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den Schülern, die Wort für Wort gleich stark hervorstoßen, das Sinnwidrige einer derartigen Artikulation zu zeigen, als ihnen ebendenselben Satz mit der gleichen Betonung deutsch vor- zuführen.
Poetevin(1728 und 1753), der sich an Roux und z. T. auch an den„Verbesserten frans. Langius“ anschließt, vergleicht ebenfalls mit deutschen Lauten, behandelt aber die Aussprache nicht so ausführlich wie seine Vorbilder, sondern begnügt sich mehr mit tabellarischen Zusammen- stellungen. Ebenfalls von Roux oder Comenius scheint Georg August Fuchs(1739) be- einflußt zu sein, der seine Regeln an das Deutsche oder das Lateinische anzupassen sucht, „welches ein Hauptvortheil ist, wenn man eine fremde Sprache erlernen will, daß man beständig das unbekannte auf etwas bekanntes reducire.“ Dieses Prinzip überträgt er auf die Aussprache- lehre. Er nennt dem Schüler deutsche oder lateinische Wörter, in denen die in Frage kommen- den Laute in gleicher Weise ausgesprochen werden. Auf diese Art stelle man die bekannte Aus- sprache der IZmagination als gegenwärtig dar und messe die noch unbekannte gleichsam danach ab.
Mit deutschen Lauten vergleichen um jene Zeit noch P. Mignot, dit Beautour(1743) ¹), Steinbrecher(1744), Colom(1776)), Greiffenhahn(1749), Klüter(1750), die Gram- maire Raisonnée(1762)), Parrot(1763), Demengeon(1791)), Chastel(1792) 5), Debo- nale(1797), Brüel(1799) u. a.
Während uns die neuere Phonetik gezeigt hat, daß die scheinbar im Französischen und Deutschen gleichlautenden Laute doch von beiden Völkern verschieden hervorgebracht werden, worauf auch gelegentlich frühere Grammatiker schon hinwiesen, meint Du Grain(1738):„Man muß sich nicht einbilden daß alles anders als in Latinitate und im Teutschen ausgesprochen werde.“ Auch Steinbrecher(1744) identifiziert einfach eine Reihe von deutschen und französischen Lauten.
Vorsichtiger drückt sich Rädlein(1729, 3. Aufl.) ⁰) aus, der in einem besonderen Abschnitt davon spricht,„was ein Teutscher im pronunciren im Frantzösischen vornehmlich in Acht zu nehmen hat.“ Vor allem warnt er vor der aspirierten Aussprache der Hochdeutschen und weist auf die Verschiedenheiten der Aussprache hin mit den Worten:„Wer unterschiedene Landübliche Sprachen gelernet, der muß, wenn er eine jede recht aussprechen will, bey einer jeden den Mund und die Zunge auf andere Art formiren.“(S. 71). Mouton(1712), der das Deutsche nur sehr mangel-
¹) Er sagt z. B.(S. 5) über den ersten Laut in Wörtern wie 7uste, Jesus: presgque le même son gu'ils lles Allemands] donnent à sch, le plus délicatement gu'il leur est Hossible.
²) S. 22 heißt es bei ihm:„Dieses nasse, oder lieblich fließende? muß so zweifelhaft lauten, daß man nicht weiß, ob das 7 mehr vor, oder mehr hinter dem? gehõret werde. Am besten ist es, daß man den Laut des Vocalis oder Diphtongi etwas lang schleppe, und dann das folgende wie j spreche, wie im Deutschen Familie, so auch fa-mi-lle. Wenn dieses am Ende steht, so muß man kurz abbrechen, mit einer gelinden Zerfliessung: als mail wie mahlf, oder ein sanftes mahlch.“
3) In ihr wird z. B. der dumpfe n-Laut verglichen mit dem e der Votsilben in deutschen Wörtern wie„Gewerb, Ge- dächtniß, Getümmel“ u. a.— Daß die Laute keineswegs gleich sind, hebt K. Quiehl hervor in seiner„Franz. Aussprache und Sprachfertigkeit.“ 5. Aufl.(Leipzig u. Berlin 1912), S. 31.
4) z. B. S. 33: Das m, n der Nasalvokale laute„Ungefähr wie das deutsche a vor in den Wörtern Mangel, fangen, länger.“ Doch dürfe man ja nicht das mit aussprechen.
5) In seinem Essai d' une Grammaire achevée, der sich hauptsächlich mit der Formenlehre und Wortfügung befaßt und in dem deshalb die Aussprache nur kurz behandelt ist, heißt es:„D klingt wie das deutsche a, noch etwas sanfter.— G vor a,, u, und vor einer consonne klingt wie in dem deutschen Worte Gott, oder groß, nach der oberrheinischen Mundart, das ist, wie ein halbes 2.— G vore und? wie ein halb ausgesprochenes deutsches sch.“
6) Rädleins Behandlung der Aussprache wird von Du Grain(1738) als eine in jeder Hinsicht vollkommene gerühmt.


