Bistümer Münster, Paderborn, Osnabrück, in das cölnische Sauerland und die preussischen Grafschaften Mark und Ravensberg, rück- wärts dehnten sich die Quartiere bis zur Weser aus.
Nach dem Abzuge Contades über den Rhein konnte sich Soubise in seiner vorge- schobenen Stellung bei Cassel selbstverständlich nicht mehr halten; der Rückzug bis hinter die Lahn wurde zur Notwendigkeit. Diesem sollte nach den wiederholten Befehlen Belle-Isle's eine gründliche Verwüstung des Landes vorangehen. Während Contades solchen menschenfreundlichen Vorschriften seines Kriegsministers nur sehr unvollständig nachkam, that dies Soubise mit grösserem Eifer. Am 2. November, ganz früh, rückte eine starke Abteilung des Reiterregi- mentes Raugraf in Cassel ein, und je 3— 6 Mann wurden zu etwa 100 der angesehensten Bürger als Executionskommando ins Haus ge- legt. Sie mussten ausgezeichnet verpflegt oder täglich mit 20 Batzen(6 Francs) jeder Mann entschädigt werden. Diese Maasregel wurde über die Stadt verhängt, um die Zahlung des im August auferlegten»Willkommens« von 100 000 Thalern bis zum 6. November zu er- zwingen. Wenn nicht, sollte den mit der Exe- cution Belegten alle bewegliche Habe, den Kaufleuten ihre Vorräte, den Handwerkern ihre Werkzeuge weggenommen und zur Versteige- rung nach Frankfurt gebracht werden. Um solches Schicksal abzuwenden, wurde diese Summe auf die Häuser der Bürger verteilt, so- dass auf jedes Haus 30— 100 Thaler entfielen, welche Auflage am 4. abends verkündet wurde und binnen zweier Tage bezahlt werden musste. Damit waren die Leiden noch nicht erschöpft. Die Gärten um die Stadt wurden verwüstet, eine Anzahl Gebäude in Brand gesteckt und die Dörfer nach Möglichkeit ausfouragiert, um durch die vollständige Entblössung des Landes von Nahrungsmitteln den Verbündeten das Nachrücken unmöglich zu machen. Am 19. räumten die Franzosen die Gegend um Münden,
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am 23. verliessen sie Cassel und zogen sich hinter die Lahn zurück.
Die Hauptmasse der Armee Soubise's nahm Winterquartier von Wertheim an abwärts am Main, bis Speier im Süden sich ausdehnend, während in Oberhessen Marburg, Giessen und Friedberg als äusserste nach Norden vorge- schobene Punkte besetzt blieben. Die Sachsen erhielten ihre Quartiere zwischen Lahn und Rhein bis Vilmar angewiesen.
Isenburgs Vortruppen, hessische Husaren und Jäger, erschienen schon am Nachmittage des 23. November von Münden her vor Cassel, konnten aber in die Unter-Neustadt nicht ein- dringen, da die abziehenden Franzosen die Thore gesperrt und die Thorschlüssel mitge- nommen hatten. Sie mussten daher durch die Fulda setzen, um in die Stadt zu gelangen. Am 24. hielt der Prinz v. Isenburg seinen Einzug in Cassel, und seine Truppen wurden in und bei der Stadt einquartiert; am 30. verlegte er sein Hauptquartier nach Fritzar. Die Bevölke- rung begrüsste die verbündeten Truppen mit Freude, und das vom Feinde so furchtbar aus- gesogene Land brachte noch einige tauseud Wagen Heu, Hafer und andere Vorräte herbei, die man den Späheraugen der Feinde zu ent- ziehen vermocht hatte. Trotz solcher Opfer- willigkeit war es nicht möglich, die 7— 8000 Mann Isenburgs ohne fortwährende Zufuhren aus Hannover zu ernähren.
Landgraf Wilhelm VIII. wollte von Bremen in seine Hauptstadt zurückkehren, und diese bereitete einen feierlichen Empfang vor; aber Kränklichkeit und Alter zwangen ihn, in Rinteln anzuhalten und dort den Winter zu verbringen.
Um die Schiffahrt auf dem Rheine frei zu machen und sich der ungehinderten Verbindung mit Contades Armee am Niederrheine zu ver- sichern, liess Soubise durch den General-Lieute- nant de Castries mit den 2 Regimentern St. Germain und de la Ferronnaye die Stadt St. Goar und die Feste Rheinfels, welche noch in hessischen Händen waren, am 1. Dezember


