der Stadt und nach der Rennbahn hin wurden abgeworfen.
Noch am Abend des 18. erschien Major Friedrichs mit 2 Kompagnien hessischer Jäger am Siechenhofe vor dem Leipziger Thore. Villeterque wollte sogleich die Stadt übergeben; da er aber freien Abzug zum Hauptheere ver- langte, brach Friedrichs die Unterhandlungen ab. Es entspann sich ein lebhaftes Feuer- gefecht, das bis in die Nacht hinein dauerte. Am Morgen des 19. um 7 Uhr, als Major Friedrichs eben im Begriffe war, das Thor mit Gewalt wegnehmen zu lassen und schon einige Kanonenschüsse gegen dasselbe gefallen waren, erschien ein Offizier mit einem Trommler und verlangte aufs neue zu unterhandeln. Um Uhr war die Kapitulation abgeschlossen: die Stadt wurde mit allen Vorräten übergeben, die Be- satzung und die in den Lazaretten liegenden Kranken und Verwundeten wurden kriegs- gefangen. Sie sollten in Cassel oder einem anderen Orte Hessens so lange bleiben, bis Herzog Ferdinand sie zur französischen Armee zurücksenden oder auswechseln würde; Offi- ziere, Beamte und Soldaten sollten ihres Eigen- tums sicher sein. Kurz vor Abschluss des Vertrages war auch Oberst-Lieutenant v. Freytag mit einer stärkeren Abteilung eingetroffen. Um 12 Uhr fand der Ausmarsch der Besatzung mit allen kriegerischen Ehren statt; auf der Esplanade (dem Friedrichsplatze) legte sie die Waffen nieder und wurde dann in die Kasernen zurückgeführt; in den Lazaretten befanden sich etwa 20 Offiziere und 15— 1600 Mann. Das Magazin, welches 40000 Sack Mehl, viel Weizen, Roggen, Hafer, Heu und Stroh enthielt, wurde sogleich mit einer Wache besetzt, da sonst alles gestohlen worden wäre. Das Mehl wurde versteigert, die kleinen Vorräte in den Bäckereien aber den Armen unentgeltlich überlassen. Am 20. rückte Oberst- Lieutenant v. Stockhausen mit seinem Scharf- schützen-Bataillon und einer Kompagnie hes- sischer Jäger als Besatzung ein, er wurde indes schon am folgenden Tage durch eine Abteilung
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hessischer Landmiliz abgelöst und ging nach Melsungen weiter.
So war Cassel wiederum vom Feinde be- freit und blieb fast ein ganzes Jahr von seinen Bedrückungen verschont. Als Geiseln für die Bezahlung des Restes der im Juni auferlegten Brandschatzung hatten die Franzosen allerdings auch diesmal 5 Bürger aus Cassel und 11 vom Lande mit sich geführt.
Herzog Ferdinand war über Corbach und Frankenberg dem weichenden Feinde bis Münch- hausen nachgerückt; Contades nahm hinter der Ohm, Broglie hinter der Lahn oberhalb Mar- burg Stellung. Hier langte von Paris aus am 24. August der Sieger von Hastenbeck, der Marschall d'Estrées, als Berater Contades an; doch er vermochte nicht zu verhindern, dass Anfang September der Kückzug hinter die Lahn nach Wetzlar und Giessen angetreten werden musste. Der Herzog folgte und bezog ein Lager bei Croffdorf, das er über 3 ½ Monat behauptete. Erst Anfang Januar 1760 ging er vor dem immer mehr anwachsenden, fast doppelt so starken Gegner, an dessen Spitze nach Contades' Abberufung der Herzog v. Broglie getreten war, wieder bis Marburg zurück und legte die Truppen in der Umgebung dieser Stadt in die wohl verdienten Winterquartiere. Ein gleiches that Mitte dieses Monats der Feind.
0. Das Jahr 1760.
Nach der Wiedereinnahme durch die Ver- bündeten am 19. August 1759 genoss die Stadt Cassel fast ein volles Jahr der Ruhe. Allein es war beständig stark mit Truppen besetzt, deren Einquartierung bei den Bürgern zu manchen Misshelligkeiten führte; indes war es aber immer noch besser als den Feind beherbergen zu


