dem Langenfelde auffuhr und ihr Feuer gegen die Schanzen eröffnete. Der Widerstand, den die Verbündeten leisteten, war ein ziemlich hartnäckiger; als aber eine Abteilung, die Volontaires du Hainaut und d'Austrasie, die Fulda bei der Neuen Mühle zu überschreiten suchte, trat Kielmannsegge um 12 ½ Uhr seinen Rückzug durch Cassel auf Sandershausen an, gedeckt von dem hessischen Regimente Prinz Karl mit 4 Regimentsgeschützen. Dieses ver- schloss die Thore, überschritt die Fulda, zog durch die Unter-Neustadt aufden Forst und wies hier einen Angriff der bei der Neuen Mühle über- gegangenen Reiterei ab. Eine andere feindliche Abteilung wurde bei Waldau durch Luckner mit seinen Husaren und einem Teile der preussischen schwarzen Husaren in die Söhre zurückgetrieben. So konnte Kieselmannsegge unbehindert seinen Rückzug über Sandershausen und Lutternberg nach Münden fortsetzen; die Nachhut folgte über Heiligenrode nach. Durch das Geschütz- feuer war Broglie’'s Aufmerksamkeit nach dieser Richtung gelenkt worden; aber die von ihm entsandten Truppenabteilungen kamen zu spät, um den abziehenden Gegnern noch etwas an- haben zu können.
In Cassel war nur 1 Offizier mit 50 Mann zurückgelassen worden, um die Kapitu- lation abzuschliessen; um 2 Uhr nachmittags zog Prinz Xaver mit den Sachsen ein. Die Verluste an Toten und Verwundeten in den Gefechten dieses Tages können auf beiden Seiten nicht bedeutend gewesen sein; an Ge- fangenen fielen den Feinden im Lager 100 Mann in die Hände, die sich allmählig durch auf- gegriffene Nachzügler bis auf 500 vermehrten; in den Lazaretten lagen 50 Offiziere und 800 Mann verwundet und krank. An Geschützen fanden die Franzosen in dem verschanzten Lager 18 Stück, in der Stadt 12 bronzene, 13 eiserne Kanonen und 1 Haubitze; dieselben waren indes vernagelt und auf andere Weise unbrauchbar gemacht worden. Auch 600 Pferde und etwas Bagage wurden ihre Beute, vor
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allen aber ein bedeutendes Magazin mit Mehl, Korn, Futter und eine Menge Munition.
In Münden versuchte Kielmannsegge ver- geblich sich gegen den Prinzen Xaver zu halten. Nach zweistündigem lebhaften Kampfe erstürmten die Sachsen am 1. August die Mauern der Stadt und zwangen die Verbündeten zum Abzuge. Uber 300 Gefangene, 2 Kanonen, beträchtliche Magazine und Munitionsvorräte nebst 5 mit 1200 Centner Pulver beladenen Schiffen, die bei Kragenhof lagen, fielen in ihre Hände. Am 3. August wurde auch Göttingen genommen; die Stadt blieb stark besetzt, wurde befestigt und ward über zwei Jahre von den Franzosen behauptet.
Mit dem Verluste von Cassel war zugleich Hessen für die Verbündeten verloren gegangen. Broglie nahm mit seiner Haupt-Armee am 2. August eine Stellung bei Ober-Listingen gegen die Diemel, und dieser Fluss blieb für den ganzen Rest des Feldzuges die Grenzscheide der beiden Heere. Es kam nur noch zu unbe- deutenden Zusammenstössen, wie am 10. August im Reinhards-Walde bei Sababurg, am 6. Sep- tember bei Zierenberg, in denen die Verbün- deten trotz ihrer Minderzahl die Angreifer und die Sieger waren: die Hauptheere beobachteten sich nur, ohne irgend etwas Entscheidendes gegen einander zu unternehmen. Später, als das Land zwischen Fulda und Diemel ausfou- ragiert war, zog sich Broglie näher an Cassel bis Immenhausen, endlich in ein verschanztes Lager zwischen Cassel und Wilhelmshôhe, dessen Werke ebenso wie die Befestigungen der Stadt beständig vermehrt und verstärkt wurden.
Herzog Ferdinand sah sich auch ausser Stande, gegen den Feind an dieser Stelle einen entscheidenden Schlag zu thun; und so ging der Feldzug thatlos zu Ende.
Anmerkung: Wegen Mangels an Raum konnte Ab- schnitt III:„Die Belagerung von Cassel im Jahre 1761“ nicht mehr zum Druck gegeben werden. Dieselbe wird den Inhalt der Beilage zum nächsten Jahresberichte(1896/97) bilden.
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