noch alles ruhig wäre. Er hoffte, Hessen vom Feinde vollständig zu befreien, die Franzosen in ihren Winterquartieren zu überraschen und sie wenigstens über den Main zurückzuwerfen. Glückte dies, so war Hessen voraussichtlich auf längere Zeit vor jeder feindlichen Bedrohung gesichert..
Am 23. März trafen die Truppen des Erb- prinzen von Braunschweig(der Vortrab) in Cassel ein, am 24. der Herzog von Holstein mit einer zweiten Abteilung in Niedenstein, sodass nun die ganze zu dem Zuge bestimmte Armee, etwa 28000 Mann, zwischen Cassel, Homberg und Fritzlar versammelt war. An demselben Tage langte der Herzog von Münster her in Cassel an, wo auch die Befehlshaber der 3 Heersäulen, der Erbprinz, der Herzog von Holstein und Prinz Casimir v. Isenburg sich einstellten, um persönlich von dem Oberbefehls- haber die Befehle für die nun beginnenden Bewegungen in Empfang zu nehmen. Am 24. noch brach der Erbprinz, am 25. Isenburg von Homberg und Holstein von Fritzlar aus nach Fulda auf, um welche Stadt am 30. das ganze Heer versammelt stand. Von hier aus ward der Erbprinz mit dem Vortrabe nach Franken und Thüringen entsendet, um durch Vertreibung der Osterreicher und Reichstruppen den Rücken des auf Frankfurt vordringenden Heeres sicher zu stellen. Er drang über Meiningen bis Schleusingen vor und traf am 7. April mit 2000 Gefangenen, 6 Kanonen, 6 Fahnen und 2 Standarten und vieler Beute wieder in Fulda ein. Dieser Streifzug sowie die Schwierigkeiten, welche die Heranschaffung von Cebensmitteln und Futter aus Cassel ver- ursachte, veranlassten den Herzog zu einem zehntägigen Aufenthalte.
Diese Zeit benutzte der Herzog v. Broglie, um sich zum Empfange des drohenden Angriffes aufs beste vorzubereiten. Er legte seine Truppen, einschliesslich der herangezogenen Sachsen, um Hanau, Frankfurt, Friedberg und Usingen in so enge Quartiere, dass sie innerhalb 36 Stunden
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an jedem bedrohten Punkte zur Abwehr zu- sammengezogen sein und sich dort in aus— gesuchten und zur Verteidigung vorbereiteten Stellungen aufstellen konnten. Am 11. April abends ward Broglie durch seine Vorposten von dem Anrücken des Herzogs, der am 10. von Fulda aufgebrochen war, unterrichtet; die vor- bereiteten Befehle gingen ab, und in der Nacht zum 13. trafen die letzten Truppen in der starken Stellung bei Bergen ein. So kam es, dass der Herzog, anstatt den unvorbereiteten Feindzu überraschen, denselben, über 35000 Mann stark, kampfbereit in günstiger und starker Verteidigungsstellung vorfand, als er am 13. früh von Windecken aus zum Angriffe auf Bergen schritt. Derselbe scheiterte trotz aller Tapfer- keit der Truppen und der Führer, von denen Prinz Casimir v. Isenburg, tief betrauert von dem ganzen Heere, den Heldentod fand. Der Verlust betrug 2600 Mann und 5 Geschütze; der Feind hatte sicher nicht weniger verloren, aber er hatte seine Stellung behauptet, und die Offensive des Herzogs war zum Stillstande ge— kommen.
Zur Sicherung der bedeutenden Magazine in Cassel waren daselbst 2 Bataillone hessischer Landmiliz, in Fritzlar 2 Schwadronen Miittit- zurückgeblieben, während General v. Hardenberg mit einer kleinen Abteilung von 2 Bataillonen und einem Freikorps Ziegenhain besetzt hielt. Diese Massregeln erwiesen sich als nötig. Der französische Parteigänger du Blaisel mit den Volontaires de Clermont-Prince, de Flandres und dem Husaren-KRegimente Turpin war von der Armee am Niederrhein abgesandt worden, um ins Niederhessische zu streifen. Am 30. Mär⸗ brach er von Siegen auf und ging über Bieden- kopf und Frankenberg gegen Fritzlar vor. UÜberall liess er Lebensmittel für ein ihm an- geblich folgendes Korps von 25000 Mann aus- schreiben und verlangte brieflich von der Stadt Cassel die Zahlung von 100000 Thalern, im Weigerungsfalle drohte er, alles mit Feuer und Schwert zu verwüsten. Der Schrecken, den er


