und ochne Rückzugslinie mit der Vernichtung bedroht worden. Zum Glück für dieselben wurde dieser Rat Chabots verworfen, indessen der Angriff auf den folgenden Tag festgesetzt und eine Umgehung des linken Flügels mit gleich- zeitigem Angriff auf die Front in Aussicht genommen.
Der Marquis de Voyer mit dem Vortrab Cheverts erhielt noch am Abende den Befehl, den Mühlenberg und das Dorf Dahlheim zu besetzen. Noch in der Nacht wurde er durch 4 Bataillone Pfälzer und die KReiterbrigade Dauphin(6 Schwadronen) verstärkt, welchen bald noch 3 Bataillone Sachsen mit 8 Geschützen folgten. So versicherte man sich des UÜberganges über die Nieste. Auf das linke Ufer der Fulda entsandte Soubise über Cassel den Obersten de Castries mit einer Abteilung Freiwilliger von der Armee, dem Regimente St. Germain und einer Schwadron Volontaires d'Alsace; dieser liess auf dem Quelberge unterhalb Wolfsanger eine Batterie von 4 Zwölfpfündern errichten, welche die Stel- lung der Hannoveraner und Hessen auf dem Sandershäuser Berge in die Flanke nehmen sollte.
Oberg indes schwankte beständig un- schlüssig hin und her. Am Abende, nach Ein- bruch der Dunkelheit, gab er Befehl, die Re- gimenter sollten dort, wo sie den Tag über gestanden hatten, Feldwachen aussetzen, Feuer anzünden und dann in das alte Lager auf der Nordseite des Sandershäuser Berges zu- rückgehen. Er hatte die Absicht, um 10 Uhr nach Münden abzuziehen und sich hinter der Werra in Sicherheit zu bringen; die Feldwachen und Lagerfeuer sollten den Abzug verschleiern. Dadurch hätte er sich nicht nur dem ungleichen Kampfe entzogen, sondern auch am sichersten das Kurfürstentum Hannover vor einem neuen feindlichen Einfalle bewahrt. Nach dem sicher in Aussicht stehenden baldigen Abmarsche Che- verts hätte Soubise allein keine nachdrückliche Verfolgung gewagt, und zudem war die un- günstige Jahreszeit, welche weit ausgreifende
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Truppenbewegungen überhaupt zur Unmöglich- keit machte, vor der Thür. Doch wiederum wechselte er seinen Entschluss. Noch waren die Regimenter nicht in das alte Lager ein- gerückt, da erhielten sie plötzlich Gegenbefehl: sie mussten in die vorige Stellung auf dem Schlachtfelde zurückkehren, ihre Zelte herbei- holen und eine Art von neuem Lager aufschlagen, weil es ausserordentlich stark regnete. Alles deutete auf erneutes Standhalten. Wenige Stunden später hatte Oberg seine Ansicht abermals ge- ändert; um 1 ½ Uhr nachts befahl er den Ab- marsch, den die Nachhut um 3 Uhr morgens antrat..
Die einzige Strasse, welche zur Verfü- gung stand, war die alte hannõversche Strasse über Landwehrhagen und Lutternberg nach Münden. Sie führt durch mehrere Engwege und hat starke Steigungen und Senkungen; vom Sandershäuser Berge, 231 m, zum Zollhause (1,25 km) 284 m, von da zum Hohenschleifen- graben(1,40 km) 245 m, Landwehrhagen(1 km) 300 m, am Momberg(1,3 km) 283 m, Luttern- berg(1,5 km) 341 m Höhe; zudem war sie durch den Tross und das Fuhrwerk veérstopft, ein Beweis, wie wenig man vorher an den Rückzug gedacht hatte, und wie mangelhaft er vorbereitet war. Dazu das Dunkel der Nacht, der Sturm und der Regen— da ist es erklärlich, wenn die Truppen zu dem kaum 1 Meile(b6,5 km) langen Marsche 5 bis 6 Stunden gebrauchten und die Nachhut erst gegen 8 Uhr bei Luttern- berg eintraf. Ein Glück noch, dass der Feind sich ruhig verhielt und nicht nachdrängte; nur dieſauf dem Quelberge errichtete Zwölfpfünder- Batterie gab bei Tagesanbruch auf das schlie- ſsende braunschweigische Bataillon Zastrow ein Dutzend Kanonenschüsse ab, die indes gar keinen Schaden thaten.
Auf der Lutternberger Hohe angelangt, liess Oberg seine Truppen ein vorher abgestecktes Lager hinter dem Dorfe beziehen, statt nach Münden weiter zu gehen, was er ohne jede Be- lästigung von Seiten des Feindes thun konnte,


