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3 (1897) Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761
Entstehung
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Dauer der Belagerung bewiesen. Zur Ver- teidigung der Festung standen ihm, nachdem die Besatzungen von Münden und Witzenhausen in Cassel eingerückt waren, folgende Kräfte zur Verfügung:

4 Bataillone Navarra,

4 Belsunce,

2 Aauitaine(von Münden), 2 3 Durfort

2 1 Condé(von Witzenhausen).

14 Bataillone, 7002 Mann stark.

Dazu kamen 300 Mann vom Regimente Provence, eine Abteilung Artillerie unter Oberst- Lieutenant Hallot, 7 Hauptleute, 9 Lieutenants, 1o Sergeanten und 300 Mann der Brigaden de Mouy und de Villepatour, endlich 375 Mann Reiterei und leichte Truppen der Regimenter Royal, Royal Etranger, Schomberg, Royal Nassau, Volontaires de Clermont und Volontaires d'Austrasie unter dem Obersten de Jaucourt von den Volontaires de Flandres. Demnach zählte die Besatzung 7718 Mann Fussvolk und 375 Mann KReiterei= 80903 Mann. Auf die Stadt war die Besatzung so verteilt, dass Navarra und Durfort in der Altstadt, Belsunce und Aquitaine in der Ober-Neustadt und Condé in der Unter-Neustadt ihre Quartiere hatten. Mit Munition und anderen Kriegsbedürfnissen war die Festung wohl versehen, weniger mit Lebensmitteln, doch ist auch daran kein empfind- licher Mangel eingetreten.

Die Festung Cassel war nicht von be- sonderer Stärke und hätte für sich allein schon der damaligen Belagerungskunst keinen allzu langen Widerstand entgegenzusetzen vermocht, zumal sie von dem Möncheberge, dem Kratzen- berge und Weinberge beherrscht wurde. Sie hatte 5 Bastionen:

Ahnaberg, dicht am sog. Mühlenstrom,

Wilhelmsberg, am Ende der Castenalsgasse,

Giessberg, am Schnittpunkte der Bremer-Strasse und oberen Königs-Strasse,

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Totenberg, an der Hedwigs-Strasse und Mauer- Strasse,

Zwehrenberg, zwischen dem Zwehrenturm und

der unteren Karls-Strasse. 8

Diese waren durch einen gemauerten Wall mit einander verbunden, welcher hinter der Kriegsschule mit einem unbedeutenderen bas- tionsartigen Werke an den scharfen Abfall zur kleinen Fulda heranreichte. Vor diesem Walle lief ein nasser Graben mit bedecktem Wege; die 5 Thore, welche ins Freie führten, waren durch vorliegende Lunetten gesichert. Es waren dies:

das Ahnaberger Thor(Weser-Strasse),

das Müller-Thor(Müller-Gasse Holländische Strasse),

das Toten-Thor(Pferdemarkt),

das Neue Thor(An der Garnisonskirche Obere Königs-Strasse[damals Prinz Max-Strasse]),

das Zwehren-Thor(Hinter dem Museum Untere Karls-Strasse).

Die Ober-Neustadt hatte Landgraf Fried- rich II., wie erinnerlich, im Jahre vorher mit einer verschanzten Linie umziehen lassen, die von den Franzosen vermehrt und verstärkt wurde; auch an den übrigen Werken wurde mit Aufbietung beträchtlicher Kräfte gearbeitet, namentlich die voraussichtliche Angriffsfront (die Nordfront vom Ahnaberg bis zum Giess- berg) verbessert und verstärkt. Sturmfrei war der Platz, ganz abgesehen von seiner starken Besatzung, auf jeden Fall.

Und gerade über die Stärke der Besatzung befand sich Herzog Ferdinand vollständig im Irrtum; er schlug dieselbe nur zu 2 3000 Mann an und gab nun dem Grafen Wilhelm für die Belagerung 22 Bataillone und 8 Schwadronen (einschliesslich der leichten Truppen); die Stärke der ersteren berechnete er auf 400 Mann im Durchschnitt, was 8400 Mann Infanterie und etwa 600700 Reiter ergeben haben würde wenn die erste Voraussetzung richtig war, allerdings mehr als genug. Aus dem ganzen