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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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mittage des 10. zeigten sich die ersten leichten Truppen des Feindes vor diesen Dörfern, und es entspann sich ein Gefecht, in welchem die Franzosen zurückgeworfen worden; und als noch einige Abteilungen der am Kratzenberge auf- gestellten Truppen auf das rechte Fuldaufer hinübergingen und den Fluss aufwärts vor- rückten, wich der Feind vollständig. Erst am Abende gegen 8 Uhr drang der beträchtlich verstärkte Feind aufs neue gegen jene Dörfer vor, wurde indes abermals durch das sichere und ruhige Feuer der Scharfschützen blutig ab- gewiesen und vermochte nicht den geringsten Erfolg zu erringen. Stockhausens Schützen thaten, wie Herzog Ferdinand selbst schreibt, Wunder der Tapferkeit und brachten dem Feinde erheblichen Verlust bei. Als jedoch die Nach- richt von dem Anmarsche der ganzen Armee- abteilung Broglie's sich bestätigte, zogen Post und Zastrow um Mitternacht über Münden nach Einbeck ab..

Am Morgen des nächsten Tages, des I1. Juni, erschien Broglie mit seinem Gewalt- haufen vor Cassel und hielt um 10 Uhr vor- mittags seinen Einzug. Ein Regiment Schweizer blieb zur Besatzung, der Vortrab marschierte sofort weiter nach Münden, wo, wie in Cassel, noch beträchtliche Magazinvorräte, die nicht mehr hatten fortgebracht werden können, er- beutet wurden.

So war Cassel zum dritten Male in die Hände des Feindes gefallen, und sofort begannen wieder die alten Forderungen von Geld. Dem Lande wurde eine Kriegssteuer von 2 Millionen Thalern auferlegt, die auf die Amter verteilt und in drei Raten bis zum 25. Juli bezahlt werden sollte. Ausserdem mussten noch 6000 Sack Weizen und 3000 Sack Korn, allerdings gegen Bezahlung von seiten der Landesregierung, geliefert werden.

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B.

Von der Besetzung Cassels durch die Franzosen bis zum Ende des Feldzuges von 1759.

Uber zwei Monate blieben nun die Fran- zosen unbestrittene Herren im Hessenlande. Nur an der Werra und Weser kam es zu Ge- fechten mit den im Solling eingenisteten Partei- gängern der Verbündeten, die von da aus ge- schickte und glückliche Streifzüge unternahmen. Besondere Erwähnung verdienen die kühnen Überfälle des Oberst-Lieutenants Freytag auf Hemeln und Bursfelde am 5. Juli, wobei die Volontaires d'Alsace fast vernichtet wurden, und der gleichfalls erfolgreiche Handstreich auf Witzenhausen am 8. Juli.

Herzog Ferdinand musste vor dem Drängen des übermächtigen Feindes bis hinter Preuss.- Minden zurückweichen, erst hier gelang es ihm, den feindlichen Vormarsch zum Stehen zu bringen. Am I. August erfocht er mit seinem 40 700 Mann starken Heere über Contades und Broglie, die 50 700 Mann stark waren, den herrlichen Sieg bei Minden und Todtenhausen, während gleichzeitig der Erbprinz bei Gohfeld den franzõsischen General Brissac gänzlich schlug. Die Folgen dieser verlustvollen Niederlage (über 7000, nach anderen glaubwürdigen An- gaben 11 12 000 Mann und 48 Geschütze) war das eilige Zurückweichen der französischen Hauptarmee auf Cassel. Oberhalb Minden über- schritt Contades noch am Abende des Schlacht- tages auf 2 Schiffbrücken, die Reiterei mit Be- nutzung von Furten, die Weser und ging auf das rechte Ufer des Stromes hinüber. Am 3. August erreichte er Hessisch-Oldendorf, und zog dann eilig unter Sengen und Brennen, von dem Erbprinzen von Braunschweig verfolgt, der ihm mehrere blutige Nachhutsgefechte lieferte, über Einbeck, Moringen, Dransfeld nach Münden und Witzenhausen, wo die Haupt- masse am O. und 10. August über die Werra