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3 (1899) Von den Mittelschulen
Entstehung
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je weitläufiger sich bekanntlich der mechanische Gebrauch des Wassers, und die Gewalt dieses Elementes, erstreckt; und endlich d) die Aurometrie, oder die Kunst, die Luft zu messen. Hier kommen die Experimente mit der Luftpumpe und den Wettergläsern etc. vor, welch alles zu wissen jedem Menschen nützlich und nothwendig ist.

§ 189. Die Lehrweise verhält sich bei der Mathematik nicht anders als bei den meisten anderen Wissenschaften. Man fange alsobald mit den praktischen UÜbungen an, und belehre die Sinne, um den Verstand zu unterrichten. Die Ausübung dieser Wissenschaften füret so viel Angenehmes mit sich, dass eher zu besorgen ist, der Schüler werde sich zu viel, als zu wenig, damit beschäftigen. Jeder Krahnen, jede Müle, ein jedes Uhrwerk, die gemeinsten Flaschenzüge, das Steuerruder eines Schiffes, alle Wasserkünste, besonders die Springwasser, und hundert dergleichen Dinge mehr, geben Gelegenheit genug, die Schüler durch ihre eigenen Augen zu belehren. Eine Luftpumpe, und einige wenige Instrumente anderer Art, sind hin- reichend, um Beispiele zu geben und Versuche anzustellen. Das Schwere der Mechanik, oder die Theorie von der Bewegung überhaupt, welches unter dem Namen Dynamik bekannt ist, wird bis zuletzt versparet. Wolfens Anfangsgründe sind in diesen Theilen der mathematischen Wissenschaften abermal anzupreisen.

§ 190. Da, nebst der Bewegung, das Licht eine der Naturerscheinungen ist, welche zu vielerlei Ausmessungen und Berechnungen Gelegenheit gab: so sind hieraus die optischen Wissenschaften entstanden, die das Licht betrachten, wie entweder seine Strahlen durch- sichtige Körper, als Glas, Wasser, Luft etc. durchdringen, oder von glattgeschliffenen Körpern, die man Spiegel nennet, zurückprallen. Dahin gehöret also das Kenntniss aller Gläser, insbe- sondere der Brillen, Perspektiven, Brenngläsern etc. Diese Wissenschaft ist ebenso reizend, als die vorigen, und die Methode sie zu lehren, mit jenen die gleiche.

§ 191. Weit wichtiger, schwerer, und weitläufiger ist die Astronomie, welche zugleich mit Recht die älteste aller höheren Wissenschaften genannt werden kann. Sie hat einen vielfältigen Nutzen, dadurch sie Zeit und Jahre berechnet, die Lage der Länder be- stimmet, und die Schifffahrt von einem Welttheile zum anderen geleitet wird. Sie zeiget den Lauf der Gestirne, die Finsternisse, das ab- und zunehmen des Mondes, die Entfernung der Gestirne von der Erde, u. a. m. Es ist nothwendig, dass jeder Schüler darinn einen wesentlichen Unterricht erhalte, und die Lehrart wird ungemein erleichtert, wenn man sich dabei einiger Sehrohre bedienet. UÜbrigens hat es nicht das Absehen, dass man sich hier allzutief einlassen solle. Dieses bleibt den künftigen Jahren vorbehalten, wenn sich etwa einer mit besonderem Fleisse der Sternkunde ergeben, und sie zu seiner Hauptwissenschaft machen wollte.

§ 192. Es schliesset endlich die Baukunst die Reihe der mathematischen Wissen- schaften. Sie ist entweder die bürgerliche oder Kriegsbaukunst. Sie lehret wie in allen Arten der Gebäude, zu was fúr immer einem Gebrauche sie aufgeführt werden, die Schönheit mit der Festigkeit und Bequemlichkeit zu verbinden sey. In der- That tragen auch bequeme, feste und schöne Gebäude zu den menschlichen Unentbehrlichkeiten- sehr vieles bei. Die Baukunst lehret also, was die Ordnung, die Verhältnisse, die Symetrie und andern Eigenschaften eines Gebäudes seyen. Ferner, was überhaupt zur- Ausfürung eines Gebäudes erfodert werde. Dahin gehören z. B. die Reglen, das Bauholz zu fällen, zu trocknen, zu beschlagen, die Steine zu brechen, Backsteine zu machen, Kalch zu brennen, die Lehren von den Stützen eines Gebäudes, oder von der Säulenordnung, die Bogenstellung, die Haupttheile des Gebäudes, als der Grund. die Mauer, und das Dach, die Fenster, Thüren, Gewölben, Kamine, Treppen. Aus der Kriegsbaukunst: die Wälle,