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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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An Toten und Verwundeten haben die Fran- zosen nach ihrer eigenen Angabe 4o0 600 Mann eingebüsst, dochscheint ihr Verlust beträcht- licher gewesen zu sein; hatte doch die Légion Royale am Vormittage allein 100 200 Mann eingebüsst, und die Verluste der Sachsen werden von diesen selbst als nicht unbedeutend be- zeichnet.

Das franzôsische Heer biwakierte in der dem Kampfe folgenden Nacht zu beiden Seiten der Mündener Strasse in der offenen Ebene zwischen Lutternberg und den nõrdlich davon sich ausdehnenden Waldungen; rechts der Strasse das Korps von Chevert und die Division Fitzjames, links derselben Soubise's Heeres- abteilung, die Brigade Rohan und das Regiment Gensd'armes vor der Front.

Das Verdienst des Sieges gebührt dem General v. Chevert, der die Entscheidung schon herbeigeführt hatte, ehe Soubise sich entschloss, aus der Rolle des Zuschauers herauszutreten. Nichtsdestoweniger erhielt nicht er, sondern Soubise Rossbacher Angedenkens(allerdings ein Prinz und bei Hofe gut angeschrieben) am 19. Oktober den Marschallsstab, Contades aber ein Lob für die dem Prinzen gesendete Hülfe.

G. Freignisse von dem Treffen bei Lutternberg bis zum Ende des Feldzuges von 1758.

Der Eindruck, welchen diese Niederlage Obergs auf das Heer und auf die Bevölkerung Hannovers hervorbrachte, war ein gewaltiger. Als das Heer auf der Ebene bei Gimte sich ein wenig ausgeruht und abgekocht hatte. wunderte sich alles, dass der Feind nicht ver- folgte, und die Hoffnung, dass er nichts Ernst- liches unternehmen würde, wuchs. Doch bald wich diese Hoffnung wieder dem Gefühle der Niederlage und der Ahnung neuer drohender Gefahren, die unabweisbar folgen mussten.

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Finster und bedrohlich erschien die Zukunft des Heeres und des Landes. Niemand zweifelte daran, dass die gesamten Streitkräfte des sieg- reichen Feindes sich von neuem über das Land ergiessen würden.»Welcher Unstern hätte doch die Entschlüsse des Generals geleitet, sich in ein Treffen einzulassen, noch dazu in ein so un- gleiches, unnõtiges Treffen, zu einer so späten Jahreszeit?! Ruhmreich hätte der Feldzug be- endigt werden können; jetzt indes sei alles ver- loren, wenn nicht eine beträchtliche Macht zur Hilfe herbeieilte, wenn nicht der Herzog selbst herankäme!« Letzteres wurde nicht nur fast von jedermann im Heere und im Lande ge- wünscht, sondern auch bestimmt erwartet, als das einzige Mittel, welches das Vordringen der Feinde hemmen köonnte.

Doch diese Befürchtungen, so wohl sie auch begründet waren, erfüllten sich nicht. Erst am Morgen nach dem Treffen übernahmen der General-Lieutenant Marquis de Crillon und der Comte d'Orlick die Verfolgung. In der Frühe rückten sie in Münden ein, wo sie sich der zu rückgelassenen Kranken und Verwundeten im herzoglichen Schlosse und der geringen Vor- räte bemächtigten. Doch gingen sie nicht weiter vor. Oberg brach sein Biwak ab und mar- schierte nach Günthersen, von da am 15. weiter nach Moringen. Hier trennten sich Oberg und Isenburg, und ersterer trat, erhaltenem Befehle des Herzogs Ferdinand gemäss, seinen Rück- marsch zur Hauptarmee an; mit sich nahm er 9 Bataillone und 13 Schwadronen. Am 18. Ok- tober wurde das Fussvolk auf 7 Flössen bei Holzminden über die Weser gesetzt, während die Reiterei zwischen diesem Orte und Stael den Strom durchfuhrtete.

So behielt der Prinz v. Isenburg bei Moringen nur die 7 Bataillone Marschall, Post, Linstow, Canitz, Isenburg, Zastrow(Braun- schweig) und hannversche Füsiliere, zu denen als achtes das hannöversche Bataillon Vreden stiess. An Reiterei blieben ihm 8 Schwadronen (4 Prinz Friedrich Dragoner, 2 hannôversches

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