waren beim Abzuge vernagelt, die 4 Morser fortgeschleppt, die Zelte der hannôverschen Kanoniere hinter dem Butlarschen Garten waren verbrannt, das in Brand gesetzte Bombendepot und die Pulverwagen flogen in die Luft und richteten gewaltige Verheerungen unter den Truppen an.
Die Verbündeten verloren:
1 Offizier 88 Mann tot
11„ 200„ verwundet
1„ 25„ gefangen 18»c vermisst
13 Offiziere 331 Mann im ganzen.
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Dagegen betrug die Einbusse des An- greifers nur 9 Offiziere 192 Mann, davon 3 Offi- ziere 49 Mann tot. 2
Den Franzosen war die UÜberraschung vollständig gelungen; die Hauptursache ihres Erfolges aber war das Verhalten der hannver- schen Offiziere, besonders des Generals v. Drewes. Dieser kommandierte in der Ausfallsnacht die Besatzungstruppen der Parallele; statt aber auf seinem Posten zu bleiben, eilte er beim An- rücken des Feindes in das Lager zurück, an- geblich um Hülfe zu holen,— und die des Führers beraubten Truppen versagten. Ja, am Abende nach dem Ausfalle verliess er wieder- um 3 Stunden vor der Ablösungszeit die Lauf- gräben und begab sich in sein Quartier, um sich zu erholen. Seine Bataillone machten sich nun auch allmählich davon, ehe noch die Ab- lösungstruppen angekommen waren; Graf Wilhelm fand demnach, als er unerwartet er- schien, die Werke fast leer, die von den Franzosen am Morgen erstürmte Schanze nur von einer einzigen Schildwache besetzt! Wohl erliess nun der Graf einen scharfen Befehl, wie es bei den Ablösungen der Wachen und Posten gehalten werden solle; ausdrücklich befahl er, dass der wachthabende General nicht eher die Laufgräben verlassen sollte, als bis er sich von der ordnungsmässigen Ablôsung aller Posten überzeugt habe— trotzdem verliess General- major v. Scheele schon am folgenden Tage seinen Posten vor der Ablösung. Da wurde Drewes auf unmittelbaren Befehl des Herzogs Ferdinand vor ein Kriegsgericht gestellt, und er muss verurteilt worden sein, denn er wird nicht weiter genannt. Ob gegen Scheele ein gleiches Verfahren einzuleiten sei, wurde dem Grafen anheimgegeben; Sicheres darüber ist jedoch nicht zu finden. Uberhaupt beklagte sich der Graf in seinen Berichten an den Herzog bitter über die Nachlässigkeit und die Unlust zu dem allerdings sehr beschwerlichen Dienst bei den höheren hannverschen Offizieren und hob hervor, dass sie dem gemeinen Manne, der
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