Personen, welche für die Verwaltung von Stadt und Land notwendig waren. Holz wurde in der Umgegend geschlagen; am 28. trüh 6 Uhr ging Oberst-Lieutenant v. Gelb mit 12 Kom- pagnien Grenadiere und Jäger(600 Mann), 500 anderen Fusssoldaten und 200 Reitern nach Burghasungen, schaffte das dort gefällte Holz auf Schiffen nach Cassel und trieb viel Vieh zusammen.
Die Bürgerschaft hatte jedoch noch anderes auszustehen. Nicht allein, dass man in den WMohnungen nach Waffen aller Art suchte. Je näher die wirkliche Belagerung rückte, um so höher stieg die Angst; am gröõssten wurde sie, als Broglie drohte, die Ober-Neustadt, den besten und schönsten Teil der Stadt, in Brand zu stecken, wenn man ihn von dieser Seite her angreifen würde. Da begab sich am 28. eine Abordnung der Bürgerschaft zum Grafen Wilhelm, ihm von dieser Sachlage Kenntnis zu geben. Der Graf gab derselben ein Schreiben mit, in welchem er in scharfen Worten diese Drohung für kriegs- und völkerrechtswidrig erklärte und eine dem entsprechende Behandlung eintretenden Falls in Aussicht stellte. König Friedrich gab den Rat, Broglie nicht als Offizier, sondern als Mordbrenner und Verbrecher zu behandeln, wenn man ihn gefangen nehmen sollte. Von fran- zösischer Seite wird zwar in Abrede gestellt, dass Broglie diese Drohung ausgesprochen habe, indes ist kein Zweifel mõglich. Die in der Ober-Neustadt liegenden Offiziere erhielten den Befehl, ihr Eigentum in das landgräfliche Schloss zu schaffen; in den Stockwerken der Häuser wurde von den Soldaten Holz und Stroh auf- gehäuft, und man erwartete nur den Befehl, das Feuer anzulegen. Die Löscheimer wurden sogar weggenommen. Doch kam es nicht dazu, denn Landgraf Wilhelm dachte gar nicht an einen Angriff von dieser Seite, zumal seine Kräfte nicht im entferntesten ausreichten, einen Doppel- angriff zu unternehmen.
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C.
Die Belagerung von Cassel vom f. bis 28. März 1761.
Mehr als zehn Tage waren seit dem Er- scheinen der Verbündeten vor der Festung ver- gangen, und noch hatte der Angriff nicht er- öffnet werden können. Die Heranschaffung des Geschützes und des Schiessbedarfes wurde durch die Grundlosigkeit der Wege aufs äusserste erschwert, die Truppen waren durch das ent- setzliche Wetter und den ôöfteren Mangel selbst des Notwendigsten furchtbar mitgenommen. Beständig aber wurde Graf Wilhelm durch Herzog Ferdinand gedrängt, doch endlich mit der Belagerung den Anfang zu machen; denn von dem raschen Fortgange derselben, von dem Falle Cassels, sei der Erfolg des ganzen Feld- zuges abhängig. Ja, im Hauptquartiere begann man über die vermeintlich ungerechtfertigte Zögerung des Grafen unwillig zu werden. S0 beschloss dieser endlich gegen seine Uberzeugung (wenn er die Laufgräben eröffne, müsse er auch schiessen können— ähnliche Gründe waren ja auch 1870/71 für den in Deutschland eine Zeit lang für fast unbegreiflich gehaltenen Aufschub des Beginnes der Beschiessung der Pariser Forts massgebend), nur um dem Drängen des Herzogs zu gehorchen, in der Nacht vom 25. zum 26. Februar mit den Belagerungsarbeiten zu beginnen. Allein dies erwies sich als un- möõglich; erst am 28. hatte man für einen halben Tag Schiessbedarf: trotzdem wurden nun in der Nacht vom 1. zum 2. März die Laufgräben eröffnet. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von der eigentlichen Arbeitsstelle abzulenken, unternahm Oberst Junkermann mit einer Ab- teilung von 300 Mann einen Scheinangriff auf die Reisbergschanze; von heftigem Gewehrfeuer empfangen, musste er zurückweichen und verlor 7 Tote, 30 Verwundete, während die Franzosen nur 3 Verwundete hatten. Unter dem Schutze
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