Verlaufe der Operationen und den Angaben über die Gesamtstärke seines Heeres ist übrigens ersichtlich, dass Herzog Ferdinand für die Be- lagerung von Cassel nicht mehr Truppen ver- wenden konnte.
Das Belagerungskorps bestand aus folgenden Truppenteilen:
Mann I Grenadier-Bat. Rieben..... 220 1„ Waldhausen 260 5 1„ Wangenheim. 230 2. 1 Bataillon Wrede........ 250 8 3 1„ BOek..... 320 1 5 1„ de la Chevalerie... 324 2 8 1I Füsilier-Bataillon Quernheim. 160 2 1„ Mecklenburg 200 3 1 Bat. britische Legion, Oberst- 8 Lieutenant Stockhausen.. ca. 300 2 Bataillone Wutginau..... 300 5 2 8 v. d. Malsburg... 320 ³. 2„ Leib-Regiment... 200% 3 8 5 2 9 v. Gilsa....... 330 8 2 1 Bataillon v. Wurmb... 250 Sl 1 Grenadier-Bataillon Stammer. 170 12 2 4 5 1 Füsilier-„ Redecker. 200 1, Q⁸ 1 1 Jäger-„... Ca. 200 ſe 4. 8 5 1 Bataillon Schaumburg-Lippe- Bückeburg..... 240 Im ganzen 22 Bataillone= 4474 Mann. 2 Schwadronen Jungermann Hannoveranter. 2„ Einsiedel 3 2 TAtaPinilers Braunschweiger. 1„ Husaren
Im ganzen 8 Schwadronen, durchschnittlich zu 80 Mann= 640 Mann.
Demnach betrug der wirkliche Bestand an Fussvolk etwa die Hälfte des vorausgesetzten. Dies hatte seinen Grund nicht nur in den Ver- lusten des vorigen Feldzuges und in Krankheiten, sondern man hatte auch in den Winterquartieren jenseits der Diemel viele Leute zurückgelassen, um die Bataillone mit allem zu versehen, was für den nächsten Feldzug nötig war. Der weit
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stärkeren französischen Besatzung gegenüber musste der Graf natürlich einen schweren Stand haben; damals wurde zur Einschliessung und Belagerung einer Festung eine mindestens um die Hälfte stärkere Truppenzahl, als die Be- satzung, für nõtig erachtet; das Belagerungs- Korps hätte also über 12 000 Mann stark sein sollen; es zählte aber alles in allem mit den leichten Truppen nur 5114 Mann, nur ⅞ der Besatzung! Dazu traten noch andere Umstände, welche den Belagern ungemeine Schwierigkeiten bereiteten. So vor allem das während des grössten Teils der Belagerung andauernde Regenwetter, das die Wege grundlos machte, die Flüsse anschwellen liess, sodass die Heran- führung von Lebensmitteln, Geschütz und Schiessbedarf aufs äusserste erschwert war; ferner litten die in den kleinen Dörfern oder in Zeltlagern und Hütten notdürftig unter- gebrachten Truppen gewaltig unter den Un- Blden der Witterung. Von solchen Ubelständen hatten die Franzosen wenig oder gar nicht zu leiden: die Festung war auf Wochen aus—- reichend mit Lebensmitteln und Munition reich- lich versehen, die Soldaten lagen in den Kasernen und Bürgerhäusern der Stadt ein- quartiert. Zudem waren die Angreifer ge- zwungen, gegen die Residenz des mit ihnen verbündeten Landgrafen die mglichste Schonung walten zu lassen, Zerstörungen von Häusern und Bauten möglichst zu vermeiden; an solche Rücksichten brauchte sich der Feind natürlich nicht zu binden.
Am 19. Februar erschien der Graf von Schaumburg-Lippe mit seinem Korps vor Cassel und liess dasselbe in den Dorfern Simmers- hausen, Ihringshausen, Frommershausen, Nieder- und Ober-Vellmar, Heckershausen, Weimar, Harleshausen und Kirchditmold Quartiere be- ziehen; das Haupt-Quartier kam nach Ober- Vellmar. Der Winterkasten(Weissenstein oder Wilhelmshöhe) wurde mit einem Beobachtungs- posten von 1 Hauptmann, 2 Offizieren, 6 Unter- offizieren und 100 Mann besetzt; das Haupt-


