überfallen. Das Unternehmen gelang vollständig. Der Kommandant, Oberst Freywald, einge- schlossen und jeder Aussicht auf Entsatz beraubt, ergab sich ohne Widerstand; die Besatzung, 530 Mann, wurde gefangen, 72 Kanonen und 35 Mörser fielen in die Hände der Franzosen. Hauptmann Deterlein dagegen, der Befehls- haber des Schlosses Katz, weigerte sich stand- haft, dem Befehle Freywalds zur Ubergabe
39
nachzukommen:»denn ein Gefangener konne ihm keine Befehle mehr erteilen«. Er verteidigte sich wacker 3 Tage lang und erhielt endlich freien Abzug für sich und seine 30 Mann, da die Franzosen sich in der rauhen Jahreszeit mit der Einschliessung des unbedeutenden Punktes keine Mühe weiter geben wollten. Es war dies die letzte kriegerische Unternehmung des Jahres 1758.
II. Ereignisse der Jahre 1759— 1760.
A.
Vom Beginn des Feldzuges bis zur Wiederbesetzung Cassels durch die Franzosen im Juni 1759.
Während die französische Hauptarmee unter Contades fast ganz auf das linke Rhein- ufer hinübergegangen war, hatte die des Prinzen Soubise ihre Winterquartiere auf dem rechten Ufer dieses Stromes zwischen Lahn und Main hauptsächlich bezogen. Die Vorposten der- selben hatten die Linie von Marburg über Giessen bis Schlüchtern an der Kinzig besetzt. Das Hauptquartier war in Hanau; am 2. Januar 1750 bemächtigte sich Soubise durch List und UÜberrumpelung der freien Reichsstadt Frank- furt und gewann so einen bedeutenden Waffen- platz zum Mittelpunkt seiner Aufstellung, wo- durch dieselbe grössere Stärke und Sicherheit gewann. Er schlug nun hier sein Hauptquartier auf und liess die Werke der Stadt ausbessern und verstärken. Diesem jetzt etwa 25 000 Mann starken französischen Heere, zu dessen Unter- stützung die Sachsen auf dem linken Lahnufer zunächst bereit waren, stand an der Eder nur das kleine Korps des Prinzen von Isenburg (etwa 8000 Mann) gegenüber. Diese Stellung Isenburgs wie das gesamte hessische Land
wurden aber auch noch von Franken und Thüringen her durch Abteilungen der Reichs- armee und österreichische Truppen bedroht. Leicht konnten sich die Franzosen mit deren Unterstützung wieder zu Herren von Hessen und der oberen Weser machen und sich hier den Weg nach Hannover eröoffnen.
Der Herzog dachte daher schon im No- vember 1758 daran, das Soubise’sche Heer noch während des Winters gleichfalls über den Rhein zurückzudrängen; schon im Dezember liess er beträchtliche Vorräte aus Westfalen nach Cassel schaffen und sammelte Truppen in Paderborn und dem Herzogtum Westfalen zu einem Unter- nehmen gegen den Main. Kleinere Streifzüge nach Thüringen und Franken hatten nur ein zeitweiliges Zurückgehen der Osterreicher und
Reichstruppen zur Folge, die nach der Umkehr
jener Streifkorps sofort wieder an den hessischen Grenzen erschienen und sich bis nördlich von Hersfeld ausbreiteten. Ferner liess die Ab- berufung Soubise's nach Paris und seine Ersetzung durch den Duc de Broglie eine gesteigerte Thätigkeit der Franzosen wahrscheinlich er- scheinen. So entschied sich der Herzog Ferdinand, die geplante Unternehmung gegen den Main auch ohne Unterstützung von seiten des Königs, die er vergeblich erbeten hatte, ins Werk zu setzen, solange am Niederrheine


