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3 (1897) Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761
Entstehung
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und hindernd machte sich bei allen Truppen- teilen der schwache Mannschaftbestand fühlbar: die Bataillone hatten nach den Verlusten und Strapazen des vorangegangenen Feldzuges, den durch Krankheiten, die infolge des Mangels an Cebensmitteln ausbrachen, erzeugten Abgängen im Durchschnitt nur 300 bis 400 Mann unter den Waffen, die Schwadronen höchstens 80, sodass der ganze Bestand der Armee in 87 Bataillonen, 80 Schwadronen u. s. w. auf nur wenig mehr als 36 000 Streitbaren angeschlagen werden kann: für eine so kühne und ausgedehnte Operation dem bedeutend überlegenen, wenn auch über ein weites Gebiet verstreuten Feinde gegenüber eine Schwäche, die sich bald bitter rächen musste.

Zunächst indes wurden die vorgesteckten Ziele im wesentlichen erreicht. Der Erbprinz zwang am 15. Februar nach heftiger Be- schiessung die franzsische Besatzung von Fritzlar zur UÜbergabe des Platzes, mit welchem ein wertvolles Magazin in seine Hände fiel. Auch an einigen anderen Punkten waren die vorgeschobenen Abteilungen des Erbprinzen erfolgreich, dagegen fiel General-Lieutenant Breitenbach bei einem vergeblichen Angriffe auf Marburg. Herzog Ferdinand mit dem Hauptteile überschritt 11. Februar die Diemel und marschierte bis Westuffeln, während sein Vortrab unter General v. Gilsa von Hof- geismar bis Calden vorgeschoben wurde. Am 12. ging der Herzog bis Zierenberg, v. Gilsa bis Dörnberg, Weimar und Heckershausen; eine Abteilung wagte sich sogar bis Wolfsanger vor, während über Ehlen General Lord Granby Wilhelmshôhe besetzen liess; am nächsten Tage (13.) nahm der Herzog Kantonnementsquartiere um Niedenstein.

Diese Bewegungen des Erbprinzen und des Herzogs machten den Marschall Broglie um seine Verbindungen mit dem Maine besorgt und bewogen ihn, am 14. seine Stellung bei Cassel aufzugeben und bis nach Melsungen zurückzugehen; die Besatzungen von Münden

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und Hofgeismar erhielten den Befehl, sich nach Cassel zurückzuziehen. Als aber der Erbprin⸗ am 16. von Fritzlar gegen Melsungen vorrückte, ging Marschall Broglie nach Hersfeld, zurück; aber auch hier war seines Bleibens nicht lange. Bald kam die Nachricht, dass die Generale v. Spörken und v. Syburg die ihnen entgegen- stehenden französischen und sächsischen Truppen am 15. bei Langensalza empfindlich geschlagen und mit grossem Verluste zum Rückzuge ge- zwungen hatten, dass sie nun gegen die Werra vorrückten und die grosse Strasse nach Frank- furt bedrohten; von Norden her setzte der Erb- prinz seinen Vormarsch gegen Hersfeld fort und erreichte am 19. Oberngeis, während die Hauptarmee Ferdinands bei Felsberg und Nieder- möllrich die Eder überschritt und über Frielen- dorf und Homberg bis Schwarzenborn vorging. Zu schwach(nur 15 Bataillone), um diesen von allen Seiten andringenden Gegnern zu wider- stehen, verliess Broglie am 19. abends Hers- feld, nachdem er die dort befindlichen grossen Magazine, die 80 000 Sack Mehl, 50 000 Sack Hafer und 1000 000 Rationen Heu enthielten, hatte anzünden lassen, wobei die auch zum Magazin verwandte altehrwürdige schône Stifts- kirche ein Raub der Flammen wurde. Bei Hünfeld vereinigte sich Broglie am 20. mit den aus Thüringen von Spörken herausge- drängten Truppen Stainvilles und anderen Ab- teilungen, die vor den Verbündeten zurück- wichen; am 21. ging er nach Fulda zurück, am 23. bis Weidenau, am 24. bis Birstein, am 26. nahm er ein Hauptquartier in Büdingen und legte seine Armee in Quartiere zwischen Giessen, Frankfurt und Salmünster, die durch eine Postenkette von Steinau bis Giessen ge- deckt wurden. Der Erbprinz hatte Hersfeld am 20. besetzt, am 21. Nieder-Aula, am 22. Schlitz und am 25. Lauterbach erreicht; Herzog Ferdinand selbst marschierte am 21. nach Hausen, am 23. nach Grebenau, am 26. nach Alsfeld, am 27. nach Schweinsberg; Spörken

hatte sich über Vacha, Friedewald und Hersfeld 7*