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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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gegen den kleinen Staufenberg hin zu sammeln und den weiteren Rückzug in ziemlicher Ord- nung und ohne grossen Verlust zu bewerk- stelligen. Namentlich das Bataillon Oberg zeichnete sich durch feste Haltung aus; ja es gelang diesem sogar, die durch die Flucht von Isenburg und Canitz entstandene Lücke am linken Flügel auszufüllen.

Unterdessen hatten sich die hannõverschen und hessischen Reiter wieder geordnet und stürzten sich auf die in der Ebene gegen Luttern- berg hin immer mehr sich ausbreitenden fran- zösischen Schwadronen. Es gelang ihnen auch, die erste Linie derselben zu werfen, aber gegen die Übermacht waren dauernde Erfolge nicht zu erzielen; sie mussten sich also damit be- gnügen, die linke Flanke des weichenden Fuss- volkes zu decken und den Feind nach Mög- lichkeit aufzuhalten. Dies wurde auch erreicht; bald ging das Fussvolk, bald die Reiterei eine kurze Strecke vor, um dann in guter Ordnung den Rückzug weiter fortzusetzen; und diese immer wiederholten Angriffsstösse verlangsamten das Vordringen des Feindes derart, dass es dem nun nach Münden abziehenden Zentrum und rechten Flügel gelang, unbehelligt die ins Fulda- thal hinabführenden Engwege zu gewinnen und der drohenden Umklammerung zu ent- gehen.

General v. Oberg hatte, als er die Nieder- lage seines linken Flügels und den Verlust des grossen Staufenberges gewahrte, als das feind- liche Geschützfeuer rückwärts schon Luttern- berg erreichte, erkannt, dass er weder das Treffen wiederherstellen konnte denn er hatte keinen Zug, keine Schwadron als Reserve zur Verfügung noch sich in der Front gegen Soubise's Hauptkorps zu behaupten vermochte, obwohl hier der Geschützkampf noch mit Vor- teil geführt wurde, wollte er nicht ganz und gar von Münden abgeschnitten und gänzlich umzingelt werden. Er gab deshalb den Befehl zum Rückzuge. Derselbe wurde sofort an- getreten und in guter Ordnung so schnell aus-

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geführt, dass der nachsetzende Feind ihn nicht zu hindern oder ernstlich zu stören ver- mochte.

Auf die Signalschüsse Cheverts hatte sich die Division Fitzjames in Bewegung gesetzt; sie stieg den Abhang des Breitetriesch herab ins Thal der Wellebach, überschritt dieselbe oberhalb Benterode und nahm die Richtung auf den grossen Staufenberg, um den Angriff der Sachsen auf diese Hôhe zu unterstützen. Doch sie kam nicht mehr zum Gefecht. Von den Er- folgen Cheverts unterrichtet, gab Soubise auch seinem Zentrum und seinem linken Flügel den Befehl zum Vorgehen. So sehr auch alle seine Streitkräfte ihren Marsch beschleunigten, so ver- mochten sie doch nirgends den widerstandslos weichenden Gegner einzuholen; die Waldungen und Gebüsche, welche die Abhänge bedecken, und der sumpfige Grund der Jeckelbach be- reiteten vielfachen Aufenthalt und manches Hindernis. Namentlich die auf dem linken Flügel angehäufte Reiterei mühte sich längere Zeit vergebens ab, diesen Grund zu überschreiten; als sie endlich hinübergelangt war und west- lich von Lutternberg vor dem Stöckerholz auf- marschierte, hatte die Reiterei der Verbündeten schon sich in dieses Holz geworfen, dessen Rand von dem Fussvolke besetzt gehalten wurde. Ungewohnlich rasch folgte dagegen auf der grossen Strasse die von Broglie be- fehligte Artillerie, die gegen den Saum des Ge- hölzes auffuhr und den Rückzug der Ver- bündeten durch Feuer belästigte; auch Chevert, der seine Truppen wieder gesammelt hatte, be- schränkte sich auf Geschützfeuer; nirgends wurde von den Franzosen mit grösseren Kräften der Versuch gemacht, wirklich zu verfolgen. Ein Glück für die Verbündeten!

Bis in den Wald und bis an den Eingang der durch denselben zur Fulda hinabführenden Engwege war der Rückzug in guter Haltung ausgeführt worden. In diesen Engwegen aber drängten sich die Truppen zusammen. Da schlugen zwei Kanonenkugeln in die Reiterei

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