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T. 1 (1915)
Entstehung
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muß von dem æ fast gar nichts hören, welches auch bey den folgenden Num. II. 23. und 30. zu wiederholen ist; sintemal z. E. ang ja nicht darf lauten, wie in dem teutschen Wort Anfang; sondern man hort in allen diesen Sylben nichts als einen dunkeln Klang Sonum nasalem) und nicht ein n oder& so stark, wie im Teutschen.

Hatte Bernhard(1607) die Dialektaussprache zum Vergleich herangezogen, so warnt Roux davor, beim Vergleichen mit deutschen Lauten falsche Dialektaussprachen mit einzu- mischen. So sagt er z. B.(S. 9) bei der Unterscheidung von ö, e, ä:absonderlich müssen es diejenigen Teutschen wohl mercken, welche es lnämlich das ö] gar zu helle machen, und pro- nunciren blede an statt ölöde, damit sie nicht hernach Serviter an statt Serviteur pronunciren.

Reichlich Gebrauch von dem Vergleichen mit der Muttersprache macht der Herausgeber des Verbesserten Fransösischen Langius(1743). Im Anschluß an Comenius vertritt er die Ansicht, man solle beim Lehren und Lernen einer Sprache Stück für Stück an eine schon bekannte, z. B. die Muttersprache anknüpfen und das damit Uebereinstimmende und davon Abweichende hervorheben.) So stellt er z. B. zur Verdeutlichung des Unterschiedes zwischen Tenues und Mediae deutsche Wörter gegenüber,²) was besonders auch der Dialekte wegen von Nutzen sein konnte. Der Verfasser sagt nämlich:Die Herren Sachsen und Franken können sich diesen gewiß guten Rath mit un- gemeinem Vorteil zu Nutze machen.

Weil dieser Grammatiker den französischen Silbenklang möglichst aus den deutschen Tönen, mithin das unbekannte aus Vergleichung mit dem bekannten erläutern will, geht er zunächst mit seinen Schülern an der Hand von Freyer'sOrthographie das Wichtigste aus der deutschen Schreibung und Aussprache durch. Auch als Sarganeck über den Gebrauch seinerGeneral- Tabelle alles Declinirens und der natürlichen Syntax spricht(1743, S. 146), bemerkt er:Nach dieser Tabelle ist... zuvörderst die Muttersprache des Lernenden wohl zu exerciren...³) Sogar auf satzphonetische Fragen seiner Muttersprache macht Sarganeck wie schon Meigret¹) seine Schüler aufmerksam, um daran dieselbe Erscheinung in der französischen Aussprache zeigen zu können.) Auch heute noch hört man immer wieder, wie die Schüler hauptsächlich der Unterklassen die dem Sinne nach meist schwachbetonten Wörter(wie Artikel, Pronomina, Präãpositionen u. dgl.) ebenso stark betonen wie die Wörter(Substantiva, Verben u. dgl.), die Hauptträger des Sinnes sind. Und auch heute noch haben wir kein besseres Mittel,

¹) Auch S. 607 ff. der Aufl. von 1743(in den Auflagen 1758, 1769 S. 470 ff.) wird in demVerbess. Pranz. Langius auf die Vorzüge der Obera didactica des Comenius verwiesen; es heißt da u. a., daß dieser Grammatiker mit der Muttersprache und einigen anderen vergleiche, was in vielen Dingen Licht und Vergnügen schaffe.

2)B und P ist unterschieden, wie im Teutschen, in den Worten Bein und Pein, z. E. bas und Bas. Aehnliche Bei- spiele sind:

d: t denen: tönen, don ton

g:, k Garten: Karten, guerir. guerir j, g: ch schaden, Jacgues. chague

V: f Wein: fein, vin. fin

z: s Rose: Rosse, Zéle. selle.

3) Hezel(1799) geht zunächst an der Muttersprache die wichtigsten Begriffe von Sprachlehre, Sprachregeln, Rede- teilen, grammatischen Terminologien u. àA. durch.

4) Ausg. seiner Grammatik von W. Förster(Sammlung französischer Neudrucke, Bd. 7), Seite VII.

5)Vocales werden zuweilen durch die drauffolgenden Sylben im Ton verändert: z. E. der Vocallsa in au ist kurtz und schwach in dieser Connexion: Du sagst gar nichts darzu, weil eine starke, laute oder steigende Sylbe drauf folgt. Hingegen ist das lang, stark und laut in dieser Connexion: Sagst du denn nichts dazsu? weil eine schwache, stille oder fallende Sylbe drauf folgt.