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in das Grosse gehabt, e) deren Tugenden, Thorheiten, und Laster, f) die hieraus in dem ge- meinen Wesen entstandenen Folgen und Abänderungen, g) erklärt die Plätze, wo sich alle dieses zugetragen, nicht nur mit den Kohlerischen Landcharten der alten Zeiten, sondern auch, h) wenn es immer möglich ist, durch obgleich mittelmässige, Kupferstiche, um Aug und Ohr zugleich empfinden zu machen, und das Gedächnis nebst dem Verstande mit deutlichen Begriffen zu erfüllen, Man lässt die Schüler auch selbst Schlüsse aus den vorge- tragenen Handlungen ziehen, und ihre Meinungen sagen, wie sie glaubten, dass sich dieser oder jener Zufall gewendet habe, oder zu was sie sich in demselben entschlossen hätten. Hier- durch wird(welches unstreitig in jeder Lehrart eine Hauptsache, und, was mehr als gelehrt seyn heisst, einen klugen Mann ausmachet) das Ver mögen ihrer Beurtheilung ge- schärfet, und ihre Begierde zu wissen und zu erfaren immer mehr und mehr angefeuert. Ver- schiedenes aus den Büchern der Mme Beaumont kann hierinn zum Muster dienen.
§ 179. Die Geschichte theilet sich nun bekanntlich in die geistliche und weltliche. Beide sind entweder die alte oder die neue. Jene des alten Testamentes, oder von Er- schaffung der Welt, bis auf die Geburt Christi, ist der erste Theil der Geschichtslehre. Dieser wird also zuerst behandelt und wieder in seine Abschnitte zergliedert. Da die Geschichte des auserwälten Volkes mit den übrigen Völkern der Erde nothwendig verbunden ist, so bringt die Natur der Sache und der Zusammenhang mit sich, auch die anderen Bewohner der Erde mit auf den Schauplatz tretten zu lassen, z. B.: Bei der Epoche von der Sünadflut, bis zu dem Auszuge der Israeliten aus Agypten, kömmt nothwendig die Theilung der Kinder Noah und der Ursprung der nachhin entstandenen babilonischen und assirischen Reiche nebst dem Königreiche Agypten in Betrachtung. Und so haben dann, bei anderen Zeitpunkten, Persien, das römische Reich, die afrikanischen und andere Staaten ihren synchronistischen Einfluss. Aller dieser wird also, in dem Masse, wie von einer Hauptepoche zur anderen fortgeschritten wird. Meldung gethan, damit dem Schüler nichts unbekannt bleibe, das zum natürlichen Zu- sammenhange der Geschichte gehöret. Von Seiten des Lehrers ist hiebei nöthig. die Verwirrung der Begriffe sorgfältig zu vermeiden: zu diesem Ende, nach der bergerischen syn- chonistischen Art, grosse Wandtabellen zu entwerfen, darinn die geistliche Geschichte, als den Haupttheil, in die erste Reihe zu schreiben, die übrigen nach und nach, wie davon im Laufe der Zeiten Meldung geschieht, mit anzuschreiben; der völlständigen Ausfürung der weltlichen Geschichte aber eine besondere Bearbeitung zu widmen. Der zweite Theil der geistlichen Geschichte begreifet jenen von der Geburt des Erlösers bis auf unsere Zeiten. Die Lehrart bleibt jener des ersten Theiles allerdings ähnlich. Hier fehlet es aber vorzüglich an einem guten Lehrbuche, welches die Geschichte der christlichen Kirche, die Beschäftigung der Konzilien, die Anlässe der Glaubensspaltungen und andere Merkwürdigkeiten in gründlicher Verfassung enthielte..
§ 180. Die weltliche Geschichte wird, gleich der geistlichen in die zween Hauptheile, vor und nach der Geburt Christi getheilet. Der erste begreift gemeiniglich die sogenannten Vier grossen Monarchieen in sich. Da, unter diesen, die römische die vornehmste ist. welche die übrigen, ja fast die ganze damals bekannte Welt verschlungen hat: so ist es noth- wendig, durch sie die Leitung der Geschichte. vor Christi Geburt, zu bewirken, und die übrigen Reiche immer auf das römische zurück zu füren. Der Gebrauch der Tabellen und Landcharten ist hier eben so unentbehrlich, als oben bei der geistlichen Geschichte. Bei dem zweiten Theile der weltlichen Geschichte wird das römische Kaisertum, von Augustus an, bis auf


