Den Ostrand dieser Hochfläche begleitet die Steinbach, welche scharf eingeschnitten mit be- trächtlichem Gefälle zur Fulda bei Bonafort hinabfliesst.
Die Stellung, in welcher Oberg den Kampf annehmen wollte, stützte sich mit dem rechten Flügel an die Fulda, lief an dem Abhange der Hôhen vor Lutternberg entlang und lehnte sich links an die stärker bewaldeten Höhen von Sichelstein; die Front war gegen Landwehr- hagen und Benterode gewendet. Die von Oberg aus Westfalen herbeigeführten Truppen bildeten die erste Linie, diejenigen Isenburgs das zweite Treffen. Auch dieser Aufmarsch in Schlacht- ordnung ging fast unbehelligt von den Franzosen von statten. Nur eine Abteilung derselben, welche Landwehrhagen durchschritten hatte, kam den Truppen östlich der Strasse ziemlich nahe und stellte auf der Höhe zwischen Landwehr- hagen und dem Bruchhofe 2 Kanonen auf; diese beschossen die Bataillone Erbprinz von Hessen und Zastrow(Braunschweiger), welche einige Tote verloren; doch wurde der Sache keine Bedeutung beigemessen. Die kleine An- höhe zwischen dem Momberge und dem Bruch- hofe ward mit einigen Geschützen besetzt, welche die des Feindes rasch zum Schweigen brachten. So war es etwa 11 Uhr geworden.
Wenden wir uns nun zu dem Gegner. Nachdem man im feindlichen Lager am 9. abends den Angriff auf den folgenden Tag fest- gesetzt und die oben erwähnten Vorbereitungen noch in den ersten Nachtstunden getroffen hatte, begann man bald nach Mitternacht mit der Ausführung. Trotz der bedeutenden Uberlegen- heit, über die Soubise verfügte, ging er doch mit der grössten Behutsamkeit zu Werke. Die in Aussicht genommene Umgehung des linken Flügels der Verbündeten übertrug er dem Ge- nerale Chevert; er selbst behielt sich die Leitung der Bewegungen gegen die Front des Feindes vor. Jener hatte nach Lage der Dinge den Hauptangriff zu thun, ihm fiel die Entscheidung zu, während der Oberbefehlshaber selbst die
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Scheinbewegung und den Nebenangriff aus- führte. Wollte Soubise nun einen möglichst entscheidenden und vollständigen Sieg erfechten, wollte er, was er mit seiner Ubermacht konnte, einen vernichtenden Schlag führen, so musste er die Abteilung Cheverts so stark wie môg- lich machen; statt dessen überwies er diesem nur 3 Freikorps unt. Chabot u. Fischer= 2400 Mann
15 Bataillone Sachsen zu 600 M.= 90000 4„ Pfälzer zu 600 M.= 2400 6„ Franzosen zu 400 M.= 2400» 18 Schwadronen Keiterei= 1800
zusammen= 18000 Mann
mit 24 schweren Geschützen des sächsischen Korps(die Bataillonsgeschütze ungerechnet), eine Streitmacht, welche allein schon so stark wie die Gesamtkraft der Verbündeten.
war
Sich selbst aber behielt Soubise
42 Bataill. Franzosen zu 400 M.= 16800 Mann 9„ Württemb. zu 800 M.= 7200
45 Schwadronen KReiterei= 4500
zusammen= 28500 Mann;
(die Zahl der schweren Geschütze ist unbekannt). Die Abteilung des Obersten de Castries auf dem linken Fuldaufer zählte ausser einer Schar Freiwilliger 2 Bataillone 800 Mann und I Schwadron 100 Mann mit 4 schweren Ge- schützen. Im ganzen verfügte demnach am 10. Oktober Soubise über 3 Freikorps, 78 Batail- lone, 64 Schwadronen oder 41000 Mann Fuss- volk, 6400 Reiter und eine zahlreiche Artillerie.
Aus der von ihm vorgenommenen Teilung der Kräfte erkennt man unschwer sein Bestreben, sich selbst unter keinen Umständen auch nur der geringsten Möglichkeit eines Unfalles aus- zusetzen; unbedenklich hätte er sich um 10 bis. 12000 Mann schwächen und diese Chevert zu der entscheidenden Umgehung zuweisen können, sodass dieser noch viel weiter ausgreifen, seinen Angriff noch nachdrücklicher durchführen und ganz andere Erfolge hätte erzielen können. Doch auch so stand der Ausgang des Kampfes von vorn herein fest, der Sieg konnte nur dann


