befehligt. Obwohl bei der Lage und Beschaffen- heit der Feste diese sich auch gegen eine be- trächtlichere Abteilung hätte halten kônnen, waren selbst die notwendigsten Vorsichtsmass- regeln vernachlässigt; unbemerkt gelangten die französischen Grenadiere an das Thor, drangen, da die Zugbrücke herabgelassen war, ohne weiteres ein, entwaffneten die Wache, ohne Widerstand zu finden, und machten die ganze Besatzung zu Gefangenen. An Beute fielen dem Feinde in die Hände: 18 Kanonen, 2000 Geschützkugeln, 5— 600 Granaten, 44 Fass Pulver, 307 Gewehre mit vieler Munition und 18 Handmühlen.
Herzog Ferdinand v. Braunschweig hatte in seinem Lager bei Münster am 12. die erste Nachricht von Oberg über die Niederlage em- pfangen. Sofort entschloss er sich, alles zu thun, um den Feinden die Früchte ihres Sieges zu entreissen, sowohl ein neues Vordringen Sou- bise's ins Hannôversche zu hemmen, als auch eine durch Obergs Niederlage mõglich gewordene Vereinigung der beiden französischen Heere zu hintertreiben. Er brach am 14. Oktober von Münster auf, wo General Kielmannsegge zur Deckung zurückblieb, ging in 4 Tagemärschen über Telgte und Warendorf nach Lippstadt, über- schritt am 18. die Lippe und nahm Stellung in der rechten Flanke der französischen Hauptarmee bei Soest, von wo der Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand v. Braunschweig den General Chev- reuse mit leichter Mühe vertrieben hatte.
Contades war durch diese schnelle Be- wegung des Herzogs vollständig überrascht worden; er begnügte sich damit, eine Bewegung in der Richtung auf Werl bis in die Stellung bei Wambeln zu machen. Der Herzog hatte seine Absicht erreicht; die Vereinigung der beiden französischen Heere war unmöglich ge- macht, ebenso jede Unternehmung des Feindes gegen das wichtige Lippstadt.
Einen Angriff auf die vorteilhafte und starke Stellung Contades hinter der Ahse erkannte Herzog Ferdinand als unmõöglich; er führte des-
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quartiere jenseits des Stromes bis zur Maas hin
halb sein Heer am 21. in eine neue Stellung zwischen Hovestadt und Ostinghausen, 15 km unterhalb Lippstadt, wo General v. Oberg von Moringen und Holzminden her nach 6 tägigem ununterbrochenen Marsche sich wiederum mit ihm vereinigte. Das Obergsche Korps ward dem Befehle des Erbprinzen v. Braunschweig unterstellt.
Jetzt versuchte Contades, bei dem Chevert am 20. eingetroffen war, sich Münsters zu be- mächtigen, um sich so eines festen Platzes zu versichern, auf den gestützt er im Westfälischen die Winterquartiere beziehen konnte. Doch der Herzog v. Armentières, den er mit dieser Unter- nehmung beauftragte, fand Münster durch den General v. Kielmannsegge gegen einen Uber- fall gesichert und die Wegnahme nur durch Sturm möglich; er kehrte deshalb, obwohl er 17 Bataillone und 26 Schwadronen gegen 3 Bataillone, 4 Schwadronen und ein Freikorps hatte, am 27. gegen Hamm zurück.
Das wichtige Münster gegen jede weitere Bedrohung zu sichern marschierte Herzog Ferdinand am 26. von Hovestadt ab nach der Lipperoder Heide, von wo aus er über Rheda, Warendorf, Telgte das frühere Lager bei Münster wieder erreichte.
Contades gab nunmehr alle Hoffnung auf, sich rechts des Rheines sichere Winterquartiere zu gewinnen; er verzichtete auf alle weiteren Operationen, und den Befehlen Belle-Isle's folgend, der auf Ruhe für die Truppen drang, führte er sein Heer im Laufe der zweiten No- vemberwoche bei Wesel, Düsseldorf und Cöln über den Rhein zurück und bezog die Winter- mit dem Hauptquartiere in Cöln. So war er allerdings durch den mächtigen Strom gegen einen Uberfall, wie ihn Herzog Ferdinand im Februar gegen Clermont so erfolgreich ausge- führt hatte, hinreichend gedeckt. Der Herzog folgte diesem Beispiele, nachdem er den vom Feinde geräumten Landstrich südlich der Lippe besetzt hatte. Sein Heer verlegte er in die


