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T. 1 (1915)
Entstehung
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frangoise(1781) empfiehlt er dem Lehrer, die Schüler die verschiedensten Mundstellungen für die Hervorbringung der Laute einnehmen zu lassen, z. B.bald den Mund zu ölnen, wie bei dem Vokal o in or, und bei dem Nasendoppellauter ien in bien...; bald die Zähne zusammen zu halten, wie in der Aussprache des e in été...; bald die Spitze der Zunge an den Gaumen zu bringen, wie bei dem... wie bei der Aussprache des konsonant... usw.

Auch De la Veaux macht in seinen Vrais Princibes(1785) gelegentlich einmal(S. 22) eine Bemerkung über die Hervorbringung. Bemerkenswerter ist, daß er wie der vorhin genannte Kilg die Konsonanten nach ihrer Hervorbringung einteilt in Lippen-, Zungen-, Gaumen-, Zahn- und Nasenlaute.

Diese Einteilung der Laute in Gutturale, Palatale, Labiale und Dentale, die Fogliani(1791) in dem der italienischen Sprache gewidmeten Teil seiner Elemens philosophigues(S. 4) als jetzt üblich bezeichnet, hat sich ganz allmâhlich durchgesetat. Während zwar die meisten Grammatiker des 16. bis 18. Jahrhunderts die Laute oder vielmehr die Buchstaben noch in alphabetischer Ordnung aufführen, finden sich Ansätze zu einer phonetischen Einteilung schon seit der ältesten Zeit.

Wenn allerdings in dem Lambeth Fragment(1528) die Laute f, L, m, n, r, s als Halbvokale ſdemy voelles) von den übrigen Konsonanten(mutes) getrennt werden, ¹) so handelt es sich hierbei noch um keine eigentliche Einteilung nach der Hervorbringung. Barcley(1521) hatte über die Konsonanten gesagt: These consonantis be deuyded agayne into mutes liquides and semy vowels. ²) Dagegen rechnet der für Deutsche schreibende Lumnius(1588), der in seiner Grammatik die Buchstaben nicht die Laute inConsonanten, Vocalen und Liquiden einteilt, zu letzteren nur I, m, ¹n, T.

Ramus(1562) unterscheidet voyelles ouvertes und voyelles arrondies, scheint also schon eine Vorstellung von dem Unterschied zwischen rein lingualen und labialisierten Vokalen gehabt zu haben. ²)

An die Einteilung des Lambeth Fragment erinnert Canels(1688) Unterscheidung der Kon- sonanten in Liquidae und Mutae. Er definiert(S. 7):Die Liquidae seynd C. F. L. N. und K. die allezeit so wol im Anfang/ Mitten/ als am Ende der Wörtern müssen ausgesprochen werden... Die übrige Consonantes seynd mutae.

Fuchs(1739) erinnert zwar daran, daß die Hebräer ihre Konsonanten nach der Hervor- bringung in Gutturale, Labiale u. s. w. eingeteilt hätten, behält aber selbst die alphabetische An- ordnung bei. Durchgeführt wird die phonetische Einteilung der Laute im Unterricht erst am Ende des 18. Jahrhunderts bei Kilg, De la Veaux und Fogliani. Diese Anordnung fand nach und nach immer mehr Anklang. In der 4. Auflage z. B. derGrossen franz. Sprachlehre von Daulnoy(1821) werden der Reihe nach die Lippenlaute(S. 29), Zahnlaute(S. 32), Nasen- laute(S. 34), Zungenlaute(, 7 S. 36), Kehllaute(c,& vor a, o, u), Zischlaute(5, 7, vor, 5, hervorgebracht durch das Zischen der dem Gaumen sich nâhernden Zunge, und h,&, 7 vor,:, hervorgebracht durch das Zischen der von dem Gaumen sich entfernenden Zunge), Labiodentale O., pkh, v) u. s. w. behandelt. Das nur nebenbei. 3

Hatte schon Pillot) auf die Unzulänglichkeit derartiger Anweisungen über die Artikulation, wie wir sie oben angeführt haben, hingewiesen, so spricht sich doch von all den Grammatikern, deren Lehrbücher wir eingesehen haben, nur einer direkt gegen dieses Verfahren aus, nämlich

¹) Vgl. Ellis a. a. O. III, 815.

²) Vgl. Ellis a. a. O. III, 806.

3) Vgl. Lange a. a. O. 20.

4) Vgl. S. 22 dieser Abhandlung.