verbreitete, war nicht gering. Das Weinberg- (Frankfurter) Thor der damaligen Befestigung der Ober-Neustadt wurde geschlossen und blieb 3 Wochen lang gesperrt, Feldwachen wurden ausgestellt. Am 8. April wurde das Futter- Magazin von Fritzlar nach Cassel geschafft. Die Besorgnisse waren jedoch unnôtig. Du Blaisel kam nicht über Wildungen hinaus, wendete sich von hier südlich ins Schwalmthal und hatte da ein nachteiliges Gefecht mit dem General v. Hardenberg, worauf er nach Marburg zu- rückging.
Am Tage nach der Schlacht bei Bergen stiess der Graf v. St. Germain mit einem aus- gesuchten Korps von 10000 Mann zu Broglie; dazu kam die Kunde von dem Wiedervordringen der durch den Erbprinzen verscheuchten Oster- reicher und Reichsvölker über Königshofen und Schmalkalden gegen Fulda: dies alles bestimmte den Herzog, sein Heer über Friedberg und Grüningen nach Ziegenhain zurückzuführen. Broglie dachte nicht daran, den erlangten Vor- teil durch eine Verfolgung auszunützen; er legte 25 000 Mann in der Wetterau in Kuhequartiere, 18 000 Mann unter Beaufremont nahmen Stellung bei Neuwied; das Heer Contades', 64 000 Mann, stand am Niederrhein von Cöln bis zur hol- ländischen Grenze. In der Erwartung, dass dieses wie in den vorigen Jahren in Westfalen einbrechen würde, gab der Herzog am 16. Mai seine Stellung bei Ziegenhain auf und marschierte über Wabern und Stadtberge an die Lippe; 16000 Mann unter General v. Imhof blieben bei Fritzlar hinter der Eder zum Schutze Nieder- hessens zurück. Contades indes, 17 000 Mann unter Armentières bei Wesel zu einer Unter- nehmung gegen Münster zurücklassend, verliess Düsseldorf am 22. Mai und erreichte über Hachenburg(25. Mai) das Lahnthal bei Giessen, wo er sich am 2. Juni mit Broglie vereinigte; er verfügte hier, nach Abzug der notwendigen Besatzungen, immer noch über mehr als 80 000 Mann. Dem Herzoge v. Broglie, der für seinen Erfolg von Bergen zum Marschall von Frank-
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reich ernannt worden war, übertrug er den Be- fehl über den rechten Flügel, das sogenannte Reservekorps. Am 3. Juni marschierte er mit seiner Hauptmacht auf Marburg und erreichte über Frankenberg und Sachsenberg am 10. Juni Corbach, während Broglie über Homberg a. d. Ohm und Treysa gegen Fritzlar vordrang. Solchem Andrange weichend, musste Imhof die Eder aufgeben. Am 7. sandte er seine schwere Artillerie, die Pontons und das Gepäck unter Bedeckung des Bataillons Bückeburg über Gudensberg nach Cassel und gab Befehl, mit dem Leeren der Magazine hier und in Münden zu beginnen. Um Mitternacht brach das ganze Korps, nachdem eine durch General v. Gilsa gegen die Schwalm bei Borken hin ansgeführte Erkundung die Gewissheit von dem Anmarsche bedeutender feindlicher Streitkräfte verschafft hatte, aus dem Lager bei Nieder- Möllrich nach Cassel auf, wo es am 8. früh 9 Uhr anlangte. An eine Verteidigung des Platzes konnte ebensowenig wie im vorigen Jahre ge- dacht werden; die beiden Landbataillone Frey- wald und Wurmb, welche die Besatzung bildeten, waren bereits nach Paderborn hin abgezogen. Noch am Abend des 8. Juni ging Imhof mit dem Hauptteile seines Korps nach Ober-Vellmar zurück, am 9. über Ober-Meiser nach Warburg und stiess am I1. bei Büren zur Armee des Herzogs.
Bei Cassel liess er den General v. Post mit den Bataillonen Post, Fersen und Marschall, dem Dragoner-Regimente Dachenhausen und dem Scharfschützen-Bataillone des Majors von Stockhausen, im ganzen 3000 Mann(lauter Hannoveranern) und befahl ihm, vor der feind- lichen UÜbermacht über Münden und Göôttingen nõtigenfalls bis nach Hameln zurückzugehen. General v. Post, bei welchem sich auch der bisherige Gouverneur von Cassel, der braun- schweigische General v. Zastrow, befand, liess seine Truppen auf dem Kratzenberge ein Lager beziehen; die Scharfschützen Stockhausens be-
setzten Ober- und Nieder-Zwehren. Am Vor- 6


