zurückging; bei Lutternberg wurde ein Lager bezogen. Am I1. verlegte Contades sein Haupt- quartier nach Cassel und sammelte seine Armee unter Heranziehung aller entsandten Abteilungen um diese Stadt, die das einzige Magazin enthielt, auf das er mit Ausnahme von Marburg sich stützen konnte.
Herzog Ferdinand war von dem Schlacht- felde von Minden aus auf dem linken Ufer der Weser nach Süden über Gohfeld, Herford, Paderborn und Dahlem auf Stadtberge(12. August) vorgerückt, um sich dieses wichtigen Diemel- UÜberganges zu bemächtigen. Wider Erwarten fand man ihn vom Feinde geräumt; am 13. über- schritt die Armee die Diemel und lagerte bei Erlinghausen; der Erbprinz war auf Befehl des Herzogs bei Herstelle auf das linke Ufer der Weser hinübergegangen, erreichte den 14. War- burg und ging am 16. bis Volkmarsen vor, bei welchem Orte Luckners Husaren ein glück- liches Gefecht mit dem Freikorps Chabo be- standen. So hatte der Herzog alle seine Kräfte, 50000 Mann, an der Twiste zwischen Volk- marsen und Corbach vereinigt uud gedachte nun Contades aus Cassel und dessen Umgebung zu vertreiben. Dieser hatte durch Heranziehung der entsandten und zurückgelassenen Ab- teilungen aus Westfalen wieder die Stärke von 70000 Mann erreicht und nahm folgende Stellungen ein: die Hauptmasse hatte ein festes Lager bei Nieder-Zwehren bezogen, General St. Germain hielt die Hôhen von Lutternberg besetzt, Broglie stand an der Strasse nach Warburg bei Ober-Vellmar, Armentières an der Strasse nach Stadtberge bei Wolfhagen und hatte gegen Volkmarsen, Freienhagen und Sachsenhausen starke Abteilungen vorgeschoben.
Um nun den Marschall Contades zur Auf- gabe von Cassel zu bewegen, beschloss der Herzog, ihn für Marburg und seine Ver- bindungen mit dem Rheine besorgt zu machen. Dazu sollte ihm ein Angriff auf das Korps Armentières dienen, das den linken Flügel der
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französischen Armee deckte und die Strasse nach Fritzlar und Marburg sicherte. Am 17. ging die ganze Armee zum Angriffe auf Armentières vor; dieser aber hatte schon in der Nacht seine Stellungen zum grössten Teile verlassen; nur bei Naumburg kam es zum Gefechte. Dieser Ort war von dem Bataillon Narbonne, das zu der Brigade der königlichen Grenadiere gehörte, besetzt; stärkere Ab- teilungen standen im Lager auf den Hôhen östlich davon. Der Herzog von Holstein kam von Corbach heran und vertrieb die feind- lichen Vorposten aus Höringhausen und Sachsen- hausen. Die tapfere hessische Reiterei unter General v. Urff, die schwarzen und braunen preussischen Husaren warfen durch einen raschen Angriff die feindlichen Abteilungen vor dem Städtchen über den Haufen; die Artillerie er- öffnete ein Geschützfeuer auf die Thore, und die eingeschüchterte Besatzung, welche in ihrer Bestürzung sogar ein Thor zu schliessen ver- gessen hatte, streckte die Waffen. 342 Mann wurden gefangen, 2 Fahnen erbeutet; an Toten verloren die Franzosen 50 Mann, an Ver- wundeten 51(der tapfere Urff hatte mit eigener Hand 8 Grenadiere niedergehauen), während die Sieger nur 15 Mann einbüssten.
Der General v. Armentières wandte sich, ohne es auf einen Kampf ankommen zu lassen, mit seinem Korps nach Kirchberg an der Ems, wo sich am 18. Broglie mit ihm vereinigte. An demselben Tage früh 5 Uhr verliess Contades sein Lager bei Zwehren und ging auf das rechte Ufer der Eder nach Zennern zurück; trotz seiner UÜberlegenheit wagte er nicht, es auf eine Schlacht ankommen zu lassen. In Cassel war eine Besatzung von 400 Mann unter dem Brigadier Villeterque zurückgeblieben, 8 Ab- teilungen verschiedener Regimenter von je 2 Offizieren und 50 Mann. Diese war natürlich viel zu schwach, um an eine ernstliche Ver- teidigung denken zu können. Villeterque liess die Thore schliessen und zog sich in das Schloss
zurück; die beiden Zugbrücken desselben nach 6*


