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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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Corbach zwischen Berndorf und Marienhagen stehen blieb.

Ein schöner Vorteil, den der Erbprinz am 16. Juli bei Emsdorf über eine feindliche Ab- teilung davontrug, vermochte die bedrohte Lage der Verbündeten nicht zu verbessern. Am 24. liess Broglie die Stellung bei Sachsenhausen leicht, die Stellung Spörckens bei Volkmarsen aber ernstlich mit beträchtlicher Ubermacht an- greifen, und wenn letzterer auch durch die mangelhafte Ausführung des feindlichen Angriffs vor einer Niederlage bewahrt blieb, so sah sich der Herzog doch veranlasst, am 25. bis Wolf- hagen und Ippinghausen zurückzugehen. Broglie rückte an diesem Tage bis Freienhagen, am nächsten Tage bis an die Warme heran, nach- dem die Verbündeten über Zierenberg in die Gegend von Cassel zurückgewichen waren:

Spörcken stand bei West-Uffeln, Scheither bei

Liebenau, der Herzog bei Hohenkirchen und Frommershausen, Kielmannsegge auf dem Kratzenberge. Durch die letzten Bewegungen Broglie's war Herzog Ferdinand in die Notwendigkeit versetzt worden, sich entweder in dem Winkel zwischen Weser und Diemel in einen nach- teiligen Kampf einzulassen oder Cassel und Hessen aufzugeben und sich über die Diemel nach Westfalen zurückzuziehen. Der Entschluss ward dem Herzoge schwer. doch, um Westfalen, dessen Festungen und Magazine zu retten, mussten Cassel und Hessen geopfert werden. Am 27. nahm die verbündete Armee ihr Lager bei Calden; der Erbprinz stand bei Ober-Vellmar, Kielmannsegge bei Cassel, General v. Bisch- hausen mit 2 hessischen Regimentern bei Weissenstein(Wilhelmshöhe), um die Ausgänge des Habichtswaldes zu beobachten. Broglie hatte vom Dornberge aus die Bewegung des Herzogs gegen die Diemel bemerkt, und um demselben den Weg nach Westfalen zu ver- legen, entsandte er den Chevalier du Muy, den Nachfolger des mit dem Hofe zerfallenen Grafen v. St. Germain, auf dem weiten Umwege über

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Stadtberge nach Warburg, während sein rechter Flügel, die Sachsen unter Prinz Xaver von Naumburg am 28. bis Breitenbach vorging und die Vortruppen desselben Altenbaune und Kirchbaune erreichten.

Broglie beschloss nun, den Herzog in seiner Stellung bei Calden anzugreifen; am 30. musste Prinz Xaver nach Wilhelmshôhe vorrücken, du Muy traf in Warburg ein, und Broglie bestimmte den 31. Juli zur Entscheidungs- schlacht. Doch der Herzog hatte bereits am 29. Spörcken bei Liebenau über die Diemel gehen lassen und marschierte selbst am 3o. abends von Calden rechts ab, überschritt am 31. früh um 3 Uhr diesen Fluss, griff das allein- stehende Corps du Muy bei Warburg an und schlug ihn gänzlich. Westfalen war damit ge- rettet. Als nun Broglie am 31. gegen die bisherige Stellung des Herzogs vorrückte, fand er dieselbe verlassen; Unterstützungen, die er von Volkmarsen nach Warburg abrücken liess, kamen zu spät du Muy war bereits ge- schlagen; allein Cassel fiel an diesem Tage in die Hände der Feinde.

Am 30. morgens war Prinz Xaver über Hoof vorgegangen; die Truppen Bischhausens wurden vom Karlsberge hinabgedrängt, auch Luckner gezwungen, von Niederzwehren auf Cassel zurückzugehen, und am V ormittage entspann sich ein lebhafter Geschützkampf zwischen den sächsischen Batterien bei Wilhelms- höhe und dem verschanzten Lager auf dem Kratzenberge. Kielmannsegge, der im ganzen über 12 Bataillone und 6 Schwadronen ver- fügte, hatte den bestimmten Befehl des Herzogs, sich, wenn er von überlegenen Kräften an- gegriffen würde, über Sandershausen nach Münden hinter die Werra zurückzuziehen, ohne durch hartnäckige Verteidigung Cassels seine Abteilung in Gefahr zu bringen. Am 31. Juli um 11 Uhr vormittags liess Prinz Xaver sein Fussvolk durch Kirchditmold, Wahlershausen und Wehlheiden zum Angriffe auf den Kratzen- berg vorgehen, während seine Artillerie auf