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3 (1897) Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761
Entstehung
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magazin war in Karlshafen; zum Sammelplat⸗ wurde die Höhe zwischen Frommershausen und Ihringshausen bestimmt. So stand das eigent- liche Belagerungs-Korps auf dem linken UÜUfer der Fulda von Wilhelmshôhe bis Ihringshausen auf einem Halbkreise von 12 km Länge. Auf das rechte Fuldaufer wurde Oberst-Lieutenant v. Stockhausen mit der britischen Legion vor- geschoben und besetzte die Dörfer Landwehr- hagen, Sandershausen und Heiligenrode, um die Strasse nach Münden zu sperren. Dagegen war es bei der Schwäche der Verbündeten un- möxglich, dem Feinde die Leipziger, Nürnberger, Frankfurter und Korbacher Strasse zu verlegen; hier hatten sie freies Feld zu meilenweiten Streif- zügen, da die verbündete Hauptarmee viel weiter im Süden stand, von welcher Freiheit sie auch reichlich Gebrauch machten. An den Be- ginn der Belagerung konnte Graf Wilhelm auch nicht denken, da er weder mit Belagerungs- geschütz noch mit Schiessbedarf ausreichend versehen war(er hatte 14 Vierundzwanzig- pfünder, 12 Zwölfpfünder und 12 Môrser), und er wie er am 18. Februar dem Herzog Ferdinand schrieb keinen einzigen Ingenieur hatte.

Als der Graf von der wirklichen Stärke der franzõsischen Besatzung Kunde erhielt, traf er sofort Massregeln zur Sicherung seiner Stellung gegen einen Angriff. An dem Tannenwalde bei Ober-Vellmar und auf dem Warteberge bei Nieder-Vellmar(oberhalb Philippinenhot) liess er 2 geschlossene Schanzen anlegen die Um- risse der letzteren sind noch erkennbar und zwei Lager abstecken, das eine zwischen Harles- hausen und Ober-Vellmar, das andere bei Frommershausen, welche am 22. von den Truppen bezogen wurden. Sie lagerten in den- selben unter ihren Zelten; so weit sie noch keine besassen, erhielten sie den Befehl, Hütten zu erbauen und das dazu nôtige Holz und Stroh von den Ortsvorstehern zu verlangen; unbewohnte Häuser und Schweineställe wurden eingerissen, die Besitzer mit ihren Entschädi-

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gungsansprüchen ſans den englischen Kriegs- Kommissar Gein gewiesen. Schon am nächsten Tage wurden beide Lager indes zwischen den Warteberg und Ihringshausen verlegt; die Fran- zosen machten mit 4 Kompagnien Grenadieren und Jägern und 200 Reitern unter dem Chevalier de Jaucourt einen Ausfall gegen die Vorposten der Verbündeten an der hohen Eiche und drängten dieselben nach Ihringshausen zurück; als aber die braunschweigischen Karabiniers gegen die franzsischen Reiter und ein hes- sisches Bataillon gegen die auf dem Warte- berge haltende französische Generalität vor- rückten, zogen sie sich wieder nach Cassel zurück; dabei verloren die Braunschweiger einige Verwundete und 6 Pferde.

Am 24. Februar wurde bei Kragenhof eine Brücke über die Fulda geschlagen, um die Verbindung mit Oberst-Lieutenant v. Stock- hausen zu sichern. Als Graf Broglie davon Kunde erhielt, beschloss er einen Ausfall, um die Brücke zu zerstören und womöglich die Abteilung Stockhausens aufzuheben, die ihm ersichtlich unbequem geworden war; dieser hatte nämlich Gelegenheit gefunden, einem nach Oberkaufungen gesandten Kequisitions-Kom- mando von 100 Mann zu Fuss und 30 Reitern 54 Gefangene abzunehmen. Am 25. abends 9 Uhr verliessen die Ausfalltruppen Cassel: aùf dem rechten Ufer sollte der Marquis de Rochechouart mit der Hauptkolonne(20 Kom- pagnien, Husaren, Freiwillige, Brückenarbeiter) über Sandershausen vorgehen, auf dem linken der Chevalier Jaucourt mit Fussvolk, Reiterei und 2 Geschützen gegen Frommershausen und Ober-Vellmar sich wenden, um die Aufmerk- samkeit des Gegners abzulenken. Doch das Unternehmen scheiterte, da Rochechouart nicht über die stark angeschwollene Nieste zu kommen vermochte und von den Posten Stockhausens bemerkt worden war.

Den 27. verlegte Graf Wilhelm sein Haupt- quartier nach Nieder-Vellmar, nachdem die ganze Zeit über an den Schanzen gearbeitet,