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das itzige Reichsoberhaupt, zum Grunde gelegt, womit die Geschichte des deutschen- Vaterlandes ohnehin wesentlich verbunden ist.
§ 181. Bei der Abhandlung der Geschichte ist das Kenntnis der Altertümer ja nicht ausser Augen zu setzen. Es ist nicht nur jedem Gelehrten, sondern auch allen, welche die schönen Geister unter den alten verstehen, oder von dem Werke der Kunst urtheilen wollen, unumgäaglich vonnöthen. Den Hauptzweck muss das Nachahmungswürdige der Gesetze. der Sitten der Künste und Wissenschaften ausmachen. Dazu würde ein kleines Kabinet von Nachahmungen und Bildern, deren Beschauung dieses Erkenntnis erleichtert und angenehm macht; desgleichen Münzen, wenn es auch nur in Kupfer gestochene Sammelungen, oder endlich nur Abdrücke in Gips sind, trefflich dienen. Als ein Sistem kann übrigens die Einleitung des Moldenhawers gebraucht werden. Ein allgemeines Kenntnis der Wappenkunst soll die Geschichts- lehre begleiten, und als ein Bild den übrigen Tabellen, beigerückt werden.
§ 182. Wenn aber irgendwo eine fleissige Wiederholung dessen, was schon gelehret werden, erfoderlich ist: so ist es bei der Geschichtskunde. Doch muss man nach obiger Er- innerung, immer bedacht seyn, dass der chronologische und genealogische Gedächtniszwang ja nicht übertrieben werden darf. Es ist genug, wenn der Schüler die Zeitabschnitte oder Epochen sich tief eingepräget, und sich zu erinnern weis, in welcher Gegend eines Jahrhunderts dieser oder jener Regent gelebet habe. Bei der neueren Geschichte der drey oder vier letzten Jahrhunderte ist es nothwendiger, gewisse Hauptjahre z. B. der goldenen Bulle, der entstandenen Religonsirrungen, des Land- und westfälischen Friedens etc. zu be- merken und solche wohl zu behalten. Hierinn bestehet also das Wesentliche, so bei der Ge- schichte, als dem vorzüglichen Theile der Jugendlehre anzufüren war. Die Bücher der fran- zosischen Geschichtschreiber Bossuet und Rollin geben die Sammlung ab, deren sich ein Lehrer bedienen kann, um ein tüchtiges Schulbuch zu verfassen. und solches mit den Be- trachtungen anderer scharfsinnigen Schriftsteller zu beleben.
7. Mathematik§ 183. Die Mathematik beginnt nun, in ihrem ganzen Umfange, ein unerschöpfliches a) reine Licht auf alle Theile menschlicher Wissenschaften auszugiessen. Nicht nur der grosse Einfluss, welchen sie in die täglichen Vorfälle des Lebens hat, sondern auch die Richtigkeit im Denken, welche ihr Werk ist, erfodern, dass sie mit den Schülern, welche sich den Studien widmen, ausführlich und sistematisch abgehandelt, und darum gleich bei deren Eintritt in die lateinische Schule angefangen werde. Da diese Jugend bei der Lehre in der Realschule ein allge- meines Kenntnis verschiedener in die Mathematik einschlagender Wissenschaften bereits em- pfangen hat: so wird sie vermögend seyn, den Zusammenhang des Lehrgebäudes um so leichter zu fassen und zu behalten. § 184. Die Mathematik beschäftigt sich nun bekanntlich überhaupt mit Aus- messung der Grössen aller Dinge. Deren Theile sind a) die Rechenkunst durch Ziffern und durch unbestimmte Zeichen, oder die Algebra, b) die geometrie oder die Aus- messung der Grössen in der Ausdehnung, c) die Mechanik, oder die Theorie der Bewegung, d) die Optik, oder die Lehre von der Natur des Lichtes, e) die Astronomie, oder Sternkunde, f) die Baukunst. § 185. Die Rechenkunst ist das Alphabet der ganzen Mathematik, weil immer das deutliche Erkenntnis einer jeden Grösse zuletzt auf Zahlen ankömmt. Die Noth- wendigkeit, in derselben erfahren zu seyn ist jedem bekannt. Die Schüler werden also ferner nicht nur in den ihnen schon bekannten 5 Species geübet, sondern auch gelehret, Brüche aufzulösen, aufzuheben, zu addieren, zu theilen, zu multiplizieren etc. Die Quadrat-


