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[2.] (1896) I. Die Kämpfe an der Mündener Strasse im Jahre 1758 (Schluss). II. Die Ereignisse der Jahre 1759 und 1760
Entstehung
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da derselbe vom Forste her einen Geiteren Weg zurückzulegen und die nämlichen Schwierig- keiten des Geländes zu überwinden hatte; bis zum Nlittage hätte er hinter der Werra in Sicherheit sein können, und der Feind hätte einen Luftstoss gemacht. Allein sein anfäng- licher Entschluss, zu schlagen, war noch nicht vergessen, verstärkte sich vielmehr wieder durch folgende Erwägungen. Er fragte sich. was das Land von ihm erwartete, ob die verpfändete Ehre einen kampflosen Rückzug gestattete, was zu alledem Herzog Ferdinand sagen würde? So entschloss er sich wieder, das Treffen anzu- nehmen, beriet sich aber mit seinen Unterführern über die zu ergreifenden Massregeln. Da war der arme alte Mann(wie ihn ein Augenzeuge nennt) in beklagenswerter Verlegenheit. So viele Gene- rale und Offiziere er anhörte oder befragte, so viele verschiedene Meinungen und Ratschläge bekam er zu hören. Namentlich die Reiteroffi- ziere verlangten den Kampf, ohne indes angeben zu können, wie man sich schlagen solle;»und sie würden sehr betroffen gewesen sein, wenn man sie mit der Oberleitung betraut hätte«. Die anderen rieten dies und jenes, schwatzten un- gereimtes Zeug, und das Ende der Beratungen war, dass keiner wusste, was eigentlich gethan werden sollte, dass wohl Massregeln vorge schlagen, aber nicht mit Eifer und Umsicht ausgeführt wurden. So liess man, schwebend zwischen Furcht und unbestimmten Hoffnungen, die Ereignisse an sich herankommen und schlug eine Verlegenheitsschlacht.

Die Soldaten waren wohl beunruhigt über

das sichtliche Schwanken in den Entschlüssen

der Heeresleitung, ermüdet und erschöpft von dem Hin- und Hermarschieren, besonders bei dem heftigen Sturm und Regenwetter, erstarrt von der empfindlichen Kälte der Nacht; aber sie waren doch nicht ohne guten Willen, und besonders das Fussvolk noch so von dem Be- wusstsein seiner Uberlegenheit erfüllt, dass die Leute sich mit dem Feinde zu messen wünsch-

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ten und nicht an dem Siege zweifelten, wofern es nur gleich zum Handgemenge käme.

Das Gelände, auf welchem Oberg sich zu schlagen gedachte, hat etwa folgende Beschaffen- heit. Lutternberg liegt auf den letzten Aus- läufern des Kaufunger Waldes, der mit seinen südlichen Abhängen das Casseler Becken um- schliesst, westlich aber zur Fulda abfällt, die auf der anderen Seite vom Reinhardtswalde begleitet wird. Zwischen beiden fliesst sie mit bedeutenden Krümmungen, von hohen, steilen, oft schroffen Thalrändern eingeengt, der Werra bei Münden zu. In die Abhänge dieses Hôhen- zuges schneiden eine Anzahl tiefer Gründe ein, welche zwar nur von wenig bedeutenden Wasser- läufen durchströmt werden, aber durch ihre steilen und steinigen Ufer und ihre bewaldeten Thalränder den Truppenbewegungen grosse Hindernisse bereiten. Von dem bedeutendsten Einschnitte, dem Niestethale, steigen Neben- gründe über Benterode nach dem Bruchhofe(die Wellebach), sowie nach Sichelstein(die Schwein- bach) empor, denen auf der anderen Seite der hannôverschen Strasse der tiefe Einschnitt der gegenüber Wahnhausen mündenden Jeckelbach entspricht, welcher die Höhen bei Landwehr- hagen von denen bei Lutternberg scheidet.

Auch finden sich hier, wie mehrfach im hessischen Berglande, isolierte Kegelberge vulkanischer Natur: der grosse und kleine Staufenberg, ersterer 426 m, letzterer 365 m hoch, die am weitesten nach Westen vor- geschobenen des Kaufunger Waldes. Am westlichen Fusse des kleinen Staufenberges liegt in 329 m Meereshöhe das Dorf Luttern- berg in der Mitte einer nach allen Seiten sich senkenden Hochfläche, deren westlicher und nördlicher Steilabfall unmittelbar an die Fulda herantrtitt, während der südliche stark ab- geböscht zu dem damals sumpfigen Thale der Jeckelbach abfällt, welches den an die Fulda herantretenden Jeckelsberg von dem bei Land- wehrhagen sich erhebenden Hopfenberge trennt.

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