— 22—
Für das Französische finden wir eine Angabe über die Stellen, wo die Vokale hervorge- bracht werden, schon in dem um 1400 geschriebenen Donait francois des Johan Barton: Le premier vouyel est a et serra sonne en la poetrine, le seconde est e el serra sonne en la gorge, le tiers est i et serra sonne entre les joues, le guart est O et serra sSonne au palat de la bouche, le quint est u et serra sonne entre les levres.¹)
In dem Lambeth Fragment on French(1528) finden wir folgende Stelle: A. ought to be pro- nounced from the bottom of the stomak and all obenly. E. a lytell hyer in the throte there probrely where the englysshe man soundeth his a.— i more hyer than the e within the mouthe.— O in the roundenesse of the lyphes.— V in buttynge a lytell of wrynde out of the mouthe thus, ou, and not you. Und Tory(1529) sagt in seinem Chamfp fleury: I veult estre pronunce.... dune alayne et esperit yssant entre les dents ung peu serrees. ²)
Mehr allgemeinerer Art ist die Bemerkung, die Palsgrave(1530) über die Hervorbringung der französischen Laute macht. In der Einleitung zu seinem umfangreichen Eclaircissement sagt er: To be armonious in theyr Spekyng, they use one thyng, which none other nation dothe, but onely they, that is to Say, they mabe a maner of modulation inwardly, for they forme certayne of theyr vowelles in theyr brest, and suffre nat the sounde of them to Hasse out by the mouthe, but to assende from thhe brest straight up to the palate of the mouth, and so by reflection vssueth the Sounde of them by The nose. 2²). Aus der Introductorie des Du Guez(1532) ließe sich allenfalls die folgende Stelle als eine derartige Beschreibung der Artikulation ansprechen: Ve shal pronounce your a, as wyde mouthed as ye can.¹). Im übrigen vergleicht Du Guez, der die Aussprache überhaupt ziem- lich kurz behandelt, mit den lateinischen und englischen Lauten.
Häufiger hat Pillot(1550) derartige Beschreibungen angewandt. So heißt es bei ihm: Iuter b, et p, d, æt t, v/consonantem et digammam t, Germani perguam tenue discrimen faciunt: Galli mullo maius pronunciantes b, et d, et v, consonantes leuiori Spiritu remissiorigue labiorum motu guam p, t, et i. Ueber den durch n in Wörtern wie Allemagne u. ä. bezeichneten Laut bemerkt er: lingua in medio curua et pulsante inferius maxillam, Ssalina interclusa, ut Sonus fiat madior et delicatior, quod imitatione diligenti galli loquentis, guam descriptione longa, melius discere licet, neque sane, ad id idioma recté scribendum ut effertur, hactenus habuimus satis indonaeum elementum.⁵) Ueber die den Deutschen eigentümliche Ausprache des französischen) heißt es bei demselben Grammatiker: Germani primum gallicéè sonore discentes hanc consonantem malè exprimunl largiore gquiphe Spiritu et plus aeguo referatis primoribus dentibus ijsgue non satis oppressa lingua.
H. Estienne(1582) bemerkt über das weibliche«, es werde obtuso minusgue claro algue adeo imperfecto quodam sono, guasi faucibus inhaerente gesprochen.
Von Beza(1584) können wir mehrere derartige Beispiele anführen. Ueber à sagt er S. 12: Haec vocalis, sono in radice linguae solis faucibus formato, ore hiante dlarè et sonorèé d Francis egfertur, quum illam Germani obscurius et sono gquodam ad gquartam vocalem o accedente pro-
¹) Vgl. Stengel in Zeitschrift f. neufranz. Sprache u. Lit. J, 25.
2) Zitiert von Lange a. a. O. 19, Anm. 2.
³) Ausg. von Génin, S. XV.; auch zitiert von Ellis a. a. O. III, 816.
4) Ausg. von Génin(derselbe Band wie Palsgrave) S. 899.
5) Pillot ist sich also schon der Unzulänglichkeit phonetischer Transkriptionen wie überhaupt jeder schriftlichen Fixierung von Lauten bewußt. Er verwirft derartige Hülfsmittel keineswegs, sondern fordert nur zur Ergänzung den mündlichen Unterricht, wovon in einem besonderen Kapitel die Rede sein wird.


