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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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ein, und dieser unbedeutende Zufall gab das Zeichen zur allgemeinen Verwirrung. Ein pa- nischer Schrecken bemächtigte sich der Reiter, jede Ordnung löste sich auf, und sie warfen sich mit lautem Geschrei auf das den Engweg füllende Fussvolk und Geschütz. Da begann jeder zu laufen, um sich vor dem Freunde wie vor dem Feinde in Sicherheit zu bringen. Die Pferde der Artillerie wurden durch das Ge- tümmel erschreckt, scheuten und warfen die Geschütze und Munitionswagen um; die Fahrer schirrten die Pferde los und jagten davon, so dass hier in dem Engwege eine Anzahl Kanonen verloren gingen, mehr als auf dem Schlacht- felde. Nur ein Theil des Fussvolkes bewahrte seine Standhaftigkeit. Der Oberst-Lieutenant Huth von der hessischen Artillerie(später dänischer Artillerie-General), welcher mit der Gegend bekannt war, sammelte eine Abteilung von 3 4 Bataillonen, darunter das Bataillon Bückeburg, und stellte sich mit ihnen am Ein- gange des Engweges auf. Hier wies er die nachsetzenden feindlichen Abteilungen ab, ging dann, um nicht selbst abgeschnitten zu werden, ein Stück zurück, nahm von neuem Stellung und wiederholte dies mehrere Male. So be- hauptete er die Steinbachschlucht und die Lutternberger Höhe so lange, bis sämtliche Regimenter hinter ihm zur Fulda hinab nach Bonafort abgezogen waren; von hier setzten sie am rechten Ufer des Flusses entlang den Rückzug nach Münden fort. Um 8 Uhr be- gann der Ubergang über die Werra, um 12 hatten auch die letzten Truppen unter Huth das rechte Ufer erreicht. Auf der Ebene bei Gimte blieb das Korps den Rest der Nacht hindurch unter Gewehr stehen. Münden wurde geräumt; alle Kranken und Verwundeten wurden aus dem dortigen Lazarette fortgeschafft bis auf 150 Mann, deren Zustand einen Transport nicht gestattete. Auch ein kleiner Vorrat an Heu und Stroh musste zurückgelassen werden und fiel den Feinden zur Beute, alle sonstigen Kriegsbedürfnisse konnten gerettet werden.

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So endete das thörichter Weise ange- nommene, von vornherein verlorene Treffen, das bei richtig getroffenen und energisch durch- geführten Massregeln des Feindes mit der Ver- nichtung des Obergschen Korps enden musste, noch glimpflich genug. Der Verlust betrug nur 1210 Mann, darunter 43 Offiziere; 576 Mann waren tot oder verwundet, 591 gefangen. Die Franzosen wollen 800 Gefangene gemacht haben, wahrscheinlich sind dabei die auf dem Schlacht- felde zurückgelassenen Verwundeten einge- rechnet. An Geschützen gingen 16 verloren nebst einer beträchtlichen Anzahl von Munitions- wagen; ferner 2 Fahnen und 1 Standarte.(Die Franzosen geben allerdings ihre Siegesbeute auf 28 Geschütze, 25 Fahnen und 3 Standarten an; doch ist dies ebenso übertrieben wie ihre Angabe, dass die Verbündeten 3 4000 Mann verloren hätten. Man sieht, die Franzosen verstanden sich schon damals auf die Abfassung vonSiegesbulletins.) Von hessischen Offizieren waren gefallen: die Hauptleute v. Langen, v. Canitz und Schotten; verwundet waren u. a. Oberst v. Ditfurth, Oberstlieutenant v. Gilsa, Major v. Urff(gefangen) und v. Stein; vermisst (gefangen) die Hauptleute Rose und Sartor, die Lieutenants v. Lengerke, v. Hutten und Poppelbaum, die Fähnriche Koch und v. Mar- quard.

Die Hannoveraner hatten 4 Offiziere tot, darunter Major v. Winzingerode, 12 verwundet, darunter Oberst v. Fersen(gefangen) und Oberst- lieutenant Twachtmann.

Auch ein Offizier der bückeburgischen Artillerie ward getétet. Der braunschweigische Generalmajor v. Zastrow fiel, wie erwähnt, ver- wundet in Gefangenschaft. Seine Verwundungen waren sehr schwer, die Nase und die Lippen waren ihm abgehauen, dazu hatte er noch 67 leichtere Wunden empfangen, so dass er aus- sah, als sei er vom Krebse zerfressen.

Trotz ihrer Niederlage hatten die Ver- bündeten 70 Gefangene mit sich fortgeführt, ja sie wollen auch 2 Standarten erbeutet haben.