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Ztens Bei einem Dichter, nebst allem, was auch bei einem Redner zu bemerken ist, noch ins- besondere auf die eigene Art der poetischen Malerei, auf die Poesie, des Styls, auf die der Dichtkunst vorzüglich eigenen Figuren und Wendungen, auf das Musikalische der poetischen Periode und der Versification. 4tens Bei einem Phylosophen(wie Cicero und Seneca) auf die Richtigkeit der Beobachfungen; Schlüsse und Beweise, auch die Stärke und das Anpassende des Ausdruckes; auf die genaue Verbindung und Folgen der Gedanken etc. etc. Uberhaupt bei jedem klassischen Author, vom ersten Range, auf die Beschaffenheit seiner eigenen Denkungsart und Karakters z. B. bei einem Xenophon auf die sokratische lronie; bei einem Horaz auf den feinen Witz, und die scherzhaft phylosophische Laune; bei einem Taci- tus auf die Gedankenschwere Schreibart, wo oft ein ganzes Gemälde oder ein Karakter mit einem Worte vollendet wird. Wird nun diese Aufmerksamkeit auch zugleich mit dem Geiste der Kritik begleitet: so können selbst Fehler und Mängel grosser Schriftsteller nicht minder als ihre Schönheit und Vortrefflichkeit zu phylosophischen Lehrstücken dienen.— Die Zeichnung der Karaktere bei Lesung der Geschichtschreiber nebst den dabei vorkommenden Maximen und Erwägungen, welche alle nach den Grundtrieben der menschlichen Natur erkläret, und bis auf ihre eigentliche Entstehung zergliedert werden müssen, dienet Jünglingen, welche das geometrische Kenntnis schon an richtige Schlüsse gewönt hat, ohne Zweifel zu einer praktischen Logik.— Bei Lesung der Redner kann die Aufmerksamkeit auf ihre Kunst- griffe zur Fesslung des menschlichen Verstandes und Herzens, und bei Lesung der Dichter die Betrachtung des Kunstwerkes der Rürung von nicht geringerer Wirksamkeit seyn. In Betracht der Lesung der Weltweisen versteht sich die Sache von selbsten. Es scheinet überflüssig, umständlicher zu beweisen, wie viel Stoff und Gelegenheit ein phylosophischer Lehrer hier findet seinen Schülern, noch ehe sie die Theorie kennen, eine praklische Weltweis- einzuflössen.
§ 217. Übrigens sind die Beweggründe, aus welchen, nach dieser Methode, die Rede- und Dichtkunst die letzte Stelle unter den Lehren der Mittelschulen bekommen, selbst in der Natur der Sache begründet, und bereits schon oben bemerket worden. Es wird nemlich für beide schon ein sehr guter Vorgeschmack von Richtigkeit im Denken und phylosophischen Grund- sätzen erfodert. Es war daher immer ein sehr lächerliches Vorurtheil, 13 bis 14jährige Redner und Dichter bilden zu wollen, welche nicht einmal die Sprache zum vierten Theile besitzen, in der sie Horazen und Giceronen seyn sollten, von einiger Ordnung und Richtigkeit der Vernunftschlüsse aber gar nichts verstanden, Nun sind aber die Schüler dieser also ver- besserten Mittelschulen schon zu grösserer Fertigkeit in der Sprachkunde gebracht, mit zu- nehmenden Jahren in den matematischen Wissenschaften immer mehr und mehr geübet, und durch die obige Art(§ 216) die Schriftster zu studieren in den Stand gesetzet worden, sich in den Kenntnissen der Phylosophie des Geschmackes, hoher zu schwingen.
§ 218. Zum Lehrbeschlusse der Mittelschulen kömmt ein kurzer Begriff von dem ganzen ebereicht Umfange der Gelehrtheit, und besonders der gelehrten Geschichte. Es ist höchst nöthig, uber die dass junge Leute, ehe sie die hohen Schulen besuchen, die Verwandschaft der Wissen- Geamtheſt der schaften, deren Ordnung, Zusammenhang, und dienliche Hilfsmittel kennen lernen. Ein solcher sahatten. Begriff ist gleichsam die Landcharte des ganzen Reiches der Wissenschaften, und die Richt- schnur der künftigen Übungen in der Gelehrtheit. Sulzers und Sockenbergs kurze Schriften, nebst den allgemeinen Encyklopädischen Tabellen, können dazu am besten
dienen.. 3 4 Ueberblick § 219. Nun ist aber der Entwurf aller, einer Schuljugend fasslichen, Wissenschaften uber die
zu der Höhe gekommen, von der man solche überhaupt, und alle Theile im Einzelnen, über- Maternsohee,
Mittelschulen.


