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3 (1899) Von den Mittelschulen
Entstehung
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Reglen der Sprache immer mündlich mit angemerket, und an der Tabelle, zu desto leb- hafterer Einprägung, nachgewiesen, endlich e) auf das Lateinreden selbst(es komme dann gleich im Anfange so barbarisch heraus, als es wolle) unabwendig gedrungen.

§ 171. Da hier vom Gebrauche der lateinischen Schriftsteller die Rede ist: so sind hier- bei überhaupt einige Anmerkungen zu machen. So gewiss es ist, dass die lateinische Sprache nur aus den besten Schrittstellern des ehemaligen Rom erlernet werden sollte: so gewis ist es zugleich, dass der Innhalt der sämtlichen klassischen Authoren über den Begriff der Jugend ist. Es wird also hierinn gegen die oben gesetzte Regeln verstossen, dass man zugleich mit der Sprache nützliche Realitäten erlernen solle. Man giebt Kindern, um eine Sprache zu er- lernen, die Werke der grössten Staatsleute in die Hände, welche voll der tiefsten politisch- und philosophischen Betrachtungen sind, oder man beschäftiget sie mit Schriften von unternommenen Kriegen und deren Ursachen, wovon sie keine Silbe begreifen, und deren Lesung ihnen eben aus diesem natürlichen Grunde sehr unangenehm seyn muss. Es wäre ja hundert- fach besser, wenn man ihnen gute lateinische Bücher vorlegen könnte, welche von verschiedenen Künsten und Nothwendigkeiten des menschlichen Lebens, von dem Feldbau. von der allgemeinen und besonderen den heutigen Zeiten interessanten, Geschichte, und ihren reichen Beispielen der Sittlichkeit handelten, zugleich aber, in Rücksicht der Sprache eben so gut und rein geschrieben wären, als die gewöhnlichen klassischen Schriftsteller. Allein darin fehlet es überhaupt noch allen Schulen der Welt, und ausser dem Liber latinus des Büschings ist nur noch das Vorhaben eines Professors Basedow bekannt. So lange also diese fehlen, bleibt nichts übrig, als sich an jene zu halten, welche von den römischen Zeiten übrig sind. Diese sind, für die Anfänger, die Asopischen, hierauf die Fablen des Phädrus, nach diesen(und zwar in einer, den Klassen und dem Grade der Fähig- keit der Jugend angemessenen, Ordnung).

1) Die Schriften des Corn. Nepos. Publilius Syrus. Terentius. Ciceronis ad familiares select. eiusd. Laelius. Cato major. Somnium Scipionis

2) Crispus Sallustius. Livius. Suetonius. Ciceronis orationes selectae. Varro. Cuaesar.

Mela. Columella.

3) Virgilius. Horatius. Ovidius metamorph, Lucanus.

4) Cicero de natura Deorum, de Moribus. Seneca. Plinius secundus. Tacitus. Damit aber doch hiebei die Beschwerlichkeit so viel möglich erleichtert werde: so ist unum- gänglich nothwendig, dass der Lehrer jedesmal, ehe zu Lesen eines alten Schriftstellers ge- schritten wird, von Umständen des Authors, von der politischen Verfassung des Landes und dessen Bezug auf andere(soviel hievon einer Jugend begreiflich gemacht werden kann) einen belehrenden Vorbericht gebe, damit hievon der ganze Innhalt einiges Licht ge- winne. Der Nutzen dieser Lehrweise ist augenscheinlich, und wird sich zweyfach äussern. Eines Theiles, dass dadurch in den Schülern das Verlangen zum Lesen und zum Verstehen aufgewecket, und der Geschmack in Lesung des Buches erreget; anderen Theiles aber den- selben von den historischen Kenntnissen selbst eine vorläufige Nachricht eingeflösset wird. Von einer weiteren Benutzung der klassischen Autboren wird unten an seiner Stelle, wo der Philo- sophie einiger Einfluss in diese Schullehre gestattet wird, Meldung geschehen.

§ 172. Mach dieser Methode des Memorirens. Übersetzens und Sprechens fliessen die

ersten beiden Jahre dahin. Es ist gar nicht zu zweifeln, dass die Schüler nach deren Verlauf einen grossen Fortgang in der lateinischen Sprache gemacht haben werden, ohne in Verdruss