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3 (1897) Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761
Entstehung
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Schanzkörbe angefertigt und andere Vorbe- reitungen zur Erôffnung der Laufgräben ge- troffen worden waren; am Tage vorher abends 8 Uhr war der General v. Scheele vom Spörcken- schen Korps mit 8 Bataillonen als Verstärkung

eingetroffen. Es waren dies: I Bataillon Drewes..... 280 Mann 4 4 1 Schulenburg.. 300 4 4 1 Plesse..... 340 2 1 Ahlefeld.... 280 4 2 Mansbach... 330 1 ½ 2 Bischhausen.. 430 2

im ganzen 1960 Mann, wodurch das Belagerungs- korps auf etwa 69000 Mann gebracht wurde, nachdem am 24. das Bataillon Mecklenburg nach Kalden zur Bedeckung der schweren Artillerie entsandt worden war, wo es während der ganzen Belagerung blieb. Ausserdem wurden eine Reihe von Punkten durch kleine Abtei- lungen besetzt: der Weissenstein mit 4 Offi- zieren, 8 Unteroffizieren und 140 Mann(da- runter 40 Mann KReiterei); die Sternschanze rechts von Ober-Vellmar, die Pontonbrücke, die Sternschanze am linken Flügel erhielten je 3 Offiziere, 6 Unter-Offiziere und 100 Mann, Wolfsanger eine Besatzung von einem Offi- zier, 2 Unter-Offizieren und 50 Mann, sodass dafür im ganzen noch über 500 Köpfe in Ab- zug gebracht werden müssen; vor dem rechten und linken Flügel des Lagers wurden gleich- falls Abteilungen von je 100 Mann zur Sicherung aufgestellt.

Wenden wir uns nun zu den Vorgängen auf französischer Seite und in der Stadt selbst während dieser Tage. Die Thätigkeit der Franzosen war besonders auf Verstärkung der Festungswerke und auf Ergänzung der Vorräte gerichtet; von den Ausfällen, welche sie gegen die Stellungen der Verbündeten unternahmen, ist oben die Rede gewesen. Am linken Ufer der Ahne vom Ahnaberger Thore bis in die Schleife der Ahne hinein, wo jetzt die Gebäude der Henschelschen Maschinenfabrik stehen, liess Broglie 3 Lunetten erbauen, die sich später als

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sehr nützlich erwiesen. An allen Werken der Angriffsfront wurde eifrig gearbeitet, die Bäume und Hecken, Gartenmauern und Baulichkeiten vor derselben wurden auf weite Entfernung hin niedergelegt und so freier Ausblick gewonnen. Die einrückenden Besatzungen von Münden und Witzenhausen hatten grosse Mengen von Vieh mitgebracht, angeblich 2000 Stück, die geschlachtet und eingesalzen wurden. Am 25. und 27. mussten von der Regierung je 100 Ochsen geliefert werden, die bezahlt werden sollten; mit Gewalt weggenommenes Vieh aber wurde ohne Entschädigung der Besitzer den Soldaten überlassen. Dass ein KRequisitionszug nach Kaufungen am 25. scheiterte, ist erwähnt; da- gegen brachte eine am 27. nach Nieder- und Ober-Zwehren und Nordshausen entsandte Ab- teilung von 60 Mann Fussvolk und 100 leichten Reitern eine ziemliche Menge Vieh herein, das ab- geschätzt und bezahlt werden sollte. Nicht weniger wurde für die Beschaffung von Brotfrucht Sorge getragen; auf dem Zollamte wurden am 22. Februar 200 Sack Mehl, welche Casseler Kaufleuten gehörten, weggenommen; am 1. März verlangte man von der Regierung 600 Sack Mehl und Korn und die gleiche Menge an Hülsenfrüchten. Am 26. wurden 54 000 Kannen Wein für die Offiziere, am 5. März 4000 Kannen Branntwein für die Soldaten verlangt, in den Häusern der Bürger Nachsuchung angestellt und die ge- fundenen Vorräte weggenommen. Am 15. Fe- bruar war der Bürgerschaft aufgegeben worden, binnen 24 Stunden beglaubigte Verzeichnisse der in ihrem Besitze befindlichen Lebensmittel einzureichen; die am 13. gezahlten Lebensmittel- preise sollten für die ganze Dauer der Be- lagerung gelten; es wurde aber so wenig zu Markte gebracht, dass später auch für hohes Gebot kaum etwas zu haben war. Als die Bürgerschaft sich nicht, wie Broglie verlangte, binnen 5 Tagen mit Lebensmitteln für 5 Monate versehen konnte, erklärte er sich bereit, allen, welche die Stadt verlassen wollten, Pässe aus- zustellen, ausgenommen den obrigkeitlichen