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liche der Rede überhaupt bestehet, wie ein Gedanke durch die Verbindung der Begriffe und durch die Stärke des Nachdruckes schön werde; worinn die verschiedenen Arten des Vor- trages in Ansehung der Schreibart sowohl, als des Inhaltes bestehen; wozu sich jene besonders schicke, und wie dieser entweder erzälend, beweisend, überredend, oder rürend sey. Wer gut reden oder schreiben will, der muss nothwendig richtig denken, und einen guten Geschmachk haben; mithin setzt ein ächter Unterricht zur Beredsamkeit schon einen zimlichen Grad jener Eigenschaften voraus. die zur Vollkommenheit eines Menschen gehören. In dieses Gefach schlägt nun alles ein, was zu einer Rede, derselben Theile, Perioden, Figuren, niedrige, mittlere, und erhabene Schreibart, zum Vortrage einer Lobrede, Statsrede, geistlichen Rede, zur Beredsamkeit eines Gesandten, Rathes, Sachwalters, Beamten etc. etc. und insbe- sondere zur Aktion oder Geberdung eines jeden Redners, erfoderlich ist.— Eine der besten Anleitungen, in neueren Zeiten, hat Batteux und dessen vortrefflicher Ubersetzer, Rammler, der gelehrten Welt mitgetheilet, nach welchem Muster(wenn anders die ramm- lerische Ubersetzung hiezu nicht schon bequem genug seyn sollte) mit leichter Mühe ein Lehr- buch und zwar in deutscher Sprache für die Schulen verfasst werdeu kann. Kommen noch Beispiele ans mehreren Sprachen hinzu: so wird diese Lehre zugleich überzeugend und in der Anwendung praktisch erwiesen.
§ 215. Die Dichtkunst ist ein höher Grad der Redekunst, und derselben Theorie fängt dort an, wo die Lehren der Redekunst aufhören. Sie trachtet nach einem höheren Grade der Annehmlichkeit, und belebet ihren Vortrag durch gut erfundene Erdichtungen und sinnliche Vorstellungen. Sie bedienet sich dabei aller rednerischen Hilfsmittel, um das Gemüt und die Sinne durch die Rede einzunehnen. Die Dichtkunst strebet nach der genauesten Harmonie der Rede; sie ordnet aus der Folge der Silben die Klangfüsse, aus diesen die Versarten, und end- lich harmonische Perioden und Stropfen. Dieses ist der mechanische Theil der Dichtkunst, oder die Prosodie. Hierauf zeigt ihre Lehre, worinn eigentlich die poetische Schreibart bestehe, und was die verschiedenen Arten der Gedichte, als Oden, Elegien, Hymnen, die Fabel, die Erzählung etc. etc. seyen; ferner die dramatischen Stücke der Schaubüne, und deren Reglen. — Rammlers Lehrbuch ist hier abermal die sicherste Richtschnur, nach welcher jeder Lehrer mit Nutzen und Vergnügen seine Schüler bearbeiten kann.
§ 216. Worinn nun die oben erwänte Art mit den Schülern, bei der Lehre der schönen Wissenschaften, zu phylosophieren, bestehe erhellet schon, zum Theile, aus dem, was gesagt ist. Noch sind aber hierüber einige besondere, höchstwichtige Anmerkungen in Erwägung zu bringen. Da mit den schönen Wissenschaften diesem Schulstudium gleichsam die Krone aufgesetzt wird: so wird es sich wohl der Mühe belohnen, die in Absicht auf Erlernung der Sprachen, durchgelesenen lateinischen klassischen Schriftsteller gegenwärtig noch einmal, mit Beiziehung einiger der besten deutschen und französischen vor die Augen zu nehmen, und sie nun auch in Absichtauf die Gründlichkeitder Gedanken, Richtigkeit der Urtheile, und Stärke der Vernunftschlüsse, nebst einer be- sonderen Aufmerksamkeit auf die Schönheiten des Geschmackes, mit genauestem Bedachte zu durchgehen; und zwar 1tens Bei jedem Geschichtschreiber auf die Schreib- art seiner Erzälung; auf das unterscheidende des schönen historischen Styls, auf die Zeichnug der Karaktere(worinn der Catilina des Sallustius zu einem würdigen Beispiele dienet) auf die Gemälde, die eingestreuten Maximen und Reflexionen. 2tens Bei einem Redner auf den Scharfsinn der Erfindung, auf die aufgewandten Kunstgriffe, zu überzeugen, zu bereden, zu rüren, und auf deren Grund in der Natur des menschlichen Verstandes und Herzens etc.


