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§ 197. In diesem, und zwar in diesem, ihr eigentlich zukommenden, Betracht untersucht also die Phylosophie die Natur der Organisation des Menschen, seiner animalischen Okonomie, seiner Sinne, und inneren Empfindungsvermögen, seines Gedächtnisses, seiner Ver- nuntt, seines Instinktes, seiner Bedürfnisse, Neigungen und Leidenschaften. Sie untersucht ferner die Wirkungen und Einflüsse der Dinge ausser dem Menschen— in Absicht auf dessen Er- haltung und Gesundheit, aut dessen Vergnügen und Glückseligkeit. Sie bestimmet, was für den Menschen gut und böse ist, untersucht und prüft den relativen Wert der Dinge etc.
§ 198. Da nun zu allen diesen, den Menschen, oder, deutlicher zu reden, das allge- meine Beste der ganzen menschlichen Gattung so nahe angehenden Untersuchungen ein von falschen Begriffen und Irrtümern ganz befreiter Geist unumgänglich erfo dert wird, so ist das erste und wichtigste Geschäft der Phylosophie, den Menschen zu unterrichten, wie er sich der Empfindung und Vernunft, als seiner natürlichen Instrumente, zu dem ächten Erkenntnis und der gesellschaftlichen Glückseligkeit zu gelangen, recht bedienen müsse. Wo sie ihn dann lehret, die Quellen irriger Begriffe aufzudecken, und insbesondere die Begriffe und Vorstellungen der Menschen von den allgemeinen Eigenschaften und Beziehungen der Dinge, und überhaupt von allen metaphysischen und moralischen Dingen zu erforschen und in ihre einfachsten Theile aufzulösen.
§ 199. Von dieser Phylosophie ist nun die Frage, ob sie in den Mittelschulen gelehret werden soll, oder vielmehr, ob sie, in Ansehung der Jugend des Schülers, mit er- wünschter Wirkung gelehret werden könne? Die Betrachtung der Natur macht es im höchsten Grade bedenklich, und gestattet der Phylosophie in den Mittelschulen keinen Platz, sondern weiset ihr diesen bei akademischen Lehrern an.
§ 200. Indessen ist es aber erfoderlich, dass die schönen Wissenschaften in den Mitttel- schulen getrieben werden, und eben ist schon angezeigt worden, dass sie ohne den Geist der Phylosophie nicht wohl bestehen können, welches dann wirklich sich also verhält.
§ 201. Zu dieser Entscheidung ist also nicht anderes übrig, als nach obiger Bemerkung die Mittelstrasse einzuschlagen, und entweder eine Phylosophie zu lehren, die ohne falsch zu seyn, dennoch von einer solchen Jugend, welche die Mittelschulen besucht, begriffen werden, und den schönen Wissenschaften zum Grunde dienen kann, oder in diesen Schulen gar keine eigentliche Phylosophie zu lehren, sondern, mit Gelegenheit einer ver- besserten Art, die schönen Wissenschaften der Jugend beizubringen, immer in solchem Masse mit ihr zu phylosophien, als sie im unmittelbarn Bezuge auf dieschönen Wissen-— schaften, nothwendig hat. Hiedurch wird sie nicht desto weniger, für das akademische Studium der Phylosophie, eine solche Vorbereitung erhalten, dass sie es vielleicht nachhin in einem Jahre, bei ununterbrochenem Fleisse, in seinem ganzen Umfange der Vernunft und und dem Herzen eindrücken kann.
§ 202. Eine Physolophie, nach den Verfassungskräften der Mittelschüler, müsste in kurzen, und, so viel möglich, deutlichen Auszügen aus den starken Bänden unserer besten Schulweisen, und also in einer kleinen Dinglehre, Seelenlehre, Weltlehre und Geisterlehre bestehen. Allein wer wird nicht mit Grunde besorgen, dass Gefahr dabei herrsche, die Jugend(und vielleicht noch viel mehr derselben Eltern) möchten sich einbilden. keiner weiteren Belehrung der Weltweisheit mehr nötig zu haben. und also des akademischen Unterrichtes, der doch die Sache erst aus dem Grunde erschöpfen soll, entbehren zu können?
§ 203. Die Erlernung solcher Stückwerke von Phylosophie, ohne sie mit vollstän diger Anwendung durchwandert zu haben, ist vielleicht die Ursache, dass kein Namen einer Wissen-


