kundigen Uberlegenheit nicht möglich, es hätte denn ein Wunder sich ereignen müssen, und dass ein solches zu Gunsten eines der Kämpfer geschehe, daran glaubte man auch schon damals nicht mehr. Dazu war das verbündete Heer zu dieser Zeit schon fast vollständig um- gangen und konnte keine Bewegung machen, die nicht vom Feinde sofort entdeckt und durch- kreuzt werden konnte. Wurde selbst durch einen glücklichen Angriff der Feind geworfen, so hätte er in dem so durchschnittenen, be- deckten und bergigen Gelände eine Menge Stützpunkte zur Sammlung und zu weiterem Widerstande gefunden; bei dem Mangel an schwerem Geschütz(nur 9 Stück) hätte man ihn nur mit dem Bajonnett von den Höhen ver- treiben müssen, und die so zahlreiche feindliche Artillerie würde die Reihen der Stürmenden schrecklich gelichtet haben, ehe sie nur an die Feinde herangekommen wären.
Bald nach 2 Uhr hatte Chevert seinen Aufmarsch in Schlachtordnung vollendet, zu derselben Zeit, als auch Soubise mit dem seinigen fertig war. Nun konnte der Angriff beginnen. Vier Kanonenschüsse von seiten Cheverts gaben um 2 ¼ Uhr das verabredete Zeichen, und sofort begann von allen Seiten das Geschützfeuer gegen die Stellung der Ver- bündeten. Trotz ihrer gewaltigen Uberlegenheit an Zahl vermochten die Franzosen die Artillerie der Verbündeten nicht niederzukämpfen. Letztere hatte den Vorteil der höheren Stellung. und die Dreipfünder der Hannoveraner, länger und stärker als die der Gegner, schossen selbst auf weite Entfernungen mit ausserordentlicher Treff- sicherheit. Soubise rührte sich indes noch nicht, er wollte erst die Wirkung des Flankenangriffes von Chevert abwarten, obwohl er mit seiner Ubermacht(ohne Fitzjames 15500 Mann gegen 9500) des Erfolges wohl hätte sicher sein können. Schon um 2 Uhr hatte Major Friedrichs von den hannoverschen Jägern an Zastrow die Meldung ergehen lassen, dass der linke Flügel vollständig umgangen wäre, und dass der Feind
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bald ganz im Rücken desselben stehen würde. Diese Erkenntnis scheint namentlich auf die Reiterei einen schlechten Eindruck gemacht zu haben, wie aus dem folgenden ersichtlich sein wird; dieselbe soll in Verwirrung geraten sein, die bis zum Ende nicht aufhörte. Der ganze Flügel machte halblinks, um der Uberflügelung zu entgehen, aber es war nicht mehr moglich. Chevert liess gegen 3 Uhr sein Fussvolk und seine Reiterei zum Angriffe vorgehen. Kaum hatte nun der General v. Zastrow diese Be- wegung wahrgenommen und die gefahrdrohende Angriffsrichtung der feindlichen Linien erkannt, als er, statt dem übermächtigen Stosse aus- zuweichen und den Rückzug nach Münden anzutreten, sich entschied, durch einen ent- schlossenen Gegenstoss den Feind zum Stehen zu bringen und dadurch dem Hauptkorps Obergs den einzigen Rückzugsweg frei zu halten. Auf sein Kommando Marsch! traten 6 Bataillone(mit Ausschluss der hannöverschen Füsiliere auf dem äussersten linken Flügel) unter klingendem Spiel, mit scharf geschultertem Gewehr und festem Tritte, wie auf dem Exerzier- platze, an und gingen dem Feinde entgegen. Die Wucht dieses Angriffes war gross; die erste feindliche Linie(die 15 sächsischen Bataillone) wurde geworfen, viele wurden niedergestossen, und selbst das zweite Treffen geriet in Ver- wirrung. Auch die Bataillone Zastrows kamen in dem ungünstigen Gelände in Unordnung; sie schoben sich nach der Mitte zusammen, und schliesslich zerbrach die Linie; trotzdem rückten sie mit grösster Tapferkeit weiter vor. Dieser anfängliche Erfolg wurde indes bald zunichte gemacht. Unerwartet erschien Cheverts Reiterei, 18 Schwadronen(die man bisher nicht bemerkt hatte), unter dem Befehle des Marquis de Voyer und des Grafen de Bellevort. Sie rückten zuerst langsam im Schritte vor. Da liess Zastrow noch einmal Feuer geben, und der grösste Teil der Linie schoss. Gleich nach dieser Salve setzte sich die französische Keiterei in Trab und warf sich, die gelösten Reihen des


