müssen. Am 22. Januar 1760 kam Herzog Ferdinand selbst auf einige Tage hier an und gab am 24. zu Ehren des Geburtstages Friedrichs des Grossen ein glänzendes Fest. Wenige Tage später kam die Nachricht, dass Landgraf Wilhelm VIII. am 1. Februar, fast 78 Jahre alt, zu Rinteln gestorben sei. Er hatte seine Haupt- stadt lebend nicht mehr wiedersehen sollen. Seine Leiche wurde am 6. nach Cassel über- geführt, vom 23. bis 27. auf dem Paradebette ausgestellt und am 2. März in aller Stille vor- läufig beigesetzt. Am 4. März verlegte der neue Landgraf Friedrich II. seinen Aufenthalt von Wilhelmsthal nach Cassel; er wohnte jedoch der feierlichen Beisetzung seines Vaters in der Martinskirche nicht bei, die am 17. April mit grosser Pracht vollzogen wurde.
Dem Bündnisse mit England und Preussen blieb Landgraf Friedrich II. treu, und seine tapferen Truppen fuhren fort, an der Seite der Hannoveraner und Engländer gegen die Fran- zosen zu streiten. Auf Befehl des Landgrafen wurde mit einer Verstärkung der die Stadt umgebenden Werke begonnen und namentlich die Befestigungen der Ober-Neustadt vermehrt; doch wurden die Arbeiten nicht vollendet, und die Verteidigungsfähigkeit des Platzes blieb höchst mangelhaft. Auch die Füllung der Magazine ging sehr langsam von statten, da das Land zu ausgesogen war.
Die Operationen der Hauptheere konnten bei dem Mangel an Futter in Hessen und Westpfalen erst beginnen, als es wieder Grün- futter auf den Feldern gab. Bis dahin standen sich die Heere fast unbeweglich gegenüber. Das Hauptkorps der Verbündeten unter Herzog Ferdinand selbst war bei Wabern und Fritzlar (38000 Mann); General v. Imhoff mit 13000 Mann zur Verteidigung der Ohm-Linie bei Kirchhain, General v. Gilsa mit 12000 Mann zur Deckung des linken Flügels bei Hersfeld, und General v. Spörcken mit 24000 Mann bei Mürster, Lünen und Lippstadt zum Schutze von West- falen. Diesen gegenüber sammelten sich die
Franzosen um die Mitte des Juni in folgenden Stellungen: rechts zwischen Fulda und Ulrich- stein, der Prinz Xaver(Graf v. d. Lausitz) (20000 Mann); die Hauptarmee unter Broglie (8 0000 Mann) zwischen dem Vogelsberge und Wetzlar; am Niederrheine St. Germain(30000 Mann).
Bei solcher Uberlegenheit des Feindes waren die Verbündeten auf die Verteidigung angewiesen. Broglie vereinigte sein Heer am 22. Juni um Grünberg und begann den Vor- marsch gegen die Ohm, welche der Erbprinz von Braunschweig mit den Truppen Imhofs und Gilsa's, die er selbst von Hersfeld heran- geführt hatte, nicht zu halten vermochte; Herzog Ferdinand langte am Morgen des 25. von Fritzlar bei Neustadt an, kam aber zu spät, da der Feind schon am 24. bei Homberg und
Nieder-Uffleben den Fluss überschritten hatte.
Als sich der Herzog durch eine Erkundung von der Stärke Broglie's überzeugt und dessen Stellung sehr günstig gefunden hatte, gab er den Gedanken an eine Angriffsschlacht auf und führte sein Heer am 26. nach Treysa und Ziegenhain zurück; Broglie folgte am 27. bis Neustadt nach. Statt den Herzog aber anzugreifen, beschloss er, St. Germain aus Westfalen heranzuziehen, sich mit ihm bei Corbach zu vereinigen und durch Umgehung der rechten Flanke den Herzog zu weiterem Rückzuge zu zwingen. Am 8. Juli marschierte er von Neustadt nach Frankenberg an der Eder, am 9. weiter gegen Corbach, wo am 10. die Vereinigung mit St. Germain erfolgte, nachdem der Erbprinz, welcher St. Germain allein anzutreffen hoffte, eine Schlappe erlitten hatte. Herzog Ferdinand war am 8. von Ziegenhain und Treysa aufgebrochen, erreichte am 9. Wildungen und nahm am 10. Aufstellung zwischen Höringhausen und Sachsenhausen auf der Strasse von Corbach nach Cassel. Hier ver- einigte sich am 13. Spörcken, der am 10. Hamm verlassen hatte, über Stadtberge und Landau kommend, mit ihm, glücklich der Gefahr einer Niederlage entgehend, da Broglie unthätig bei


